Derzeit bekommt der Sachsenheimer Teilort Hohenhaslach Breitband für schnelleres und zuverlässigeres Internet. Was im Dezember vergangenen Jahres mit einem symbolischen Spatenstich begann (die BZ berichtete), ist nun in vollem Gang – oder auch nicht. Denn bei der BZ hat sich vor wenigen Tagen eine Leserin, die nicht namentlich genannt werden möchte, gemeldet und sich darüber beklagt, dass alles nur sehr langsam vonstatten gehe, die mit den Arbeiten betrauten Firmen mitunter etwas unkoordiniert arbeiten würden und oft nicht über passendes Arbeitsgerät verfügten. An manchen Tagen, moniert die Anrainerin, passiere gar nichts. „Die Bautrupps für die Hausanschlüsse haben aber kaum Gerätschaften vor Ort außer Schaufel und Eimer. Baufahrzeuge und dergleichen sind alle gemietet.“
Sachsenheim „Alles etwas unkoordiniert“
Eine Leserin aus Hohenhaslach stört sich am ihrer Ansicht nach schleppend vorangehenden Breitbandausbau.
Fördermittel bis Ende 2027
„Interessant wäre, zu wissen, wie lange der ganze Prozess dauert, denn im Mai 2027 laufen die Fördermittel aus“, sagt die Leserin. Dazu äußert sich Viktor Kostic, Geschäftsführer des Zweckverbands Kreisbreitband Ludwigsburg auf Anfrage wie folgt: „Welches Gewerk wann und in welcher Reihenfolge durchgeführt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unter anderem davon, wann und wie viele Kunden sich in einer Straße für einen Glasfaseranschluss registrieren.“
Dass die Fördermittel im Mai 2027 auslaufen, sei allerdings nicht korrekt. Unabhängig davon, dass die Fristen bis zum endgültigen Abschluss der Bauarbeiten verlängert werden könnten, ende der aktuelle Bewilligungszeitraum für Sachsenheim am 31. Oktober kommenden Jahres. „Die Dauer des Ausbaus hängt von zahlreichen Faktoren ab, beispielsweise von der Anzahl der registrierten Glasfaserkunden, möglichen Bauverzögerungen oder naturschutzrechtlichen Vorgaben“, so Kostic weiter.
Auch Katja Kunicke, Pressesprecherin der Deutschen Telekom, sagt: „Wir können nachvollziehen, dass die Bauarbeiten für einige Anwohner teilweise wenig koordiniert wirken können. Tatsächlich erfolgt der Glasfaserausbau in mehreren technisch aufeinander abgestimmten Bauabschnitten. Zunächst werden die Hausanschlüsse vorbereitet und hergestellt. Parallel dazu finden die Tiefbauarbeiten im öffentlichen Bereich statt. Anschließend werden die Glasfaserkabel in die vorbereiteten Leitungswege eingebracht, bevor die Montage und schließlich die Inbetriebnahme der Anschlüsse erfolgen.“
Die Leserin kritisiert zudem: „Ich hatte vor zwei Wochen den Zettel im Briefkasten, dass sie in den nächsten Tagen in unserer Straße anfangen. Bis heute ist nur eingezeichnet, aber nichts gemacht. Der Trupp für den Hausanschluss hat in unserer Straße ein paar gemacht, jetzt ist er wieder verschwunden.“
Abstimmung mit Eigentümern
Kostic: „Im Landkreis Ludwigsburg werden sowohl im eigenwirtschaftlichen als auch im geförderten Ausbau Tausende Glasfaseranschlüsse gebaut.“ Hinzu komme eine aufwendige Abstimmung mit dem jeweiligen Eigentümer zur Bauausführung des Hausanschlusses zwischen Gehweg und Gebäude. Zudem komme es immer wieder vor, dass Endkunden trotz Informationsschreiben, Plakaten und Informationsveranstaltungen erst kurz vor Ablauf der Registrierungsfrist oder sogar erst danach feststellten, dass sie für einen Glasfaseranschluss selbst aktiv werden müssten, um tatsächlich diesen zu erhalten. Katja Kunicke ergänzt: „Vereinzelt kann es vorkommen, dass manche Hausanschlüsse im ersten Bauabschnitt noch nicht hergestellt werden können – beispielsweise aufgrund einer fehlenden Zugänglichkeit des Grundstücks, kurzfristiger Terminverschiebungen oder technischer Besonderheiten vor Ort.“
Die Sache mit den „Weißen Flecken“
Die Leserin stört sich auch an der Tatsache, dass viele Bürger keine Ahnung hätten, wie die „Weißen Flecken“ von der Telekom bestimmt worden seien. „In unserer Straße gibt es ein Doppelhaus. Die eine Hälfte bekommt den Anschluss, die andere nicht. Das ist ein totaler Irrsinn. Zwei Häuser in unserer Straße haben angeblich eine zu gute Internetverbindung.“ Das stimme nicht und die Bewohner seien total verärgert, aber sie könnten nichts machen. Kostic: „Zum geförderten Ausbauverfahren ist grundsätzlich Folgendes zu erläutern: Auf Grundlage einer Markterkundung müssen alle in einer Kommune tätigen Telekommunikationsunternehmen ihre tatsächlich verfügbaren Bandbreiten für jede einzelne Adresse melden.“ Im sogenannten „Weiße-Flecken-Förderprogramm“ könnten anschließend ausschließlich diejenigen Adressen mit Fördermitteln von Bund und Land ausgebaut werden, die aktuell mit weniger als 30 Mbit pro Sekunde versorgt seien.
Und Kunicke erklärt: „In Bezug auf die sogenannten ,Weißen Flecken’ ist dieser Punkt besonders wichtig: die Abgrenzung der förderfähigen Anschlüsse wurde nicht durch den Zweckverband oder die Telekom willkürlich festgelegt. Grundlage hierfür waren die zum Zeitpunkt des Förderantrags geltenden Förderrichtlinien von Bund und Land sowie ein vorgeschriebenes Markterkundungsverfahren.“ Förderfähig seien ausschließlich Adressen gewesen, die die damaligen Förderkriterien erfüllt hätten. Dadurch könne es in Einzelfällen vorkommen, dass benachbarte Gebäude, beispielsweise das angesprochene Doppelhaus, unterschiedlich eingestuft worden seien.
