Das Schlossfreibad ist ein echtes Schmuckstück, und die Sachsenheimer sind zu Recht stolz auf diese Freizeitanlage. Heute vor 73 Jahren, am 15. August 1953, wurde sie feierlich ihrer Bestimmung übergeben.
Sachsenheim Als das Bad Realität wurde
Am 15. August 1953 wurde das Schlossfreibad seiner Bestimmung übergeben.
Auch wenn sich da der Sommer fast schon dem Ende zuneigte, die letzten heißen und warmen Wochen wurden noch so richtig ausgenutzt und das neue „Bädle“ genossen. Bemerkenswert ist auch die Entstehungsgeschichte der Anlage. Wo heute der rührige Trägerverein seit über 20 Jahren dafür sorgt, dass das Bad nach wie vor existiert – die Stadt wollte es seinerzeit wegen finanzieller Gründe schließen – so hatten die wackeren Sachsenheimer Anfang der 1950er-Jahre den Willen, für den Zweck der Errichtung eines eigenen Freibads einen Bauverein zu gründen.
Erste Pläne gab es bereits 1938
Zwar gab es bereit 1938 Pläne sowie die Zusage des Gemeinderats, ein Freibad zu bauen, doch der Zweite Weltkrieg vereitelte dieses Vorhaben. Während des Krieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit war an den Bau nicht zu denken gewesen. 1951 jedoch, als die Stadt Schloss und den Schlossgarten gekauft hatte, gab es erneut Hoffnung.
Die Verwaltung hatte zudem beschlossen, den Grünzug im Herzen der kleinen Stadt, die damals noch selbstständig war, den Bürgern (auch) für sportliche Zweck zur Verfügung zu stellen. Allerdings war die Stadt schon damals recht klamm, sodass sich Bürgermeister Paul Roller außer Stande sah, dies aus dem Stadtsäckel zu finanzieren, zumal auch noch die Pläne einer Festhalle in der Schublade schlummerten. Er befand daher, dass einen der beiden Wünsche die Bürger selbst in die Hand nehmen sollten. Reinhold Spiess, Prokurist von Kienle + Spiess (heute Feintool) war von der Idee begeistert und er verfasste eine Denkschrift zur Errichtung des Freibades, welches in Gemeinschaftsarbeit gebaut werden sollte.
Das Prinzip war denkbar einfach – die Bürger Sachsenheims sollten sich finanziell engagieren. Spiess schwebte vor, dass die Eigenleistungen alleine 60.000 Mark einsparen konnten, was unterm Strich bedeutete, dass von den veranschlagten 150.000 Mark noch 90.000 Mark verbleiben sollten. Jeder Bürger sollte für 48 Arbeitsstunden oder gegen eine Spende von 50 Mark – was damals nicht wenig Geld war – eine Freikarte erhalten, die sechs Jahre lang gültig war.
Auch die Stadt, obwohl, wie erwähnt finanziell nicht auf Rosen gebettet, steuerte 25.000 Mark bei, und von Kienle + Spiess gab es nochmals 10.000 Mark „on top“. Damit nicht genug – damit die Sache an Fahrt gewann, gründete Reinhold Spiess die „Schlossbad-Baugemeinschaft“, und er fungierte als Vorsitzender.
Die Pläne für das neue Bad fanden auch beim Gemeinderat Gefallen, und so wurde im März 1953 mit dem Bau begonnen. Die Finanzierung stand, die Motivation war greifbar, es konnte losgehen. Eine Werbewoche vom 23. bis zum 28. März, sollte die Bürger zum Mitmachen animieren und zudem weiteres Geld in die Baukasse bringen.
Fundraising in den 1950er-Jahren
Außerdem sammelte die Baugesellschaft durch eine Kinovorführung in den „Hirsch-Lichtspielen“ und ein Konzert zusätzliche Spenden – heute würde man es Fundraising nennen. Jedenfalls rollten bereits im Frühjahr die Bagger an, um das Gelände für den Bau des Schwimmbeckens vorzubereiten, wobei auch die Pioniere der US-Streitkräfte emsig mithalfen. Dadurch konnten weitere 14.000 Mark eingespart werden. Und auch die Sachsenheimer engagierten sich mit Fleiß und halfen am Bau an ihrem „Bädle“ mit.
Alles in allem kostete es inklusive der Grundstückskosten knapp 215.000 Mark, wovon die Bürgerinnen und Bürger einen Eigenanteil von 40 Prozent aufgebracht hatten. Und so war bereits im Mai 1953 der Rohbau vollendet, sodass bis August die restlichen Arbeiten durchgeführt werden konnten und das Freibad seiner Eröffnung harrte.
Am 15. August schließlich übergab Reinhold Spieß das Schlossfreibad den Bürgern und Bürgermeister Paul Roller, der es feierlich einweihte.
Die Bürgerinnen und Bürger standen am Beckenrand, als der Ludwigsburger Schwimmverein Ludwigsburg und die DLRG aus Kornwestheim Vorführungen beisteuerten, und als der Musikverein muntere Weisen darbot, nahmen die Sachsenheimer das 50 auf 20 Meter große Becken in Beschlag.
