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Von Michaela Glemser
Lena Frey, Doris Bothner und Schulleiter Rainer Graef setzen große Hoffnung in die Schulsozialarbeit. Foto: Michaela Glemser

Doris Bothner berichtet aus ihrem Alltag als Vermittlerin an der Kirbachschule in Hohenhaslach. 

Sie ist täglich an der Kirbachschule im Einsatz. Führt Gespräche mit Schülern, Eltern und Lehrer, bietet spezielle präventive Programme an und versucht bei Konflikten sowie Problemen gemeinsame Lösungen zu finden. Seit rund eineinhalb Jahren ist Doris Bothner an der Kirbachschule in Hohenhaslach für die Schulsozialarbeit mit einem Stellenumfang von 50 Prozent tätig. In ihrer jüngsten Sitzung haben die Mitglieder des Sachsenheimer Verwaltungsausschusses diesen Stellenumfang auf 70 Prozent erhöht, da der Bedarf stetig anwächst.

„Meine Aufgaben in der Schulsozialarbeit stützen sich auf drei Säulen. Zunächst einmal arbeite ich präventiv in den Klassen und biete Programme zur gewaltfreien Kommunikation, zu Mobbing oder Suchtthemen, bei älteren Schülern auch zur Schuldenberatung an“, erläutert Bothne. Neben den Präventionsprogrammen ist Bothner in ihrem Büro aber auch für die Schüler als Ansprechpartnerin erreichbar. Über die Schulcloud steht sie Kinder und Jugendlichen, Eltern und Lehrer sogar auch über ihre Präsenzzeiten an der Schule hinaus zur Seite.

Freiwilligkeitsprinzip ist wichtig

„Die Schulsozialarbeit beruht auf dem Freiwilligkeitsprinzip, und die Betroffenen kommen von selbst zu mir. Ich unterliege der Schweigepflicht. Aber natürlich zeige ich auch auf dem Schulhof und im gesamten Schulhaus Präsenz und frage die Schüler nach ihrem Wohlbefinden“, sagt Bothner. Die Schulsozialarbeiterin ist auch Ratgeberin der Eltern und versucht bei Problemen miteinander tragbare Lösungen auszuarbeiten. „Gerade die Aversion gegen den Schulbesuch hat in jüngster Zeit zugenommen und dafür führe ich auch Hausbesuche durch und vermittle an Fachstellen weiter“, erläutert Bothner.

Sie arbeitet für die Evangelische Jugendhilfe im Kreis Ludwigsburg Hochdorf, die an nahezu allen Sachsenheimer Schulen die Schulsozialarbeiter stellt und dafür von der Stadt finanziell unterstützt wird. Auch das Land Baden-Württemberg gewährt über ein Förderprogramm einen Zuschuss.

So müssen die Verantwortlichen der Stadt Sachsenheim für die einstimmig beschlossene Erhöhung des Stellenumfangs von Bothner von 50 auf 70 Prozent ab Januar 2026 rund 20.000 Euro aufbringen. „Wir sind froh, dass wir bei der Schulsozialarbeit von der Stadt Sachsenheim so große Rückendeckung genießen“, betont Lena Frey, welche die Fachleitung für Schulsozialarbeit bei der Jugendhilfe innehat.

Im Schulbistro hat Schulsozialarbeiterin Bothner gemeinsam mit Schülern der 7. und 8. Klasse einen offenen Treff eingerichtet, bei dem Schüler ihre Mittagspause bei Snacks, Spielen und Gesprächen verbringen können. „Wir wollten eine Alternative zur Beschäftigung mit dem Handy in der Mittagspause bieten“, sagt Schulleiter Rainer Graef.

Medien sinnvoll nutzen

Das Handy, die Nutzung der sozialen Medien und der Internetkonsum beschäftigen die Schulsozialarbeit verstärkt. „Es gibt an unserer Schule eine Sprechstunde speziell für den Umgang mit den sozialen Medien, wir führen inzwischen von der ersten bis zur zehnten Klasse Medienerziehung durch und wollen auch die Eltern für dieses Thema sensibilisieren“, berichtet Graef. Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Handy und sozialen Medien aufzuzeigen.

Wenn auch sie bei ihrer Arbeit einmal an ihre Grenzen kommt, erfährt sie Unterstützung von Fachleiterin Frey oder vom großen Team der anderen Schulsozialarbeiter in der Stadt. „Es wird immer wichtiger, dass wir Lehrer diese Unterstützung durch die Schulsozialarbeit zur Konfliktlösung und Bewältigung anderer Probleme haben, dass wir uns im Unterricht auch auf das Lernen selbst konzentrieren können“, betont Schulleiter Graef.

Nach den Herbstferien will er mit Bothner und einem ihrer Kollegen das Projekt „Soko“ starten, das verhaltensauffällige Schüler, bei denen sich Störungen des Schulalltags, mangelnde Disziplin und Regelverstöße gehäuft zeigen, in soziale Aufgaben integrieren will.

Langfristig mit der Einführung der Ganztags-Grundschule und der Umstrukturierung der Werkreal- zur zweizügigen Realschule geht Graef von einem noch weiter steigenden Bedarf an Schulsozialarbeit aus und denkt an zwei Stelleninhaber mit je 50 Prozent.  

Michaela Glemser

 
 
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