Sachsenheim Antreiber mit Seltenheitswert

Von Walter Christ
Marcus Weiberle (rechts) hier mit seiner Frau Yvonne, hat das Treffen der historischen Standmotoren organisiert. Foto: /Martin Kalb

Historische Stationärmotoren beeindrucken in Hohenhaslach zum siebten Mal sehr zahlreiche Technik-Freunde.

Wenn es am hellen Sonntagmorgen am Tor zum Kirbachtal knattert, rattert, dampft und qualmt, dann ist im Hause Yvonne, Marcus und Nick Weiberle wieder mal Großkampftag angesagt. Gestern war es gegenüber der Hohenhaslacher Kirbachschule nicht die klassische Schlepper-Gala, sondern die siebte spezifische Schau für die Freunde von über 50 Stationärmotoren.

Hier der 500 Kilogramm wiegende, mit Steinkohle angetriebene Dampftraktor der englischen Marke Burrell, den Vater Hansi Rutkowsky zusammen mit seinem Sohn Frank aus Horrheim von 2005 bis 2015 selbst gebaut haben. Dort – neben Eigenbau-Standmotoren Marke DDR - beispielsweise der tonnenschwere Daimler Benz der Familie Weiberle. Er wurde 1958 in Berlin-Marienfeld gebaut, wird unüblicher Weise mit Handkurbel gestartet, mit Diesel betrieben und sorgte einst in einem Schwarzwälder Sägewerk für Energie. Und da das ganz besondere Exponat von Renate und Werner Danner aus Tamm: ein picobello erhaltener Stationärmotor, den 1912 das renommierte Kölner Unternehmen Deutz gebaut hatte.

Über 100 Jahre alte Motoren

Marcus Weiberle und Werner Danner gehören zu den passionierten „Sammlern“, die im Besitz von jeder Menge derlei Raritäten sind und dafür sorgen, dass bei diesen Spektakeln Aussteller von Heilbronn bis Balingen anreisen. Insbesondere aber aus dem Kreis Ludwigsburg; konkret aus Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen, Löchgau und zum Beispiel Tamm. „Vor allem in Norddeutschland ist dieses Hobby populär, aber auch im Osten der Bundesrepublik oder eben im ,Ländle‘, wie hier im Stromberg“, weiß Marcus Weiberle.

Diese, mitunter selbst gebauten Stationärmotoren sind demnach keine PS-Kraftprotze, wie man vielleicht meinen könnte, sondern einstige, nicht mehr aktive Antreiber. Sie sind zum Teil mit über 100 Jahre alten Motoren ausgestattet und stammen auch aus Zeiten, als Elektrizität noch kein relevantes Thema war.

Die Antriebsquellen können sowohl Gas und Benzin als auch Petroleum oder Diesel sein. Derlei Motoren wurden ab 1863 in der Landwirtschaft, Industrie, im Handwerk, in Kleinbetrieben und selbst auf Schiffen eingesetzt, um Maschinen und Geräte mit den unterschiedlichsten Funktionen anzutreiben. Diese Lieferanten von Antriebskraft machten einen relevanten Schritt hin zur Mechanisierung – Muskelkraft von Mensch und Tier traten in den Hintergrund.

Kostspieliges Hobby

Die Leidenschaft hat allerdings seinen Preis. Die Spanne für die Exemplare reicht nach Angaben von Marcus Weiberle von etwa 1200 Euro im Anfängerbereich über satte 30.000 Euro bis hin zu extremen 100.000 Euro für ganz besondere Raritäten. Leitsatz: je älter, desto kostbarer.

Garniert wurde das Treffen mit einem wunderschönen Blickfang am Eingang des Geländes, dem dunkelgrünen „Ford“, Baujahr 1930, von Matthias Wahl aus Ochsenbach, sowie mit Motorrad-Oldies, uralten Schleppern und Modell-Motoren. Ganz nach dem Geschmack der Besucher waren freilich in anderer Beziehung auch Weißwürste, Mohnkuchen und weitere Leckereien.

 Walter Christ

 
 
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