Sachsenheim Aus der Kinderstube der Menschheit

Von Markus Wirth
Projektleiter Rainer Schmeil zeigt einen Griff von einem Vorratskrug aus Keramik. Datiert ist das Stück auf die Zeit von 4000 bis 6000 vor Christi Geburt und gibt Zeugnis von den ersten sesshaften Menschen in unserer Region ab.   Foto: Martin Kalb

Südlich der Stadt vermuten Spezialisten des Landesdenkmalamts noch mindestens 30 Gräber aus der Jungsteinzeit und weitere Zeugnisse der Besiedlung der Region vor rund 7500 Jahren.

Der Ackerboden von Sachsenheim ist vielfältig. Für Landwirte ist er Grundlage ihrer Existenz, für die Bewohner wertvoller Grund, der die Ernährung garantiert, für Geologen fertiles Keuperland mit Sandsteinschichten sowie Löss-Ablagerungen. Und für Archäologen eine unendlich spannende Reise in die Vergangenheit, weit, weit zurück in die Kinderstube der Menschheit.

Als vor drei Jahren im Gewann „Eichwald“ ein rund 7500 Jahre altes, aus der Jungsteinzeit stammendes Hockergrab gefunden und freigelegt wurde, war dies eine Sensation. Es folgten weitere Grabungen und Untersuchungen, aktuell sind die Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes dabei, eben dort Überreste der Gräberfelder und einer Besiedlung freizulegen.

Mindestens 30 Gräber vermutet

Als am gestrigen Dienstag Staatssekretärin Andrea Lindlohr vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen auf ihrer Denkmalreise durchs Land an Großsachsenheims Feldfluren stand, fiel allerdings die Begehung der Ausgrabungsstätten witterungsbedingt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Dennoch zeigte sich Grabungsleiter Jörg Bofinger im Gespräch mit der BZ zufrieden mit dem Fortgang der Untersuchungen: „Wir sind aktuell am Gräberfeld südlich des Gewerbeparks Eichwald zu Gange. In diesem Bereich vermuten wir zu den aktuell freigelegten noch mindestens 30 weitere Gräber“, erklärt er. Da diese unterschiedlich tief lägen, gebe es welche, gerade die höherliegenden, die durch die maschinelle Bearbeitung der Felder in Mitleidenschaft gezogen seien. Andere seien hingegen unversehrt erhalten. Bofinger weiter: „Früher lagen die Gräber allgemein rund einen Meter tiefer, aber die Zeit sowie Wind und Wasser haben den Boden erodiert, also abgetragen, daher ist den Grabstellen heute besser beizukommen.“

Im nördlichen Bereich, keine 200 Meter entfernt von dem prähistorischen Friedhof, Großsachsenheim zu, sieht man ein zweites Feld, an dem allerdings heute ebenfalls die Arbeit ruht, der Dauerregen lässt diese nicht zu. „Hier war eine Siedlung“, so Bofinger. Die Toten hingegen habe man vor den Toren des vermuteten Dorfs bestattet. „Wir gehen davon aus, dass sich östlich der aktuellen Grabungsstelle kaum mehr zusätzliche Gräber finden, es ist schon eine merkliche Ausdünnung erkennbar“, so der Grabungsspezialist.

Viel älter als die Pyramiden

Bürgermeister Holger Albrich zeigte sich, zumal als gebürtiger Sachsenheimer, stolz auf die Grabungsstellen, zeigten diese doch, dass schon vor mehr als 7000 Jahren die Menschen damals Gefallen an der schönen Landschaft gezeigt hätten. Beeindruckend sei dies allemal, denn im Vergleich dazu seien die ägyptischen Pyramiden ungleich jünger. Staatssekretärin Lindlohr dankte den haupt- wie ehrenamtlichen Mitarbeitern des Landesdenkmalamtes für deren Arbeit. Es sei wichtig, die Entwicklung der Menschheit weg vom nomadisierenden Jäger hin zum Bauern und Handwerker aufzuzeigen: „Diese Funde sind Zeugnisse einer wichtigen Zeitenwende, die wie keine andere in dieser Form den Grundstein für unser modernes Leben legte.“ 

 
 
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