Sachsenheim Bahn: Aufzug kommt frühestens 2031

Von Martin Hein
  Foto: /Martin Kalb

Alles andere als barrierefrei präsentiert sich der Bahnhof in Sachsenheim. Nach Auskunft der Bahn gibt es aber Pläne, das zu ändern. Die Stadt drängt auf eine schnellere Umsetzung.

Stairway to heaven, also „Stufen zum Himmel“, möchte man mit Blick auf die 29 Stufen sagen, die Reisende am Sachsenheimer Bahnhof mit Ziel Bahnsteig oder Unterführung bewältigen müssen. 29 Stufen – klingt beinahe machbar, ist es aber für viele nicht.

Eigentlich ist es ein Skandal: Wer mit Kinderwagen, Fahrrad, Rollator, Krückstock oder schwerem Gepäck unterwegs ist, steht am Sachsenheimer Bahnhof vor einem echten Hindernis. Von Barrierefreiheit keine Spur.

Kurz zur Erinnerung: Barrierefreiheit bedeutet nichts anderes, als dass Gebäude, Wohnungen, Verkehrsmittel und dergleichen so gestaltet sind, dass sie für alle ohne fremde Hilfe zugänglich sind. Davon ist der Sachsenheimer Bahnsteig in seinem jetzigen Zustand meilenweit entfernt.

Tatsache ist, dass die Stadt an dem Thema dran ist, und zwar seit vielen Jahren.

„Rund 100 Bahnhöfe werden pro Jahr barrierefrei umgebaut“

Nach Auskunft eines Bahnsprechers baut die Bahn pro Jahr bundesweit rund 100 Bahnhöfe barrierefrei um. Von 720 Bahnhöfen in Baden-Württemberg seien 616 stufenfrei erreichbar. Ziel der Bahn sei es, weitere Bahnhöfe mobilitätsgerecht umzubauen, so auch den Bahnhof Sachsenheim.

Hier gebe es Pläne für eine stufenfreie Erschließung mittels Aufzug an die bevorstehende Personenunterführung und die Bahnsteigerneuerung für einen stufenfreien Einstieg einschließlich eines taktilen Leitsystems. „Wir stehen hierzu im Austausch mit der Stadtverwaltung und die Planungen sind bereits gestartet“, sagt der Bahnsprecher. Das klingt zunächst vielversprechend. Doch Ernüchterung kehrt nach einer Anfrage bei der Stadt ein: Die Stadt stehe seit vielen Jahren in Kontakt mit der Bahn, sagt der Sachsenheimer Pressesprecher Arved Oestringer. Zuletzt hatten im Spätjahr 2023 Bürgermeister Holger Albrich und Fachbereichsleiter „Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit“ Michael Ilk ein Gespräch mit der Bahn und Vertretern des Verkehrsministeriums.

Die Stadt dränge, so Oestringer weiter, schon lange bei der Deutschen Bahn und den zuständigen Stellen darauf, dass der Sachsenheimer Bahnhof endlich barrierefrei umgebaut wird. Oestringer betont, dass der Bahnhof in seiner derzeitigen baulichen Gestaltung Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen, aber auch Menschen mit Kinderwagen von der selbstständigen Nutzung ausschließe.

Planungen befinden sich in der Grundlagenermittlung

Dies sei nicht hinnehmbar. Was den von der Bahn angedeuteten Austausch mit der Stadt Sachsenheim angeht, befinden sich die Planungen nach Auskunft von Arved Oestringer im Anfangsstadium, konkret in der Leistungsphase 1, der so genannten Grundlagenermittlung. Oestringer bestätigt, dass zu den vorgesehenen Maßnahmen notwendigerweise ein Aufzug gehört. Darüber hinaus sei eine Erhöhung der Bahnsteige angedacht. Zusätzlich wolle die Bahn die Wartenden besser vor Wettereinflüssen schützen und die Beleuchtung optimieren.

Dann bleibt die Frage, wann es denn endlich losgeht, und da wird es dann abenteuerlich. „Nach unseren Informationen werden die tatsächlichen Bauarbeiten im Jahr 2030 starten. Einen so späten Start halten wir in Anbetracht der Notwendigkeit des Umbaus für problematisch“, so Oestringer weiter. Die Verwaltung setze sich auf allen Ebenen für eine Beschleunigung der Arbeiten ein. Auf die Frage, warum das so lange dauert, sagt die Bahn, die Zeit werde zur Fertigstellung der Planung und zur Sicherung der dafür vorgesehenen Finanzmittel benötigt.

Die Bauarbeiten sind für die Jahre 2030 und 2031 vorgesehen. Eine Inbetriebnahme sei, so Arved Oestringer, leider erst für das dritte Quartal 2031 vorgesehen. Dies sei alles andere als zufriedenstellend. Die Stadt hoffe und dränge weiterhin auf einen früheren Beginn und eine schnellere Umsetzung.

Bleibt die Frage wer das ganze bezahlen soll. Nach einer derzeitigen Kostenschätzung kostet das gesamte Vorhaben etwa zehn Millionen Euro, wovon die Stadt zwei Millionen Euro zahlen müsste, sagt Oestringer und weist darauf hin, dass es sich dabei bislang nur um eine Schätzung zum jetzigen Zeitpunkt handelt. Die restlichen acht Millionen Euro müsste bei diesem Kostenrahmen Land und Bund zahlen.

Rampe in Sachsenheim keine Alternative zu einem Aufzug

Wäre eine Rampe eine Alternative, die rascher umsetzbar wäre? Nach Auskunft der Bahn eher nicht: Eine Rampe zum Mittelbahnsteig wäre bei sechs Prozent Steigung etwa 80 Meter lang und der Bahnsteig ist zu schmal und nicht lang genug, zudem entstünden sehr lange Wege für Reisende, sagt die Bahn. „Reisenden mit Mobilitätseinschränkung empfehlen wir unseren Mobilitätsservice (030) 65212888 zu kontaktieren, damit Alternativen gefunden werden können“, heißt es seitens der Deutschen Bahn.  

 
 
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