Wie und ob es überhaupt mit dem Standort Sachsenheim der Firma Feintool, vormals Kienle + Spiess, weitergeht, stand lange Zeit in den Sternen. Nun jedoch die gute Nachricht: Im Rahmen einer Neuausrichtung der Business Unit Stamping Europe habe man, so steht es in einer Mitteilung des Unternehmens, einen wichtigen Fortschritt erreicht. Nach Abschluss der Konsultationen mit der Arbeitnehmervertretung steht fest, dass die Aktivitäten für den Automobilbereich von Sachsenheim in andere Werke verlagert werden. Am Standort Sachsenheim bleibe jedoch ein Teilbetrieb bestehen, der sich künftig auf Industrieanwendungen konzentriere.
Sachsenheim Bei Feintool geht es weiter – mit 220 Arbeitsplätzen weniger
Nach Interventionen durch dem Betriebsrat und Verhandlungen mit der IG Metall sollen in Sachsenheim und Vaihingen 230 von bislang 450 Stellen erhalten bleiben.
Dabei sah es zunächst nicht rosig aus für den Standort am Strombergrand, denn im vergangenen Dezember hatte Feintool angekündigt, die Produktion von Rotoren und Statoren für Elektromotoren in Europa neu aufzustellen. Als Hintergrund führte man seinerzeit argumentativ schwierige Entwicklungen im Automobilsektor und den daraus resultierenden Überkapazitäten sowie die anhaltende Schwäche im Industriegeschäft ins Feld.
Fertigung sollte nach Ungarn
Vorgesehen war, die verlustbringende Produktion in Sachsenheim in andere Werke zu verlagern, und damit Sachsenheim schrittweise ganz zu schließen. Auch Arbeitsplätze am Standort Vaihingen wären betroffen gewesen. Die Fertigung habe man nach Ungarn verlegen wollen, so der ursprüngliche Plan.
Noch Ende April hatten ein Teil der Belegschaft des Sachsenheimer Werks die Arbeit niedergelegt, um auf diese Weise ihrem Unmut über die Pläne Luft zu verschaffen, dass 2027 dort die Lichter für immer ausgehen sollen (die BZ berichtete). Zumal damals, aus Sicht des Betriebsrats, keine positive Entwicklung zu erkennen gewesen sei, da sich weder die Geschäftsführung noch die Aktionäre der schweizerischen Feintool-Zentrale auf alternative Vorschläge von Betriebsrat und Gewerkschaft eingelassen hätten. Der Unterstützung durch die Politik, einerseits durch den Bundestagsabgeordneten Fabian Gramling (CDU) sowie der Gemeinderatsmitglieder Lars Weydt (CDU), Jutta Glöckle (SPD) sowie Matthias Werhan (WIR) konnte sich die Belegschaft sicher sein.
Die kürzlich erzielte Einigung sieht nun vor, dass das Sachsenheimer Werk künftig in reduziertem Umfang weitergeführt werde, der Schwerpunkt liege auf dem Geschäft mit Komponenten für Industrieanwendungen. Nach Angaben des Unternehmens würden an den beiden Standorten, Vaihingen und Sachsenheim, voraussichtlich rund 230 Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Mitarbeiter, die gehen, können laut Feintool zwischen einem Freiwilligenprogramm und einem Sozialplan wählen. „Mit der Einigung haben wir eine wichtige Etappe im Transformationsprozess erreicht. Wir sichern Arbeitsplätze, stärken die Standorte und schaffen eine wettbewerbsfähige Basis für die Zukunft“, so der Feintool-Chef Lars Reich.
Haustarifvertrag abgeschlossen
Zudem habe, so die Mitteilung, das Unternehmen mit der IG Metall einen Haustarifvertrag abgeschlossen, nach welchem auch die bei Feintool verbleibenden Mitarbeiter einen Beitrag zur Sanierung des Gesamtunternehmens leisten würden, heißt es weiter.
Der Betriebsratsvorsitzende, Andreas Ivenz, war am Montag zwar telefonisch nicht zu erreichen, Bürgermeister Holger Albrich zeigte sich über die Neuigkeiten jedoch erleichtert: „Ich danke dem Betriebsrat als Vertreter der Beschäftigten und der Geschäftsleitung von Feintool, dass in langen und schwierigen Verhandlungen erreicht werden konnte, dass es bei Feintool in Sachsenheim weiter geht.“
Der Betriebsrat, so der Rathauschef weiter, habe für die Beschäftigten mit Beharrlichkeit und viel Geschick für den Erhalt des Standortes erfolgreich gekämpft und in verantwortlicher Weise an den aus Unternehmenssicht erforderlichen Anpassungen und Umstrukturierungen mitgewirkt zur Rettung des Sachsenheimer Standortes.
Allerdings, relativierte Albrich, sei der vereinbarte Stellenabbau beim Stammsitz in Sachsenheim und im Werk in Vaihingen schmerzhaft.
