Sie haben ein kleines Modell der Biogasanlage in Oberriexingen gebaut, ein Video vom Gärungsprozess der Bioabfallprodukte gedreht, eine Präsentation der unterschiedlichen Abläufe in einer Biogasanlage erstellt und eine Führung durch die Biogasanlage in Oberriexingen organisiert. Paul, Benno, Janosch und Nils, Schüler der achten Klasse der Eichwald-Realschule Sachsenheim, haben gezeigt, welche Talente auch außerhalb des normalen Unterrichtsprogramms in ihnen stecken.
Sachsenheim Biogas bringt Ballons zum Platzen
Schülerinnen und Schüler der achten Klassen an der Eichwald-Realschule realisieren im Rahmen der Initiative „Zeig, was du kannst“ 26 unterschiedliche Projekte.
„Zeig, was du kannst“ ist auch das Motto der neuen Maßnahme, die in diesem Schuljahr erstmals an Baden-Württembergs Realschulen, Werkrealschulen und Gemeinschaftsschulen in den achten oder neunten Klassen umgesetzt wird. „Wir haben uns dabei für die achten Klassen entschieden, in denen Gruppen von bis zu vier Schülern insgesamt 26 Projekte eigenständig außerhalb der normalen Unterrichtszeit auf die Beine stellen. Jeweils zwei Lehrer des Fachs, an welches das einzelne Projekt anschließt, stehen den Schülern bei Bedarfs beratend zur Seite“, erläutern Schulleiter Sascha Renner und sein Stellvertreter Tobias Sigl.
Projekt ins Fach Chemie integriert
Paul, dessen Familie zu den Inhabern der Biogasanlage in Oberriexingen zählt, und seine Freunde haben ihr Thema in das Fach Chemie integriert und wurden von den Lehrern, Ersin Kavak und Florian Kohl, begleitet. „Den Gärungsprozess haben wir in einem Video mit einer PET-Flasche und einem über den Flaschenhals gezogenen Luftballon demonstriert. Innerhalb von drei Tagen wurde der Ballon vom entstehenden Gas aufgeblasen und zum Platzen gebracht“, beschreibt Paul, der mit seiner Gruppe den Prozess im Zeitraffer visuell dargestellt hat.
Die Jugendlichen sind begeistert von dieser Chance, ein Projekt eigenständig planen und kreativ umsetzen zu können, dessen Benotung in die jeweilige Fachnote mit einfließt. „Das hat unsere Zusammenarbeit enorm gestärkt und viel Spaß gemacht. Solche Gelegenheiten könnte es im Unterricht gerne mehrmals geben“, berichten Paul, Benno, Janosch und Nils. Auch unterschiedliche Sportturniere für einzelne Klassen haben die Schüler der achten Klassen der Eichwald-Realschule auf die Beine gestellt, eine Gruppe hat die Funktion eines Feuerlöschers umfangreich aufbereitet, eine andere präsentiert die einzelnen Schritte der Frischkäse- oder Joghurtherstellung, auch eine Stadtführung für Jugendliche in Sachsenheim haben die Achtklässler ausgearbeitet und organisiert. „Im Zuge dieser Projekte können die Jugendlichen ihren Interessen ganz individuell nachgehen, was vielleicht im normalen Unterricht nicht immer so möglich ist. Ihre eigenständige Kreativität, ihr kritisches Denken und ihre Kommunikationsfähigkeit sollen gefördert werden“, betont Schulleiter Renner.
Als vom baden-württembergischen Kultusministerium die Einführung der „Zeig, was du kannst“-Maßnahme angekündigt wurde, war auch das Lehrerkollegium der Eichwald-Realschule zunächst skeptisch, wie sich dies noch zusätzlich in den Schulalltag einbauen lasse.
Erst Skepsis, nun Begeisterung
„Doch inzwischen sind alle sehr begeistert und unterstützen die Schülerprojekte mit vollem Engagement. Wir werden uns am Schuljahresende noch einmal zusammensetzen und überlegen, was im ersten Jahr gut gelaufen ist und an welchen Stellen eventuell Verbesserungen umgesetzt werden können“, macht der stellvertretende Schulleiter Sigl deutlich. So müssen bei den einzelnen Projekte auch immer die Kosten im Auge behalten werden, wodurch das Thema Nachhaltigkeit eine besondere Bedeutung gewinnt. Paul, Benno, Janosch und Nils beispielsweise haben ihr Modell der Biogasanlage aus alten Kartonagen und anderen gebrauchten Materialien erstellt. Einige Schülerprojekte haben auch konkret Upcycling-Themen zum Inhalt. Sogar so ein spezielles Thema wie die Nachhaltigkeit eines Airbus A320 hat eine Schülergruppe der Eichwald-Realschule gewählt. „Es ist auch für uns Lehrer eine tolle Erfahrung, auf diese Weise entdecken zu können, wofür sich die Schüler interessieren und welche Themen sie begeistern“, lautet der zufriedene Tenor von Schulleiter Renner, der darauf hofft, dass die Schüler im Zuge der Projekte nicht nur ihre Stärken zeigen und ihr Wissen erweitern können, sondern auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung von dieser Maßnahme profitieren.
