Sachsenheim Bleibt es bei 48 Millionen Euro?

Von Markus Wirth
Die Umwandlung der Kirbachschule in eine Realschule zieht umfangreiche Sanierungs- sowie Um- und Neubaumaßnahmen nach sich. Stand heute sind dafür 48,3 Millionen Euro fällig.  Foto: /Martin Kalb

Bei den Kosten der Sanierung der Kirbachschule zeichnet schon jetzt ein Mehr von 28 Prozent  ab. Der Sachsenheimer Gemeinderat zeigt sich besorgt.

Die Sanierung, der Teilneubau und die Umgestaltung und Modernisierung der Kirbachschule und der benachbarten Kirbachtalhalle sind zweifelsfrei ein Mammutprojekt und aktuell die größte Baumaßnahme der Stadt Sachsenheim. Außerdem stellt sie gleichzeitig die umfassendste Investition und – angesichts klammer Kassen – eine Herausforderung für Verwaltung, Kämmerei und Gemeinderat dar.

Über den aktuellen Stand der Planung unterrichtete in der jüngsten Gemeinderatssitzung Diplom-Ingenieur Matthias Propp vom mit der Realisierung betrauten Münchener Büro Ingérop.

Der 20. Juli als Stichtag

Propp nannte bei seiner Präsentation immer wieder den 20. Juli als jenen Termin, an welchem die Vorbereitungen weitestgehend abgeschlossen sein würden: „Bis dahin wollen wir alle Unterlagen der Planer zusammen haben, das wird zwar sportlich, aber ich denke, dass wir das schaffen werden.“ Im weiteren Verlauf ging er auf wesentliche Ergebnisse und laufende Projektierungsmaßnahmen ein, weiters auf die im Statusbericht genannten kritischen Punkte.

Dazu gehörten auch Risiken, die sich noch ergeben könnten, und auch eine im Lauf der Arbeiten zu befürchtende Verteuerung der Baukosten schloss er in seine Kalkulation ein. Gerade bei den Posten Abbruch (des Wohnhauses des Hauswarts), Neubau (Ganztagsbetreuung und Grundschule) sowie bei den anstehenden Sanierungsarbeiten an der Kirbachschule selbst sowie an der Halle werde man mit einer Kostensteigerung von rund 28 Prozent rechnen müssen, sagte Propp. Vor allem der Abriss des Wohnhauses liege um 100 Prozent höher als angenommen und werde statt wie veranschlagt mit 70.000 nun mit 140.000 Euro berechnet. Auch die Sanierungsgewerke des bestehenden Schulgebäudes aus dem Jahr 1971 werden – realistisch nach oben korrigiert – mit 15,1 Millionen Euro eingetaktet, wo man anfangs noch von rund zehn Millionen Euro ausgegangen war.

Will heißen, ohne eine wie auch immer geartete Interimslösung würden Stand heute 48,3 Millionen Euro nötig werden. Der Löwenanteil der Mittelabflüsse würden dabei erst im Folgejahr mit den Modulen den Artenschutz betreffend (rund 4,5 Millionen Euro) und mit den Neubaumaßnahmen selbst im Jahr 2028 (rund 16,34 Millionen Euro) fällig. Hinzu kämen in den Jahren 2029 und 2030 jeweils 7,634 Millionen Euro für die Schulsanierung sowie für 2031 gerundete 5,15 Millionen Euro und für 2032 weitere 3,9 Millionen Euro für die Sanierung der aktuell 48 Jahre alten Kirbachtalhalle.

Gleichwohl die Präsentation schlüssig war und das vielschichtige Großprojekt in der gegebenen Zeit ausreichend dargestellt wurde, blieben einige Fragen im Raum.

Helga Niehues (SPD), lobte die Ausführungen, doch gab sie zu, an Propp gewandt: „Meine Sorgen haben sie mir bezüglich des Zeitplans und der Kosten nicht so ganz nehmen können.“ Propp wiederum stimmte der Gemeinderätin zu: „Wir hoffen natürlich auf künftig wirtschaftlich bessere Zeiten und auf eine Stabilisierung der geopolitischen Rahmenbedingungen. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben und so denken wir, dass wir sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen bleiben.“

4,5 Millionen Euro für Artenschutz?

Bürgermeister Holger Albrich zeigte sich ebenfalls optimistisch: „Die Schulsanierung samt Neubau war von Anfang an ein mutiges Vorhaben und wir haben bis heute einige Hürden meistern können, werden daher weiterhin verantwortungsvoll damit umgehen.“

Dr. Martin Stein und Fraktionskollege Hans-Günther Neumann (FW) störten sich an den anberaumten rund 4,5 Millionen Euro alleine für den Artenschutz. Letzterer befand, es seien „weder Wölfe noch Salamander“ dort umzusiedeln – und, so Neumann weiter: „Außerdem sind es so viele Gewerke und Vorhaben und wir bitten daher, von Zeit zu Zeit über den jeweiligen Fortgang unterrichtet zu werden bezüglich Zeit- und Kostenentwicklung.“

Eveline Thudt (WIR) fragte Propp, ob es bezüglich der Zeithorizonte künftig noch Puffer gebe. Propp: „Wir haben noch zwei Puffer für Unvorhergesehenes, auch in Hinsicht auf Kostensteigerung. Andere Puffer haben wir nicht. Das ist, aus was wir aktuell schöpfen können. Insgesamt liegen wir hier bei einem Spielraum von sieben Prozent und hoffen auf eine Punktlandung.“

Thomas Wörner (GLS) wollte die Kosten der Interimslösung erfragen, wohingegen der Diplom-Ingenieur aus München mitteilte, man könne dies nicht pauschal beantworten, denn es komme beispielsweise darauf an, ob man Container aufstellen wolle, ob diese ein- oder zweistöckig seien und ob sie mit oder ohne Labortechnik ausgestattet werden sollten. Er nannte viele weitere Parameter, die eine ursprünglich günstig erscheinende Lösung schnell verteuern könnten.

 
 
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