Sachsenheim Bürgerentscheid in Sachsenheim

Von Markus Wirth
Ob der Energiepark auf dem Alleenfeld verwirklicht wird oder nicht, entscheidet sich beim Bürgerentscheid am Sonntag  Foto: Martin Kalb

Am Sonntag werden die Bürger zur Wahlurne gebeten. Die beiden Bürgerinitiativen legen nochmals ihre Standpunkte dar.

AM kommenden Sonntag, 1. Februar, wird in Sachsenheim ein Bürgerentscheid zu den Themen Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik durchgeführt. Für und gegen die Vorhaben haben sich jeweils Bürgerinitiativen (BI) gebildet. Die BZ hat zur Übersicht nochmals kurz die Pro- und Contra der beiden BI zusammengefasst:

 Die BI „Gegenwind Sachsenheim“ sieht keine positiven Aspekte in der Realisierung des Energieparks und warnt vor irreversiblen Eingriffen in die Flora und Fauna.

Die Bürgerinitiative Gegenwind Sachsenheim ist nicht grundsätzlich gegen erneuerbare Energien oder Windkraft“, betont deren Sprecher Dr. Daniel Manka. Man halte den Standort Alleenfeld jedoch für ungeeignet. Und weiter: „Der Energiepark bedeutet erhebliche und irreversible Eingriffe in Natur, Landschaft und Lebensqualität bei gleichzeitig unklarem Nutzen, fehlender wirtschaftlicher Transparenz und geschwächtem Artenschutz.“

„Demokratisches Korrektiv“

Daher sei aus Sicht der BI der Bürgerentscheid ein notwendiges demokratisches Korrektiv, um Zeit für eine bessere, standortgerechte und ausgewogene Energieplanung zu gewinnen. Als Argument gegen das Vorhaben führt Manka ins Feld, „dass der geplante Energiepark im Landschaftsschutzgebiet und im Naturpark Stromberg-Heuchelberg“ liege und an einen Wildtierkorridor, an ein FFH- sowie ein Vogelschutzgebiet grenze - er solle in einem bislang nicht vorbelasteten Erholungsraum realisiert werden. Die Umweltprüfung des Regionalplans, argumentiert Manka, gehe zudem von erheblichen Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes aus.

„Diese Nutzungskonflikte sind aus unserer Sicht nicht auflösbar, sondern strukturell“, denn mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Millionen Euro entstünde eine industrielle Großstruktur, die das Erscheinungsbild des Kirbachtals dauerhaft verändere, so die Kritik.

„Vermeidbarer Flächenfraß“

Durch die geplanten Module des Energieparks – Manka verweist auf die beiden je 262 Meter hohen Windkraftanlagen nebst damit verbundener Freiflächen-Photovoltaikanlage, die eine Fläche von rund 46 Fußballfeldern beanspruche zuzüglich des Großbatteriespeichers, der aus rund 40 Containern bestünde – subsumiere sich ein Landschaftsverbrauch, der in den Augen der BI nicht notwendig sei. Für Photovoltaikanlagen seien großvolumige Dächer, etwa im Gewerbegebiet Eichwald, wesentlich geeigneter, ohne wertvollen Ackerboden zu verbrauchen. Außerdem, so Manka, liege das Alleenfeld in einem Schwachwindgebiet: „Aus unserer Sicht gehört Windkraft dorthin, wo auch ausreichend Wind vorhanden ist.“ 

Die BI „Energie von hier Sachsenheim“ sieht keine Beeinträchtigung der Natur, sondern führt unter anderem die Stärkung der Wirtschaft argumentativ ins Feld.

Die Bürgerinitiative „Energie von hier Sachsenheim“ sieht im geplanten Energiepark Alleenfeld ein Vorhaben, welches an einem dafür geeigneten Standort realisiert werden könne. Sprecher Hans-Georg Hummel verweist in diesem Zusammenhang unter anderem argumentativ darauf, dass die Windvorranggebiete – in einem solchen liege das Alleenfeld – in einem mehrjährigen Prozess anhand vieler Kriterien sorgfältig festgelegt worden sei.

Blick nach Ingersheim

Außerdem hebt er hervor, „dass auch windschwächere Gebiete wirtschaftlich sind, auch erhöht die Realisierung des Windparks nicht den Strompreis durch eventuell höhere Subventionen“. Hummel verweist mit dem Ingersheimer Windrad in die direkte Nachbarschaft, dort arbeite die Anlage seit über 13 Jahren wirtschaftlich. Und: „Die Energiewende erfordert Dezentralisierung“, und daher, so Hummel, sollte die Herstellung von Energie möglichst auch dort erfolgen, wo sie benötigt werde. Bedenken um die Gefährdung des Artenschutzes bestünden nicht, eher im Gegenteil: „Die vorgesehene Freiflächen-Photovoltaikanlage wertet ein Gebiet mit Monokultur ökologisch auf.“ Auch seitens der Naturschützer, Hummel führt den Nabu ins Feld, bestünden keine außergewöhnlich erhöhten Bedenken.

Kommunale Finanzen profitieren

Die Vorteile einer Verwirklichung des Energieparks lägen auf der Hand – die Stärkung der kommunalen Finanzen sei ebenso zu erwarten wie die Möglichkeit der Bevölkerung, sich an dem Windpark zu beteiligen. Hier sieht die BI die Einrichtung einer Bürger-Energiegenossenschaft. „Außerdem stärken wir mit dem Energiepark den Wirtschaftsstandort und übernehmen unseren Verantwortungsbeitrag zum Klimaschutz“, so Hummel. Freilich könne man mit diesem Vorhaben nicht die Welt retten, „aber einen kleinen Beitrag liefern wir auf jeden Fall.“ Eine Alternative sei, weiterhin fossile Energiearten zu nutzen und die Umwelt zu belasten, und auch, „weiter viel Geld für Energieimporte an Drittstaaten auszugeben.“ Dies könne auf Dauer aber niemand wollen. Stattdessen sei der Energiepark ein wichtiger Beitrag zum Schutz von Natur und Klima.

Informationen zum Bürgerentscheid am Sonntag

 
 
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