Sachsenheim Das Jagdhäusle ist nun bald Geschichte

Von Michaela Glemser
Die Tage vom Jagdhäusle sind gezählt. Lange Jahre war es beliebter Treffpunkt von Wanderern und Vereinen. Foto: /Martin Kalb

Ortschaftsrat Häfnerhaslach spricht sich für den Abriss des beliebten Treffpunkts aus.

Bald wird das Jagdhäusle am Waldrand zwischen Häfnerhaslach und Sternenfels Geschichte sein. Hohe Sanierungskosten und bürokratische Hürden haben dem beliebten Treffpunkt und Rastplatz von Vereinen und Wanderern den Todesstoß versetzt. In der jüngsten Ortschaftsratssitzung von Häfnerhaslach blickte Ortsvorsteherin Claudia Volk nochmals auf die Historie des Gebäudes zurück.

Baum beschädigte das Dach

Im Sommer 2017 hatte eine herabstürzende Eiche das Dach schwer beschädigt, sodass das Jagdhäusle nicht mehr genutzt werden konnte. Im Jahr 2019 wollten die Häfnerhaslacher Ortschaftsräte mit Eigenleistung die Erneuerung des Gebäudes unterstützen und die Verantwortlichen der Stadt befürworteten auch die Finanzierung der Instandsetzung, forderten jedoch zuvor die Ausarbeitung eines Nutzungskonzepts für das Jagdhäusle ein. Für den Haushalt 2020 wurde schließlich auch ein Zuschuss in Höhe von 8000 Euro zu den Materialkosten berücksichtigt. Wieder ein Jahr später wollten auch die Jagdpächter, in deren Revier sich das Jagdhäusle befindet, an der Erneuerungsmaßnahme mitwirken.

Doch so weit kam es nicht, denn die Fachleute des Landratsamts Ludwigsburg als zuständige Baurechtsbehörde schalteten sich ein und verwiesen darauf, dass sich das Jagdhäusle zwar im Außenbereich befinde, aber als Ort von Festen sowie geselligen Veranstaltungen nicht mehr privilegiert zu behandeln sei. Es müsse dafür eine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung eingeholt werden. Zudem müsse vorab geklärt werden, so die Vertreter des Landratsamts, ob es sich bei der Instandsetzung nur um eine kleine Sanierungsmaßnahme handele oder gar um einen Neubau.

Im Jahr 2023 haben die Verantwortlichen der Stadt mit Zustimmung der Ortschaftsräte den Jagdpachtvertrag mit den entsprechenden Jagdpächtern auch auf das Jagdhäusle erweitert, damit diese die Hütte in Eigenleistung erneuern können. Die Jagdpächter legten der Stadt auch ein Nutzungs- und Instandhaltungskonzept vor, in dem festgehalten wurde, dass die Hütte zur Lagerung von Ausrüstungsgegenständen für die Jagd dienen sollte, aber auch als Treffpunkt für Besprechungen und Versammlungen. Daraufhin machten die Vertreter der Stadt nochmals deutlich, dass das Jagdhäusle einzig und allein zur Jagdausübung genutzt werden dürfe. Im November 2023 fand eine Begehung des Jagdhäusles mit Vertretern der Stadt, der Baurechtsbehörde des Landratsamts und Ortsvorsteherin Volk statt, bei der nicht nur große Mängel am Dach, sondern inzwischen auch am Sockel und der Holzterrasse vor dem Eingang festgestellt wurden. Eine sachkundige Architektin schätzte die Kosten für die notwendige Gesamtsanierung auf rund 120.000 Euro. Dafür forderten die Vertreter der Baurechtsbehörde eine baurechtliche Genehmigung ein, die sie im Außenbereich nicht erteilen wollten.

Unterstand als Ersatz?

„Es ist schade, aber damit müssen wir auf den Wiederaufbau der Jagdhütte endgültig verzichten und ihren Abbruch vornehmen“ so die Ortsvorsteherin. Die Abbruch- und Entsorgungskosten würden nach einer Preisanfrage auf rund 10.000 Euro geschätzt. Volk stellte in Aussicht, dass an Stelle des Jagdhäusles ein Unterstand in Abstimmung mit der Baurechtsbehörde errichtet und über das Stadtteilbudget finanziert werden könne. Ortschaftsrat Marc Lorch dankte Volk für ihr Engagement für den Erhalt. „Es ist sehr traurig, dass wir das Jagdhäusle nicht retten konnten. 2017 hätte es vielleicht für 500 Euro instandgesetzt werden können“, sagte Lorch.

Auch Bürgermeister Holger Albrich bedauerte den Abriss und das Scheitern der unterschiedlichen Versuche, das Jagdhäusle zu retten. „Wir können uns aber die hohen Sanierungskosten von 120.000 Euro nicht leisten, da wir Mühe haben, unsere Pflichtaufgaben im Haushalt zu erfüllen“, stellte Albrich klar. Bei zwei Enthaltungen stimmten die Ortschaftsräte schließlich dem Abriss zu.   Michaela Glemser

 
 
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