Sachsenheim Demenz aus der Tabuzone hieven

Von Michaela Glemser
Engagieren sich für eine demenzfreundliche Kommune: Claudia Queißer, Nicole Raichle und Patricia O`Rourke. Foto: /Oliver Bürkle

Ein Kompetenzteam möchte die Bürger für die Erkrankung sensibilisieren.

Vor rund zwei Jahren hat sich die Stadt auf den Weg gemacht, eine demenzfreundliche Kommune zu werden. Inzwischen hat ein Kompetenzteam um Nicole Raichle von der Stadtverwaltung Sachsenheim, Claudia Queißer von der Kirchlichen Sozialstation und Patricia O`Rourke vom Pflegeheim „Sonnenfeld“ einige Aktionen auf die Beine gestellt, die das Thema „Demenz“ mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung der Stadt gerückt haben.

„Die Sensibilität der Bevölkerung gegenüber demenzkranken Menschen in Sachsenheim hat sich erhöht. Doch es gibt auch noch viel zu tun“, betont Queißer, die bei der Alzheimer-Gesellschaft Baden-Württemberg e. V. eine Schulung als Demenzbotschafterin absolviert hat.

Ihre Aufgabe ist es nun, dieses Thema in breite Kreise der Bevölkerung hineinzutragen und wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten. Unterstützung dabei bietet auch der Offene Gesprächskreis Demenz, der jeden ersten Dienstag im Monat von 14 bis 16 Uhr im Haus der Senioren in Großsachsenheim stattfindet.

„Teilweise sind bis zu 16 Besucher anwesend, die sich über die verschiedensten Probleme austauschen. Es geht darum, wo Zuschüsse für Hilfe und Einrichtungsgegenstände bezogen werden können, was gegen teilweise respektloses Verhalten gegenüber Demenzkranken im Alltag unternommen werden kann oder welche Tipps andere für die Bewältigung des eigenen Alltags haben“, erläutert Raichle.

„Ein Mittag mit Anderen“

Parallel dazu findet an jedem Dienstag von 14 bis 17 Uhr in der Kirchlichen Sozialstation das Café „EMmA“ statt, bei dem Stephanie Holzer mit ihrem Team „einen Mittag mit Anderen“ bieten möchte und Angehörigen die Chance ermöglicht, ihren demenzkranken Ehepartner, Vater oder Mutter für ein paar Stunden gut versorgt zu wissen. „Die Stimmung in diesem Café ist untereinander toll und die derzeit möglichen zwölf Plätze sind belegt. Besucher nehmen wir nur nach Voranmeldung auf“, erläutert Queißer. Montags öffnet zudem das Café L`ink im Pflegeheim „Sonnenfeld“ seine Türen, wo Angehörige und Betroffene ebenfalls Abwechslung vom Alltag finden. „Die Einstellung vieler Menschen hat sich in Sachsenheim schon verändert. Angehörige, aber auch Demenzkranke, die sich noch am Anfang ihrer Erkrankung befinden, suchen jetzt rechtzeitig Unterstützung und nicht erst, wenn sie mit ihren Kräften am Ende sind“, erläutert Raichle. Bei der Suche nach Informationen hilft auch der Demenzwegweiser für die Stadt Sachsenheim, der an allen wichtigen öffentlichen Stellen in der Stadt ausliegt oder auf der Homepage der Stadt zum Download bereitsteht. „An diesem Wegweiser haben wir sechs Monate gemeinsam mit dem Pflegestützpunkt in Vaihingen/Enz gearbeitet“, so Raichle.

Kooperationen mit Schulen

Auch Kooperationen mit dem Evangelischen Lichtenstern Gymnasium und der Gemeinschaftsschule am Sonnenfeld sollen helfen, eventuelle Hemmschwellen im Umgang mit Demenzkranken abzubauen und das Bewusstsein für dieses Thema in der Gesellschaft zu schärfen.

Dazu soll ebenso die landkreisweite Aktionswoche der Demenz vom 16. bis 27. September dieses Jahres beitragen. Im Pflegeheim „Sonnenfeld“ wird am 19. September 2025 von 14 bis 18 Uhr ein Aktionsnachmittag „Demenz“ stattfinden, bei dem unterschiedliche Anbieter mit Informationsständen vor Ort sind und Saskia Gladis von der Alzheimer-Gesellschaft. einen Vortrag halten wird.

„Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen, informieren und das Motto ‚Demenz - Mensch sein und Mensch bleiben‘ in den Fokus stellen“, unterstreicht O`Rourke. Auch die beiden Café-Veranstaltungen in dieser Aktionswoche werden besonders gestaltet. „Wir wollen aber auch an anderen Orten, beispielsweise im städtischen Kulturprogramm auf das Demenz-Thema aufmerksam machen.

Dazu treten am 27. September ab 18 Uhr die Tabutanten im Kulturhaus auf.  Michaela Glemser

 
 
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