Ja, am 15. September ist Schluss. Aarons rollenden Supermarkt wird es dann nicht mehr geben“, sagt Aaron Daubner, und Bedauern schwingt in dem Gesagten mit. Mehr als vier Jahre hat der Kaufmann aus Keltern bei Pforzheim seine Kunden mit Dingen des alltäglichen Bedarfs, vor allem mit Lebensmitteln versorgt, die sonst weitere Wege hätten in Kauf nehmen müssen.
Sachsenheim Der Nahversorger rollt ins Aus
Viereinhalb Jahre belieferte Aaron Daubner seine Kunden in Gemeinden im Kreis Ludwigsburg, die keinen Lebensmittelladen mehr haben, mit Dingen des täglichen Bedarfs.
So war er mit seinen Kleinlastwagen unter anderem in Großsachsenheim, Häfnerhaslach, Ochsenbach und Kirchheim am Neckar unterwegs.
Service für ältere Menschen
Also in Orten, wo die Nahversorgung nicht mehr oder nur noch an der Peripherie gegeben und somit für ältere Menschen oder jene, die nicht mobil sind, praktisch unerreichbar ist. „Ich kann verstehen, wenn die großen Lebensmittelketten vor Ort keinen Supermarkt bauen wollen, weil es sich nicht rechnet“, sagt er. Er selbst ist vom Fach, denn vor seiner Selbstständigkeit hatte er bei Edeka eine Ausbildung als Handelsfachwirt im Lebensmittelhandel absolviert und als Marktleiter gearbeitet.
Einige seiner Kunden, viele über 70 Jahre alt, seien für das reduzierte, rund 1100 Waren umfassende Sortiment, das er anbot, dankbar gewesen, erzählt er. Diese hätten sich nämlich durch die riesige Auswahl an Waren in Großmärkten mitunter überfordert gefühlt. Und nicht selten sei er auch Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte seiner Kunden. „Ich war da schon so eine Art Kummerkasten“, sagt er.
Und dennoch ist nun bald Schluss. „Ich habe in den vergangenen sechs Monaten nach einem Nachfolger gesucht, der das Geschäft hätte übernehmen können, aber es fand sich partout niemand“, , sagt der 28-Jährige. Die rollenden Supermärkte seien in erster Linie eine Serviceleistung gewesen, dennoch habe er gut davon leben können. Aber schon alleine der Unterhalt der beiden Lkw habe mehr als 1000 Euro im Monat verschlungen, was die Sache dann doch etwas erschwert hätte.
Dazu seien in den vergangenen Monaten die zahlreichen Baustellen in der Region gekommen: „Diesen erschwerten täglich meine Arbeit, und durch die ein oder andere Baustelle musste ich bereits Anfahrtszeiten oder Touren entsprechend ändern und anpassen. Dank der treuen und verständnisvollen Stammkunden war und ist dies aber ein deutlich kleineres Problem als es anfangs schien.“ Nun setzt er derzeit schweren Herzens seine Kunden darüber in Kenntnis, dass bald Schluss ist und beginnt mit dem Abverkauf der Waren.
„Die vergangenen viereinhalb Jahre waren für mich eine wunderbare Erfahrung mit sehr vielen ganz tollen Menschen, die ich alle in mein Herz geschlossen habe.“ Für viele seiner Kunden sei er eher ein Enkel und kein Verkäufer gewesen, „und das macht es nun auch umso schwerer, diesen Leuten solch eine Nachricht zu überbringen“. Es sei, bei all den guten Begegnungen und Bekanntschaften, aber auch eine herausfordernde Zeit gewesen – mit vielen Höhen und auch Tiefen.
„Ich habe seit 2022 viele Menschen kennengelernt, aber auch verloren. Durch den wöchentlichen Austausch und das vertrauensvolle Verhältnis traf mich jede Nachricht über den Tod von Kunden tief“, sagt er. Erst vor vier Wochen sei wieder so eine Situation gewesen, „und da sagte ich noch zu meiner Frau, dass ich zumindest in diesem Kontext froh bin, wenn ich künftig solche Nachrichten nicht mehr erhalten muss“.
Bei all dem Spaß, den diese Arbeit mit sich gebracht habe, sei jedoch auch der logistische Aufwand, der hinter diesem Geschäft steckt, nicht zu unterschätzen gewesen: „Doch mit solch einer tollen Stammkundschaft sieht man darüber hinweg.“
Gewappnet für die Zukunft
Nach allen schönen und auch weniger schönen Erfahrungen richtet Daubner den Blick in Richtung Zukunft: „Zum Jahresbeginn habe ich den elterlichen Lángos-Betrieb übernommen. Mit diesem sind wir das ganze Jahr über auf verschiedenen Veranstaltungen unterwegs.“
Und doch bleibt eine Frage im Raum stehen – könnte er sich vorstellen, eines Tages doch wieder einen rollenden Supermarkt zu betreiben? „Ja, das kann ich mir vorstellen. Dann müssen aber die Umstände auch passen. Zwei Geschäfte gleichzeitig führen, werde ich nämlich zukünftig nicht mehr“, sagt er.
