Sachsenheim „Der Weinbau ist im Umbruch“

Von Markus Wirth
Hans-Günther Neumann ist sehr gerne Ortsvorsteher in Hohenhaslach. Hier, in seinem „Flegga“, kennt er sich aus und fühlt sich wohl. Auch die Gemeinschaft ist gut ausgebildet. Foto: /Martin Kalb

Hohenhaslach ist infrastrukturell gut aufgestellt, größere Bauvorhaben werden angegangen, erklärt Ortsvorsteher Hans_günther Neumann im Gespräch mit der BZ.

Wer – vor allem aus südlicher Richtung - auf Hohenhaslach zufährt, dem präsentiert sich das Dorf am Südrand des Strombergs in all seiner Bilderbuchschönheit. Schon von weitem ist das Kirchle zu erkennen sowie die Fachwerkhäuser, die es umgeben.

Auch wenn „Haslich“, wie die Bewohner ihren Flecken liebevoll nennen, seit über 50 Jahren zur Stadt Sachsenheim gehört, so hat es sich dennoch ein Stück weit seine Eigenständigkeit bewahren können. Seit anderthalb Jahren ist Hans-Günther Neumann Ortsvorsteher in dem rund 2400 Einwohner zählenden Teilort. Die BZ hat ihn gefragt was in Hohenhaslach gut läuft und wo noch Luft nach oben ist.

„Ist dieser Ausblick nicht herrlich?“, fragt Neumann beim Ortstermin in der Verwaltungsstelle und schiebt den Vorhang noch etwas zur Seite.

Vorfreude auf den Maimarkt

Es bietet sich, trotz des Nebels an diesem frühen Abend, eine wundervolle Aussicht auf die sich dem Stromberggebiet anschließende Ebene, auf das Kirbachtal und auf Felder, Wiesen, kleine Wäldchen und Weinberge. „Hohenhaslach lebt von und mit einer gut funktionierenden Gemeinschaft“, sagt er, das zeige sich an verschiedenen Veranstaltungen übers Jahr. Vor allem auf den Maimarkt, der aktuell vorbereitet wird, sei man stolz, „denn hier zeigt sich, was Ehrenamt zu stemmen vermag“.

Nicht nur für die Bevölkerung und die Besucher aus den Nachbargemeinden sei dieser Tag wichtig, auch aus touristischer Hinsicht könne man hier punkten, wenn Gäste, oft mit Wohnmobil, hier Station machten. „An die 50 verschiedenen Stände werden bei unserem Krämermarkt allerhand Dinge anbieten“, sagt Neumann.

Auch der „Tag der Hohenhaslacher Weingüter“ sei ein Selbstläufer, denn der Stand der Wengerter sei nach wie vor ökonomisch relevant und der Weinbau am klimatisch begünstigten Strombergrand ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dennoch, räumt Neumann ein, der sich gerne auch, als zwar in Ochsenbach geborener, aber seit Kindesbeinen an hier aufgewachsener „Haslicher“, als „Ortsversteher“ bezeichnet, sei derzeit ein Umbruch zu beobachten. „Und der bereitet uns etwas Sorge“ – sagt er und zeigt auf ein Bild vom berühmten Anblick auf den Kirchberg mit dem Kirchle oben drauf: „Hier sind noch alle Rebzeilen intakt, das Foto wurde vor einigen Jahren aufgenommen.“ Heute würden, der Krise im deutschen Weinbau Rechnung tragend, selbst in dieser Premiumlage die ersten Wengert gerodet. „Wir sind hier inmitten eines Strukturwandels, die Leute trinken weniger Wein und wenn, dann oft jenen aus anderen Ländern und aus Übersee.“ Mit dem Resultat, dass es auch in Hohenhaslach vor allem für die Nebenerwerbswinzer, die meist in der Strombergkellerei verortet sind, nicht mehr attraktiv oder gar lohnend ist, sich nach Feierabend noch um Trollinger, Lemberger, Riesling und Co. zu kümmern.

„Der finanzielle Anreiz fehlt“

„Der finanzielle Anreiz fehlt einfach“, sagt Neumann, „daher sind wir froh, dass wir noch unsere hervorragenden Weingüter haben“. Vorwärts geht es „im Flegga“ auch in baulicher Hinsicht. Neben den Großinvestitionen wie dem Ausbau der Kirbachschule und der geplanten gemeinsamen Feuerwache mit Ochsenbach und Spielberg beschäftige ihn und seine Mitstreiter vom Ortschaftsrat auch die schon projektierte und immer wieder verschobene Ansiedlung eines Seniorenwohnheims samt Pflegestützpunkt. Hier hoffe man schon bald, Nägel mit Köpfen zu machen. Etwas Sorge bereite indes die Parksituation hier oben rund um den Marktplatz, denn es gehe im Notfall trotz eines flexiblen Drehleiterfahrzeugs der Feuerwehr sehr eng zu: „Da der Platz hier oftmals zugeparkt ist, brauchen wir praktikable Lösungen, die allen Seiten und Interessen gerecht wird.“

Auch lobt Neumann den Kontakt der Stadtverwaltung, das sei eine Politik der kurzen Wege, „wir ,Haslicher’ werden wahrgenommen und gehört“. Bei der Infrastruktur tue sich aktuell auch etwas, denn der Teilort wird in absehbarer Zeit schnelles Internet bekommen: „Nach langem Warten und mancher provisorischer Lösung läuft der Ausbau, für die Bürger auch zu sehen, im Ort inzwischen.“ Hier sollen bis zum Ende des Jahres die Arbeiten erledigt sein.

Gut hingegen sei die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs: „Wir haben zahlreiche Bauernläden, einen Metzger und am Südrand Richtung Horrheim einen Supermarkt. Das ist für einen Ort unserer Größe ein ganz ordentliches Ergebnis.“

 
 
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