Sachsenheim „Dialekt ist für mich Heimat“

Von Markus Wirth
Fred-Jürgen Bulach sorgt mit seinem „mundARTradio“ seit über zehn Jahren dafür, dass das Schwäbische auch im Rundfunk seitdem mehr Stellenwert bekommt. Foto: Martin Kalb Foto:  

Dass das Schwäbische im Rundfunk oft unterrepräsentiert war, störte Fred-Jürgen Bulach. Daher gründete er vor über zehn Jahren „mundARTradio“. 

Das faszinierende Medium Radio hat es Fred-Jürgen Bulach schon immer angetan. Der 66-Jährige, der seit vielen Jahren in Sachsenheim lebt, aber ursprünglich von „dr’ Alb ra“ kommt, hat sich seinen Traum vom eigenen kleinen Rundfunksender erfüllt. Mehr noch – er sendet alle Sendungen ausschließlich in schwäbischem Idiom, „grad so, wie oim dr’ Schnabl gwachsa isch“, wie er im Gespräch mit der BZ betont. Die BZ hat sich mit dem engagierten Macher von „mundARTradio“ unterhalten.

Herr Bulach, weshalb machen Sie Radio in schwäbischer Mundart und wie lange schon?

Fred-Jürgen Bulach: „MundARTradio“ ist seit 2015 online. Nachdem öffentlich-rechtliche Sender nichts oder, mit etwas Glück, nur sehr wenig in Mundart senden, es aber sehr viele gute Künstler gibt, die schwäbisch singen, war es mir ein Anliegen, diesen Künstlern eine Plattform zu schaffen, um so unseren schönen Dialekt der Öffentlichkeit zu präsentieren. Leider wurde uns und unseren Kindern der Dialekt ja in der Schule abtrainiert. Da er aber Identität und Heimat für mich bedeutet, ist es mir sehr wichtig, den Dialekt zu erhalten und zu pflegen und ihn auch nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen.

Wann und wie kam es zu dieser Idee?

Die Idee entstand schon 2006. Damals ist mir dieses „Vakuum“, das Fehlen des Dialekts, aufgefallen. Da mich aber die Kosten für die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) und Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) geschreckt haben, dauerte es noch bis 2015, bis ich meinen Internetsender online hatte. Zu diesem Zeitpunkt habe ich die Radioplattform laut.fm kennen gelernt, die diese Kosten übernehmen. Laut.fm finanziert sich über eingestreute Werbung ins Programm und hostet aktuell hunderte Radiomacher.

Welchen Prinzipien folgt das Radioschema, gibt es feste Sendezeiten, welche Songs werden gespielt, welche Beiträge gesendet?

„MundARTradio“ ist sieben Tage die Woche und täglich 24 Stunden on air. Inzwischen gibt es 154 verschiedene Programme, die zum Teil bunt gemischt sind, aber auch Themenschwerpunkte haben. Die Programme werden teilweise über einen Shuffle-Modus immer wieder neu zusammengestellt. Für jede Zielgruppe ist etwas dabei – von Klassik über Volksmusik über Liedermacher, Pop, Rock bis zum Rap gibt es ja alle Musikrichtungen in Schwäbisch. Aber auch Comedy hat ihren Platz. Ehrlich gesagt, war mir diese Vielfalt zuerst auch nicht bewusst und ich bin immer wieder erstaunt, was es noch so alles in Schwäbisch gibt (lacht). Das Schallarchiv umfasst inzwischen über 8500 Lieder und Beiträge in schwäbischer Mundart.

Wer produziert die Beiträge ?

Die Programme produziere ich in der Regel selbst. Dafür gehe ich vor allem auf Konzerte und Veranstaltungen und interviewe die schwäbischen Künstler und mache Konzertmitschnitte. Zu Hause im Studio erstelle ich dann die Programme. Interviews gibt es auch auf der Homepage im „Tubb’r-Radio“, also als Podcast-Formate und sind jederzeit abrufbar.

Ist das Programm auch für Hörer geeignet, die nicht aus dem Württembergischen stammen?

Ich würde dies mit einem klaren Ja beantworten. Schwäbischer Gesang ist in Liedern wie ein eigenes Instrument und fügt sich sanft in die Lieder ein. Viele Menschen, auch außerhalb des Ländles, mögen unseren Tonfall. Ich finde, wir Schwaben sollten hier noch einiges von unseren bayerischen Nachbarn in Sachen Selbstbewusstsein lernen.

Schwäbisch hat unter den Dialekten ein geringeres Ansehen als Bayerische, Berlinerische oder das Platt. Warum ist das so?

Ich denke, das liegt doch schon sehr oft daran, wie wir auftreten. Sehen Sie, wir versuchen, Hochdeutsch zu sprechen, aber irgendwie klingt das dann doch sehr angestrengt und kommt daher unfreiwillig komisch rüber. Aber – wie soeben gesagt, wir brauchen uns jedenfalls nicht zu verstecken und können und sollten selbstbewusst und mit Stolz unseren Dialekt sprechen. Immerhin kommen wir ja auch aus dem Land der Dichter und Denker.

Welche rechtlichen Voraussetzungen mussten Sie erfüllen, um Ihr Privatradio zu realisieren?

Wie schon anfangs erwähnt, sind mit laut.fm die Hürden sehr gering. Man bewirbt sich um einen Radiokanal und die übernehmen dann den Rest. So einfach ist das.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
 
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