Hier unten am Fuß des Geigersbergs staut sich die mittägliche Hitze. Es ist unwahrscheinlich drückend, dementsprechend regt sich auf den Wiesen und zwischen den Steinriegeln der ehemaligen Weingärten kaum Leben.
Sachsenheim „Die Natur ist im Schlummermodus“
Wie kommen Tiere und Pflanzen auf einem Trockenrasenbiotop wie dem Ochsenbacher Geigersberg mit der anhaltenden Trockenheit zurecht?
Die BZ hat sich mit Christoph Kaup, dem Vorsitzenden der Nabu-Gruppe Sachsenheim, getroffen, um zu sehen, wie die dortige Tier- und Pflanzenwelt mit der anhaltenden Trockenheit zurecht kommt. „Eigentlich leben hier auf diesem Trockenrasenbiotop Spezialisten, die gut mit Hitze und Trockenheit auskommen,“ sagt Kaup und nennt Luzerne, Hornklee und die Wilde Möhre, die hier auf knochentrockenen Böden ihr Auskommen haben.
Wiesen sollten im Sommer nicht gemäht werden
„Leider wird hier aktuell auf dem Geigersberg gemäht. Der Natur bekäme es jedoch besser, wenn man hier auf die Mahd verzichten würde.“ Denn, je vielfältiger die Pflanzenwelt einer Wiese sei, desto besser komme sie auch mit der Trockenheit zurecht. „Während Dürreperioden können Flächen mit Artenreichtum mehr Pflanzenwachstum erhalten als solche mit weniger Biodiversität.“ Die Stärke liege in der gegensätzlichen Ergänzung der Arten, da sie Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe auf unterschiedliche Weise nutzten. „Dadurch entsteht eine Schicksalsgemeinschaft, die sich als Gesamtheit trägt.“
Bei gemähten Wiesen fehle dieses Netzwerk, was sich gut beobachten lässt. Denn auf bewirtschafteten Flächen, die es hier am Fuß des Biotops gibt, regt sich nichts, die Mahdreste sind verbrannt. Zwischen den Mauerfugen und an den Steilhängen gedeihen die Karthäusernelke, Fingerkraut, Schwertlilien, Mauerpfeffer, Natternkopf und der Hauswurz. Auch Brombeerhecken wuchern munter zwischen den Gräsern und Blumen. Auch wenn die Früchte verschwindend klein und vertrocknet und somit nicht zum Verzehr geeignet sind.
Das Gleichgewicht verschiebt sich in den kommenden Jahren
„Im Zuge des Klimawandels werden hier einige Arten in der Tier und Pflanzenwelt dezimiert werden oder verschwinden“, sagt Kaup, wohingegen andere Arten, auch invasive vornehmlich aus dem Mittelmeerraum, hinzukämen, allen voran die Gottesanbeterin, die hier immer häufiger zu beobachten sei. So habe ein Nabu-Kollege innerhalb kürzester Zeit drei Exemplare gesichtet. „Früher hatten wir hier einen starken Bestand an Zauneidechsen und nur einzelne Exemplare der Mauereidechse, im Zuge der Erwärmung hat sich dieses Verhältnis umgekehrt.“
Was bedeutet, dass die im Mediterranen beheimatete Mauereidechse mittlerweile ähnliche klimatische Bedingungen findet wie in Italien, Südfrankreich oder Spanien, doch an diesem Tag lässt sich keine der munteren Kletterer blicken. Kaup: „Die Natur ist momentan in einem Schlummermodus, es fehlt überall an Wasser, auch die sonst an trockenes Klima gewohnten Pflanzen und Tiere leben auf Sparflamme.“ Tatsächlich sind nur wenige Schmetterlinge zu beobachten, dazu einige Wanzen, Nachtfalter und Käfer.
Gar nicht gut sehe es aktuell bei jenen Tagfaltern aus, die ihre schlüpfende Generation im Juli oder August hätten: „Sehen Sie, der Kleine Fuchs oder das Landkärtchen legen ihre Eier an Brennnesseln ab. Die gibt es aber aktuell nicht mehr, da alle Pflanzen durch Trockenstress eingegangen sind.“
Manche Schmetterlingsarten sind auf Brennnesseln angewiesen
Ebenfalls ungünstig stehen die Chancen für das Kleine Wiesenvögelein oder den Kleinen Feuerfalter, deren Raupen schlicht zu wenig zum Fressen bekämen. Ein großes Fragezeichen hingegen und etwas Hoffnung steht hinter der neuen Generation vom Tagpfauenauge oder vom Admiral, denn diese Schmetterlinge legten ihre Eier erst Ende August ab, „und vielleicht haben die Glück und bis dahin könnte es regnen und die Brennnesseln wieder wachsen.“
Aber ohne „Kinderstube“ sehe es auch hier duster aus, im Gegensatz zum Schwalbenschwanz, dessen Raupen sich an der hier allgegenwärtigen Wilden Möhre gütlich tun und somit genug Nahrung finden. Am Geigersberg werden künftig die Bestände all jener Insekten, die auf Blütennektar angewiesen sind, dezimiert werden, das gelte für Wildbienen- und Hummelarten.
Denn dieses Biotop war schon immer vornehmlich auf die Spezialisten ausgelegt, die gut mit Wärme und Trockenheit gut klarkommen, „und doch wird sich hier in den kommenden Jahren immer mehr alles in Richtung mediterrane Flora und Fauna verschieben.“
