Sachsenheim Eigener Parkplatz für „Eltern-Taxis“?

Von Markus Wirth
Dem Hol- und Bringdienst zum Schulcampus soll durch einen „Elternparkplatz“ am Friedhof künftig ein Riegel vorgeschoben und auf diese Weise der Verkehrsfluss kanalisiert werden. Foto: Oliver Bürkle

Gemeinderat nimmt Kenntnis über den Abschlussbericht des „Fußverkehrs-Checks“.

Wie läuft es sich in der Stadt? Wo haben Fußgänger genügend Platz, wo sind sie sicher unterwegs und wo sind noch Defizite, weil Gehsteige zu schmal und/oder zugewuchert oder Straßenquerungen durch Hecken schlecht einsehbar sind, wo ist kaum ein Durchkommen mit Kinderwagen oder Rollatoren, weil die Autos die Gehwege verstellen? Um solchen Fragen nachzugehen und um den Ist-Zustand zu eruieren wurde im vergangenen Jahr an zwei Tagen im Oktober der „Fußverkehrs-Check“ durchgeführt (die BZ berichtete).

Zu Fuß gehen ist gesund

Nun wurde das Ergebnis in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats präsentiert. Bürgermeister Holger Albrich ließ zunächst die Veranstaltungen nochmals Revue passieren und machte sich für den Fußverkehr stark, denn dieser sei nicht nur umweltfreundlich, sondern z. Zu Fuß zu gehen, egal, ob nun längere Strecken oder nur ganz kurze, sei ein wichtiger Beitrag für eine gesunde Lebensweise und stärke die Psyche.

Nach der Vorbereitungsphase gemeinsam mit dem Büro „Planersocietät“ aus Dortmund war im September vergangenen Jahres im Rathaus ein Auftaktworkshop durchgeführt worden. Hier wurde den interessierten Bürgern und Bürgerinnen der „Fußverkehrs-Check“ vorgestellt nebst den beiden Routen, eine in Groß-, die andere in Kleinsachsenheim.

Wichtig war bei der Wahl der Strecken, dass alle möglichen Verkehrsräume berücksichtigt wurden, von verkehrsberuhigten Zonen bis zu Querungen an stark frequentierten Straßen. Nun stellte Theresa Brockhaus von der „Planersocietät“ das Resultat der beiden Begehungen vor, ging auf die guten und weniger guten Stellen ein und zeigte auf, wo Nachholbedarf besteht. Grundsätzliche Ziele, so Brockhaus, seien beispielsweise, den Fußverkehr in das Bewusstsein von Politik, Verwaltung und Bürgern zu rücken, aber auch die Sensibilisierung für die Belange der zu Fuß Gehenden, die Bewertung des Fußverkehrs vor Ort und das Aufzeigen konkreter Handlungsmöglichkeiten für die Verbesserung des Fußverkehrs.

„Viele Maßnahmen können oftmals mit wenig finanziellen Aufwand realisiert werden“, sagte die Referentin. Beispielsweise das Schneiden von Hecken, die Fußgängern beim Queren einer Straße die Sicht verdecken. Zahlreiche andere Maßnahmen seien finanziell förderwürdig. „Die erste öffentliche Begehung fand in Kleinsachsenheim statt“, sagte Brockhaus.

Durchgängige Tempo-30-Zone?

Im ersten Abschnitt seien hier insbesondere fehlende Gehwegverbindungen und Barrieren für mobilitätseingeschränkte Personen angesprochen worden. Weiter sei es dann über die Löchgauer bis zur Großsachsenheimer Straße gegangen: „Hier wurden Querungssituationen und hohe Verkehrsbelastungen thematisiert“, in der südlichen Austraße habe man Nutzungskonflikte zwischen Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr diskutiert. Gerade in der Löchgauer Straße solle des dortigen Kindergartens und der Schule wegen die Tempo-30-Zone konsequent bis zum Kreisverkehr ausgedehnt und auf Grund der hohen Belastung durch Lkw auch ein Durchfahrtsverbot für diese erreicht werden.

Anderntags, bei der zweiten Strecke durch Großsachsenheim, sei der Ausgangspunkt am Parkplatz des Schulzentrums gewesen: „Dort wurden insbesondere Schulwegsicherheit und Querungen, etwa an der Oberriexinger Straße, angesprochen.“ Gerade in diesem Bereich soll durch den stark frequentierten Hol- und Bringverkehr durch die Eltern der Schüler schon bald die erste Maßnahme greifen – die Schaffung eines Behelfsparkplatzes für die „Eltern-Taxis“ am Friedhof.

Hier sollen künftig die Schülerinnen und Schüler den restlichen Weg bis zu ihrer Schule laufen. So könnten das verstärkte Verkehrsaufkommen und speziell auch das Parken entlang der dadurch stark frequentierten Kirchhofstraße künftig unterbunden, der Verkehrsfluss kanalisiert und die Anrainer entlastet werden.

Noch kein Aktionsplan

Lars Weydt (CDU) wollte wissen, ob es denn seitens der Stadtverwaltung bereits einen Aktionsplan gebe, der all die Defizite mit aufnehme. Dazu sagte Christopher King vom Team Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit, dass aktuell hier noch nichts geplant sei, dies brauche noch Zeit und finde dann voraussichtlich im Zuge der Innenstadtsanierung seine Berücksichtigung.

Steffen Wezstein (WIR) machte sich vor allem für eine möglichst schnelle Verwirklichung des Elternparkplatzes am Großsachsenheimer Friedhof stark, er bat, die Maßnahme priorisierend zu behandeln und die Pläne nicht in irgendwelchen Schubladen verschwinden zu lassen.

Lothar Makkens (Freie Wähler) lobte die Pläne, in der Löchgauer Straße Poller aufstellen zu wollen, „da ist mir jedoch eingefallen, dass dies auch schon am Stachus so geplant war, aber das Landratsamt hatte damals den Daumen gesenkt. Also ganz so frei sind wir dann doch nicht in unseren Entscheidungen“, so das Ratsmitglied.

 
 
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