Sachsenheim Ein Abbild des gesamten Dorflebens

Von Michaela Glemser
Die Krippe von Hobbykünstler Domenico Amelia, die in der Stadtbücherei zu sehen ist, stellt weit mehr als die bekannte Szene zu Bethlehem dar – sie zeigt Szenen eines neapolitanischen Dorfs. Foto: /Oliver Bürkle

Hobbykünstler Domenico Amelia stellt in der Stadtbücherei eine Weihnachtskrippe aus, die ganz in der Tradition seiner ehemaligen italienischen Heimat steht. 

E

r ist in der Nähe der Hauptstadt der Krippenkünstler in Europa, Neapel, aufgewachsen und hat sich schon von frühester Jugend an für die Abbildungen der Szenerie von Jesus Geburt im Stall bei Bethlehem begeistert. Der Sachsenheimer Hobbykünstler Domenico Amelia hat in diesem Jahr vor allem an einer Krippe gearbeitet, die er ganz nach italienischem Vorbild angefertigt hat und noch bis zum 7. Januar 2026 in der Sachsenheimer Stadtbücherei zur Schau stellt. „Die italienischen Krippen bilden das gesamte Dorfleben und ganze Landschaften ab. Sie haben eine stattliche Größe von mehreren Metern. Daher kann ich in der Stadtbücherei nur einen kleinen Ausschnitt einer solchen Krippenanlage zeigen“, sagt Amelia.

Pläne nach eigenen Vorstellungen

Schon vor einigen Monaten hat er Pläne und Skizzen nach seinen Vorstellungen gezeichnet und anschließend begonnen, diese vor allem mit Bauschaum zu modellieren. Entstanden ist eine imposante Fels- und Höhlenlandschaft mit mehreren Stockwerken, in welche Maria und Josef, das Jesuskind, die Hirten und die Heiligen Drei Könige integriert sind. Aber auch sehr viele Tiere wie Schafe und Schweine, kleine Hütten aus Miniaturbacksteinen, Ziegeln und Holzmöbeln sind in den Gesteinsformationen zu erkennen. „Ich hatte die Krippenlandschaft genau in meinem Kopf, aber es war nicht ganz einfach, diese mit dem Bauschaum nachzuahmen. Auch eine Unterkonstruktion aus Holz habe ich eigens für diese Krippe anfertigt“, erklärt Amelia.

Der Sachsenheimer weiß, dass sich die Krippen in seiner ursprünglichen Heimat im Süden nicht nur auf das bekannte Bild im Stall beschränken, sondern darin auch das Dorfleben mit Handwerkern, Kaufleuten und Bauern zum Ausdruck kommt.

Sogar berühmte Persönlichkeiten der Zeit können hin und wieder in italienischen Krippen entdeckt werden. „Jahr für Jahr baue ich auch mehrere Krippen im Auftrag“, so Amelia. Es gebe eine ältere Dame, die schon die dritte Krippe von ihm erworben habe, da sie jedes Zimmer ihrer Wohnung mit einer Krippe ausstatten möchte und eine davon das ganz Jahr über stehen lässt, erzählt er. Für das kommende Jahr hat er sich ein ganz besonderes Projekt vorgenommen, denn er ist seit diesem Schuljahr als Jugendbegleiter an der Kirbachschule in Hohenhaslach tätig, wo er einen Kreativclub anbietet.

„Ich habe mit den Schülerinnen und Schülern viel gemalt und vor Weihnachten basteln wir natürlich auch. Da ich in diesem Jahr für die Schule eine Krippe gebaut habe und die Schülerinnen und Schüler so begeistert davon sind, kann ich mir vorstellen, im kommenden Jahr mit den Kindern und Jugendlichen eine Krippe im Kreativclub zu errichten“, sagt Amelia. Derzeit betreut er rund neun Schüler im Alter von 11 bis 14 Jahren. „Ich habe selbst drei Kinder und bin seit vielen Jahren mit einem Angebot beim Klopferlestag am Ende der Sommerferien dabei. Es macht mir enorm viel Spaß, mich mit den jungen Menschen kreativ zu beschäftigen und die künstlerische Ader in ihnen zu wecken“, erzählt Amelia. Er will gemeinsam mit den Jugendlichen den Plan für eine Krippe entwickeln und anschließend geeignete Baumaterialien dafür aussuchen.

Beleuchtung gehört einfach dazu

Natürlich gehört auch eine entsprechende Beleuchtung dazu und so ist an der italienischen Krippe nicht nur die Szene im Stall erhellt, sondern immer wieder sind in der Felslandschaft kleine Lichter zu sehen. „Ich freue mich, wenn ich den Menschen hier mit der italienischen Krippe ein wenig die Tradition meiner Heimat näher bringen kann“, so Amelia.

Inspiration liefert ihm auch eine bekannte Straße in Neapel, in der sich eine Krippenwerkstatt an die nächste reiht und in denen neben den klassischen Figuren auch ungewöhnliche menschliche und tierische Persönlichkeiten zu finden sind. Vielleicht Ansporn für den Sachsenheimer Krippenkünstler, auch Schulleiter Rainer Graef, der im kommenden Jahr in den Ruhestand geht, in der künftigen Krippe der Kirbachschule ein bleibendes Denkmal zu setzen.

 
 
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