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Sachsenheim Ein fast filmreifer Empfang
Ruth Rißler und Hans-Christian Bader gehen nach 38 und 22 Jahren am Lichtenstern-Gymnasium in den Ruhestand und werden von den Schülern gefeiert.
ls sie im Jahr 1988 am evangelischen Lichtenstern-Gymnasium als Lehrerin für Musik und Bildende Kunst anfing, war die Schule noch ein Aufbaugymnasium für Mädchen mit Internat. „Ich war damals auch für den Internatsdienst zuständig und haben mit den Mädchen auf dem Schulcampus gelebt. Es kamen auch Schülerinnen aus ganz Deutschland und dem Ausland zu uns, für deren Probleme und Sorgen ich auch eine Ansprechpartnerin war“, erzählt Ruth Rißler. Die heute 65-Jährige hat die gesamte Entwicklung des Lichtenstern-Gymnasiums vom Aufbaugymnasium für Mädchen in der Oberstufe bis zum Ganztagsschulbetrieb ab Klasse 5 hautnah miterlebt.
„Dies war insgesamt schon ein großer Schritt. Früher war ich mit den Schülerinnen im Schlössle vom Frühstück bis zum Abendessen zusammen. Danach haben wir oft noch gemeinsam musiziert oder Aufführungen eingeübt“, erinnert sie sich. Auf den Feldern hinter der Schule wurden zusammen Kartoffeln geerntet. 2002 schließlich zogen die ersten Fünftklässler in einen neuen Pavillon auf dem Schulgelände. „Für die bisherigen Oberstufenschülerinnen und mich war dies natürlich eine Umstellung, aber ich habe mich auch auf den Unterricht in den fünften Klassen gefreut. Größer war der Sprung für mich von der Zwei- zur Dreizügigkeit, weil im Schulbetrieb nicht mehr viel Zeit für größere Projekte wie Schattenspiele oder Marionettentheater blieb“, schildert Rißler.
Erfahrungen aus Stuttgart
In den Anfangsjahren als Ganztagsschule, im Jahr 2003, kam auch Hans-Christian Bader als Lehrer für Mathematik, Physik, Diakonie und Religion ans Lichtenstern-Gymnasium. „Ich konnte von Anfang an meine Erfahrungen von meiner damaligen Schule in Stuttgart einbringen. Ich habe mich für die Kassenlehrer-Tandems ab der fünften Klasse stark gemacht, die Schülersprechtage initiiert, das Diakoniepraktikum in der Mittelstufe verantwortet und mich für Freiarbeitsphasen im Unterricht eingesetzt“, betont Bader. Die Musikliebhaberin und begeisterte Klavierspielerin Rißler wiederum hat eine Schul-Big Band aus der Taufe gehoben, Instrumentalunterricht gegeben und vor allem die Teilnehmer am Leistungskurs Musik bis zum Abitur begleitet.
„Dadurch sind Kontakte fürs Leben entstanden. Es ist manchmal schon überraschend, wie sich die einzelnen Lebensläufe nach dem Abitur weiterentwickelt haben. Inzwischen habe ich schon wieder Kinder meiner einstigen Abiturienten als Schüler“, berichtet Rißler, die seit 1995 nicht mehr auf dem Schulgelände, sondern in Stuttgart wohnt.
Die Meinungen der beiden erfahrenen Pädagogen sind auch bei der Weichenstellung für die künftige Entwicklung des Gymnasiums gefragt. Als Mitglied der erweiterten Schulleitung ist Bader bei den Gesprächen über das aktuelle Flow-Projekt dabei, welches das eigenständige Lernen der Schüler fördern soll. „Manchmal lasse ich auch meine kritische Stimme sprechen, denn noch kommt mir das eigenständige und selbstverantwortliche Lernen etwas zu kurz. Die Freiarbeit früher war ähnlich“, unterstreicht Bader.
Rißler möchte auch künftig ehrenamtlich in den Neigungsgruppen mitarbeiten, um ohne Unterrichtsauftrag mehr Zeit für kreative Projekte mit den Schülern zu haben. „Auch wenn ich täglich um sechs Uhr aus dem Haus gehe und aus Stuttgart mit dem ÖPNV nach Sachsenheim fahre und abends manchmal erst um 21.30 Uhr wieder zuhause bin, empfinde ich die Schulgemeinschaft doch als meine große Familie, die mir fehlen würde“, stellt Rißler klar.
Platz für innovative Ideen
Ihr Kollege Bader hält es zwar für richtig, jetzt mit 67 Jahren in den Ruhestand zu gehen und für neue Kollegen mit innovativen Ideen Platz zu machen, aber er wird der Schule ebenfalls weiterhin für die Projekte der Apfelernte und Weinlese erhalten bleiben und mit seinem Trecker dafür aus Unterriexingen nach Sachsenheim fahren. Das Diakoniepraktikum in den achten Klassen wird ebenso künftig von Baders Kontakten profitieren. Doch auch für die Offene Werkstatt, den Schülerbibelkreis, die Gebetskarten in der Mensa, die Junior-Akademie und viele weitere Aktionen und Projekte war Bader bisher verantwortlich. „Ich muss bestimmte Aufgaben aber loslassen können, denn ich bin auch noch Stadtrat, engagiere mich in der Kirchenarbeit und für die KZ-Gedenkstätte in Unterriexingen. Zudem habe ich vier Enkel, die sich auf mehr Zeit mit ihrem Opa freuen“, sagt Bader.
Wenn beide Lehrer am Ende dieses Monats in den wohlverdienten Ruhestand gehen, werden sie die Entwicklung des Lichtenstern Gymnasiums, an dem sie mehrere Schulleitergenerationen erlebt haben, noch weiterhin gespannt verfolgen.
„Ich wünsche mir, dass die Schule wie bisher vom christlichen Glauben getragen wird und alle Beteiligten daraus Kraft schöpfen können. Eine Schule besteht nicht nur aus Lernen. Sie bedeutet auch in Gemeinschaft zu leben“, betonen Rißler und Bader, die von Schülern und Lehrern mit Gesang und Musik zum Abschied überrascht wurden. Sogar Unterschriften für ihr weiteres ehrenamtliches Engagement wurden gesammelt.
