Sachsenheim Ein Leben für den Rettungsdienst

Von Michaela Glemser
Der langjährige DRK-Ortsvereinsvorsitzende und Bereitschaftsleiter Rolf Seitz wird heute 90 Jahre alt. Foto: /Oliver Bürkle

DRK-Bereitschaftsleiter und OV-Vorsitzender Rolf Seitz wird 90 Jahre alt.

Wenn Rolf Seitz von seinen Einsätzen und seinem Engagement beim Deutschen Roten Kreuz spricht, leuchten die Augen des Großsachsenheimers, der an diesem Freitag seinen 90. Geburtstag feiert. Maßgeblich auf seine Initiative hin, wurde der Ortsverein im Jahr 1959 gegründet. „Ich habe damals zunächst einen Erste-Hilfe-Kurs belegt und fand diese Unterstützung für andere Menschen in Notsituationen so wichtig, dass ich die Gründung des DRK-Ortsvereins vorangetrieben habe. Wir hatten zu Beginn keine Ausrüstung und mussten alles über Spenden organisieren“, erinnert sich Seitz, der ab dem Jahr 1969 auch hauptamtlich beim DRK-Kreisverband angestellt war.

Dabei hatte er zunächst eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen. Er wuchs mit einem jüngeren Bruder auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in der Gartenstraße auf, wo er auch heute noch lebt. Sein Vater war im Zweiten Weltkrieg gefallen und von Jugend an musste Seitz tatkräftig im Stall und auf dem Feld mitarbeiten. Er hat eine Ausbildung zum Pomologen oder Obstkundler absolviert, wollte aber nicht den elterlichen Betrieb übernehmen, der schließlich aufgelöst wurde. „Ich habe einige Jahre im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet, aber schnell gemerkt, dass mein Herz für den Dienst beim DRK schlägt“, sagt Seitz. Er hat 1959 nicht nur den DRK-Ortsverein in Großsachsenheim mitgegründet, sondern in diesem Jahr auch seine Frau Gertrud geheiratet, die er bei einem Betriebsausflug kennengelernt hatte.

33 Jahre lang Bereitschaftsleiter

Das Ehepaar hat zwei Töchter, Andrea und Carola, bekommen, doch immer wieder musste Seitz seine Familie allein lassen, weil er Dienste beim DRK übernahm. Er arbeitete nicht nur hauptamtlich in Tag- und Nachtschichten 30 Jahre lang im Rettungsdienst beim Kreisverband, sondern er war auch von 1965 bis 1998 Bereitschaftsleiter und stellvertretender Vorsitzender beim DRK-Ortsverband. „In dieser langen Zeit gab es natürlich immer wieder schwere Einsätze mit Kindern oder Todesfällen, die ich verarbeiten musste. Damals wurde keine psychologische Unterstützung für Rettungskräfte angeboten. Wenn ich dabei nicht meine Familie und die Gespräche mit meiner Frau gehabt hätte, wäre ich daran zerbrochen.“ Doch jede gelungene Reanimation und die Dankbarkeit der Menschen, denen er geholfen hat, waren für Seitz der größte Lohn für seine Bemühungen. Er hat dem Ortsverein auch zu seinem ersten Dienstfahrzeug verholfen, einem Ford Transit, der heute noch im Einsatz ist. Viele Sachsenheimer haben bei ihm in all den Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs belegt. Ihm ist es zu verdanken, dass sich der Ortsverein inzwischen gut entwickelt hat und über ein eigenes Vereinsgebäude verfügt.

Entspannung im Garten

„Ich verfolge das Geschehen im Verein immer noch und vor allem die Initiative für die Helfer vor Ort finde ich wirklich sehr gut. Es gab in der langen Zeit als Bereitschaftsleiter und von 1998 bis 2010 auch als Erster Vorsitzender immer wieder auch Phasen, in denen es schwierig war und die Mitgliederzahlen sanken. Aber es ist gelungen, immer einen Kern der Stamm-Mitglieder zusammenzuhalten“, erzählt Seitz. Entspannung und Ausgleich findet er im heimischen Garten, wo die Rosen blühen und das Wasser in einem Gartenteich plätschert. Dort werkelt er bis heute in den Blumen- und Gemüsebeeten und freut sich am wachsenden Grün. Zudem liebt er es, mit Holz oder Tiffany-Glas zu basteln und mit seinen Werken Freunde sowie Familie zu beschenken. Mittlerweile hat er vier Enkel und zwei Urenkel, die sein ganzer Stolz sind. Im Kreise der Familie wird er auch seinen Ehrentag begehen.

Anzusehen ist ihm sein Alter übrigens nicht, denn obwohl er gesundheitlich angeschlagen ist, strahlt Seitz Vitalität und Lebensfreude aus und lebt nach dem Tod seiner Frau vor sechs Jahren immer noch allein in seinem Haus. Allerdings kann er sich dabei auf die Unterstützung seiner Töchter verlassen.   Michaela Glemser

 
 
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