Sachsenheim „Ein vielversprechender Jahrgang steht vor der Kellertür“

Von Markus Wirth
Der Weinbau ist im Kirbachtal immer noch ein wichtiger Wirtschaftszweig, auch wenn immer mehr Rebflächen aufgelassen werden. Der extrem heiße und trockene Sommer hat den Wengertern einen mengenmäßig kleinen, aber qualitativ hohen Jahrgang beschert. Foto: /Martin Kalb

Die Wengerter vom Kirbachtal erwarten wegen des heißen und trockenen Sommers geringe Erträge.

Dem Extremsommer 2026 scheint langsam etwas die Puste auszugehen, dennoch werden für die kommenden Tage sommerliche Witterung vorhergesagt – wenn auch mit gebremstem Temperament. Wie sich die wochenlange Hitze und die extreme Trockenheit auf die Weinlese auswirkt, hat die BZ bei den Wengertern aus dem Kirbachtal in Erfahrung gebracht.

Georg Merkle aus Ochsenbach, dessen Rebgärten zum Teil über 400 Meter hoch liegen, ist zufrieden: „Wir haben hier dieses Jahr Qualitäten, von denen wir früher nur träumen konnten. Unsere Trauben sind extraktreich und aromatisch, dabei kerngesund und stimmig.“ Er erwarte Weine, die gut lagerfähig und strukturiert seien. Extraktreich nennt man Trauben mit einem hohen Mostgewicht.

Mit Sauvignon blanc begonnen

Aktuell habe die Lese mit Sauvignon blanc und Müller-Thurgau begonnen, nach einer Pause gehe es dann mit den mittelspäten und späten Sorten weiter. „Regen wäre jetzt nicht schlecht, das fördert die Zuckereinlage in den Trauben. Die Trockenheit im Juni, Juli und im August war schon ein Problem für uns.“

Weinbauer Gerd Keller aus Hohenhaslach erwartet eine um 30 Prozent geringere Ernte als im Vorjahr. „Die Trauben sind durch die Trockenheit im Sommer klein geblieben, dadurch ist die Menge kleiner, aber die Qualität um so besser“, freut sich Keller. Und: „Der ausbleibende Niederschlag hat den jungen Reben alles abverlangt. Sie haben noch nicht die tiefen Wurzel wie die alten Reben. Wir bewässern die Reben nicht, wir wollen damit bewirken, dass die Wurzeln in die Tiefe gehen. Dieses Jahr war es aber im Grenzbereich mit den hohen Temperaturen.“ Er mache seit 26 Jahren Wein und habe noch nie so einen heißen Sommer erlebt: „2003 waren es auch viel Sonnentage, aber nur nicht so heiß.“ Die roten Rebsorten profitierten von dem heißen Sommer. „Es können extraktreiche Rotweine erzeugt werden, die Weiß- und Roséwein müssen früh gelesen werden, damit sie ihre Frische und Mineralität behalten.“

Reinhard Baumgärtner vom Hohenhaslacher Panoramaweingut hat mit seinem Team in der vorigen Woche mit der Lese von Sauvignon blanc und Chardonnay begonnen. Er sagt: „Die Menge wird sehr klein und die Qualität sehr fein. Ein vielversprechender Jahrgang steht vor der Kellertür.“ Trockenheit bei jüngeren Anlagen und kiesigen Standorten ab Mitte Juni habe jedoch den Vegetationsablauf beeinflusst. „Verrieselungen bei der relativ kühlen Blüte führte zu weniger Ansatz, was sich durch die Trockenheit im weiteren Verlauf noch verschärft hat.“ Bei der Verrieselung fallen die Blüte der Rebe vorzeitig ab. In diesem heißen Sommer profitierte der Lemberger und vor allem auch die Sorten Merlot, Cabernet und Malbec in den älteren Rebflächen im tonhaltigen Gipskeuper von den heißen Temperaturen. Man habe, sagt Baumgärtner, im Sommer die Hausaufgaben gemacht durch rechtzeitiges Entlasten und Halbieren der Trauben, „das war die richtige Entscheidung, deshalb haben wir keine Sorgenkinder“. Da durch die kleine Ernte 2026 bei einigen Sorten wie Muskattrollinger Engpässe entstünden, werde man die Rebfläche aktuell nicht verkleinern.

Dietmar Ott, ebenfalls aus Hohenhaslach, teilt hingegen mit, dass sich die aktuelle Weinlese durch eine geringere und unterdurchschnittliche Erntemenge abzeichne. „Aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit in der Vegetationsperiode sind die Traubenbeeren relativ klein geblieben, sodass die Saftausbeute aus den Beeren gering sein dürfte.“

Aber er relativiert: „Die Trauben haben jetzt schon zu Beginn der Lese ein sehr hohes Mostgewicht, sodass wir mit einer vielversprechenden, sehr hohen Qualität – vor allem bei den Rotweinen – rechnen.“ Allerdings habe die lange Trockenheit dazu geführt, dass auf den bekannten, ohnehin ariden Standorten vor allem Junganlagen aufwendig bewässert werden mussten.

„Generell profitieren die roten Rebsorten von dem ausgiebigen Sonnenschein. Am Beispiel von Lemberger, Spätburgunder, Cabernet Dorsa oder Cabernet Sauvignon zeigt sich: Auf Standorten mit ausreichender Wasserversorgung führt diese Witterung zu hochreifen, farbdichten Trauben mit intensiver Aromatik“, sagt Ott. Auch Weißburgunder oder Chardonnay kämen mit der Hitze gut zurecht, sodass sie mit kräftiger und körperreicher Aromatik ausgestattet seien, der Riesling allerdings habe es zunehmend schwerer. Gerlinde Orth sagt, am Ende werde zusammengerechnet, wegen der zu erwartenden Erntemenge sei noch vieles offen. Auch die Qualität variiere von Sorte zu Sorte und von Lage zu Lage. Während der Vegetationsphase seien die üblichen Probleme aufgetreten, „so gesehen war dieses Jahr nicht anders als die vergangenen“.

Hannes Weiberle hingegen befindet, „die Erntemenge wird auf jeden Fall unterdurchschnittlich ausfallen, da wir in Hohenhaslach quasi nichts automatisch bewässern können und die manuelle Bewässerung, bei der wir das Wasser mit Traktoren den Berg hinauffahren müssen, zu teuer ist. Allerdings wird der Jahrgang, egal wie klein er sein wird, marktgerecht ausfallen.“

Aktuell hätten die Rotweine Potenzial für einen sehr guten Jahrgang. Die Weißweine hätten unter der Trockenheit gelitten, wie sehr, könne man allerdings frühestens mit der Ernte beurteilen. „Ich verwende gerne die Fußball Metapher: Wir sind jetzt in der 88. Minute und wir wissen nicht, wie lange die Verlängerung dauert. Und die vergangene Fußball WM hat gezeigt dass man nicht vor dem Abpfiff jubeln sollte“, lacht Weiberle. Und er sieht das Hauptproblem weniger im extremen Sommer, sondern in der aktuellen Situation auf dem Weinmarkt.

Dem Trollinger wird es zu heiß

Auch Jule Mayr schaut auf einen mengenmäßig eher kleinen Jahrgang: „Die Erntemenge wird deutlich geringer ausfallen, vor allem die Ausbeute an Saft.“ Die Trockenheit sei die größte Herausforderung gewesen. Außerdem habe sie immer häufiger Sonnenbrand bei den Trauben entdeckt, „unser Trollinger ist keine Sorte für so heiße Sommermonate.“

 
 
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