Das Schlossfreibad gehört zu Sachsenheim wie das nahe gelegene, namensgebende Gebäude und das „Klopferle“. Und die Sachsenheimer, und nicht nur – wenn auch ganz besonders – diese, sondern auch alle Badegäste aus den umliegenden Orten, haben ein emotionales Verhältnis zu dieser Freizeiteinrichtung. Die BZ hat sich mit dem Vorsitzenden Axel Griesbaum über das „Bädle“ unterhalten, aber auch über das, was nun bald, sollten die Fördergelder durch den Bund gewährt werden, an Investitionen ansteht.
Sachsenheim „Einrichtung von unschätzbarem Wert“
Das Schlossfreibad sollte 2004 geschlossen und konnte dank des Trägervereins erhalten werden, aktuell hat es sogar Aussicht auf Bundesfördermittel – Interview mit Axel Griesbaum.
Herr Griesbaum, das Schlossfreibad blickt auf eine lange Geschichte zurück, Können Sie uns die wichtigsten Stationen nennen?
Axel Griesbaum Das Freibad ist in diesem Jahr 74 Jahre alt. Die Idee, ein Freibad in Sachsenheim zu bauen, kam bereits in den 1930er Jahren auf. 1938 hatte sich der Gemeinderat entschlossen, ein Gutachten über die zu erwartenden Kosten in Auftrag zu geben. Das Ergebnis war niederschmetternd: 80.000 Reichsmark sollte ein 20 auf 50 Meter messendes Becken damals kosten und wurde daher doch nicht umgesetzt. 1952 gab es ein Konzept von Reinhold Spiess - die wohl älteste Bürgerinitiative Sachsenheims war geboren - die Schlossbad-Baugemeinschaft wurde zur Realisierung gegründet. Das Konzept war verwegen und schlüssig zugleich: Für 48 Arbeitsstunden oder 50 Mark Geldspende sollte jeder Bürger eine Sechsjahreskarte erhalten. Die Stadt sollte das Grundstück und Holz beziehungsweise 25.000 Mark beisteuern und das Bad nach der Fertigstellung übernehmen. Firmenspenden und öffentliche Fördermittel sollten ebenfalls eingeholt werden. Das Freibad wurde forthin unter städtischer Regie betrieben.
Die Stadt wollte Anfang der „Nullerjahre“ das beliebte Bad schließen. Welche Gründe lieferten den Impetus damals dazu?
2003 kam die Stadt in eine finanzielle Schieflage, sodass die Stadt vom Landrat verpflichtet wurde, das Freibad zu schließen. Daraufhin bildete sich eine Bürgerinitiative, die gemeinsam mit der Stadt ein Konzept erarbeitete, das bis heute Bestand hat. So wurde der Trägerverein 2004 im April gegründet.
Wie begann der Trägerverein mit seiner Arbeit, dem ja schließlich die Rettung des Bads zu verdanken ist? Was war hier zunächst wichtig?
Der Verein entwickelte auf Basis einer Machbarkeitsstudie ein tragfähiges Konzept, mit dem der Weiterbetrieb des Freibades sichergestellt wurde. Dies war beispielsweise die Aufteilung der Einnahmen in drei Säulen: den Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, jene der örtlichen Gewerbetreibenden und die Einnahmen aus Saisonkarten und Einzeleintritten. Außerdem sind beispielsweise der Bäderbetriebsleiter und die Schwimmmeisterinnen und -meister Angestellte der Stadt Sachsenheim. Der Trägerverein setzt sich zusammen aus drei gleichberechtigten Vorständen und den weiteren Ausschussmitgliedern – das sind Schatzmeister, Technischer Leiter, Schriftführer, Mitgliederorganisation, Vertreter der Stadt Sachsenheim sowie Vertreter der DLRG-Ortsgruppe Sachsenheim. Der Trägerverein übernimmt den laufenden Betrieb des Freibades, zu dem auch der Erhalt der Anlage gehört.
Wie steht der Verein aktuell da?
Der Verein zählt inzwischen rund 2600 Mitglieder – mit stetig steigender Tendenz. Die Identifikation der Bevölkerung mit dem Verein ist seit der Gründung außergewöhnlich hoch. Daraus resultiert ein starkes ehrenamtliches Engagement bei Pflege, Betrieb und Weiterentwicklung des Freibads. Zahlreiche Projekte wie die Beckenabdeckung (2013) oder der barrierearme Zugang (2025) wurden bereits mit erheblichem Einsatz Freiwilliger realisiert.
Wie verlief die vergangene Saison?
Wir konnten 62.246 Besucher begrüßen, was in etwa dem langjährigen Schnitt entspricht. Spannend ist für uns auch immer die Zahl der Mitglieder – wir freuen uns über rund 400 neue Mitglieder im Jahr 2025, aktuell haben wir also über 2600 Mitglieder, eine unglaublich tolle Zahl, die uns – dem Verein und allen, die sich ehrenamtlich für das Freibad engagieren – zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass das Schlossfreibad nach wie vor eine Freizeiteinrichtung von unschätzbarem Wert ist. Zum Beginn der Saison 2025 wurde mit viel Einsatz von Ehrenamtlichen eine Rampe am Eingang gebaut, die es ermöglicht, barrierearm ins Freibad zu gelangen. Auch die Sanierung des Beckenbodens treibt uns um. Und so haben wir in 2025 mit der Teilsanierung begonnen.
Nun hat sich der Trägerverein jüngst - unterstützt von der Stadt und des Gemeinderats - um die Fördergelder des Bundes im Rahmen des Programms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ beworben. Wie soll das Geld, so es bewilligt wird, verwendet werden?
Geplant sind der Einbau eines langlebigen Edelstahlbeckens mit angepasster Beckenarchitektur, der barrierefreie Umbau aller wesentlichen Bereiche, die Erweiterung der PV-Anlage sowie barrierefreie Orientierungssysteme. Durch diese Maßnahmen wird der Wasser- und Energieverbrauch deutlich reduziert. Und – wir können selbstbewusst sagen, dass unser Bad, wie kaum ein anderes, die Anforderungen an den gesellschaftlichen Zusammenhalt und der sozialen Integration über die Maßen erfüllt.
