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Sachsenheim Emotionen bleiben außen vor
Rund 300 Besucher nutzen die erste Veranstaltung der Stadt zur Meinungsbildung im Vorfeld der beiden Bürgerentscheide über den Energiepark Alleenfeld am 1. Februar.
n den Informationsständen herrschten dichtes Gedränge und rege Diskussionen. Rund 300 Besucher haben sich in der Kirbachtalhalle in Hohenhaslach bei einer ersten Dialogveranstaltung der Stadt über die beiden anstehenden Bürgerentscheide zum Energiepark „Alleenfeld“ am 1. Februar dieses Jahres informiert.
„Ich fand die Veranstaltung heute Abend fachlich sehr gut. Alle Emotionen blieben außen vor. Meine bereits getroffene Entscheidung hat sich heute nochmals bestätigt“, zog ein Bürger aus Hohenhaslach ein zufriedenes Fazit. Ähnlich erging es einem Ehepaar aus Großsachsenheim, deren Antworten auf die beiden Fragen der Bürgerentscheide am Ende der Informationsrunde ebenfalls klar waren.
„Viele Perspektiven und Themenbereiche wurden heute Abend sehr strukturiert dargestellt, sodass wir uns ein klares Bild machen konnten. Wir hatten erwartet, dass die Emotionen hoch kochen werden, aber dies war erfreulicherweise nicht der Fall“, erläuterten die beiden Großsachsenheimer.
Rund drei Stunden hatten die interessierten Bürger Zeit, die unterschiedlichen Standpunkte zum Energiepark „Alleenfeld“ näher kennenzulernen. Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich verwies noch einmal darauf, wie wichtig es sei, dass möglichst viele Bürger aktiv an den Bürgerentscheiden teilnehmen und zur Abstimmung gehen.
„Ich wünsche mir eine hohe Beteiligung für eine hohe Akzeptanz und Legitimität der Entscheidungen, wie immer diese ausgehen. Das ist wichtig für unsere Stadt“, betonte Albrich.
Fragestellung irreführend?
Er ging auch auf die Kritik aus der Bürgerschaft an der vermeintlich irreführenden Fragestellung der Bürgerentscheide ein. „Die Fragestellungen stammen von der Bürgerinitiative ‚Gegenwind‘ und sind rechtlich nicht zu beanstanden. Wir haben aber auf den Stimmzetteln nochmals erläuternde Zusätze aufgenommen“, so Albrich.
In der von Sarah Albiez vom Forum Energiedialog Baden-Württemberg moderierten Informationsrunde stellte der Geschäftsführer der Vento Ludens GmbH Joachim Finkel, welcher den Energiepark für die Hofkammer des Hauses Württemberg betreiben will, das Vorhaben nochmals im Detail vor. Er hatte auch Visualisierungen mitgebracht, welche einen Blick auf die vorgesehenen Windräder und die Freiflächen-Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher unter anderem vom Panoramaweg in Hohenhaslach aus ermöglichten.
Zwei Drittel des gesamten Energiebedarfs der Stadt sollen durch diesen Energiepark gedeckt werden. Zudem erhofft sich die Stadt finanzielle Einnahmen von rund 100.000 Euro jährlich an Pachterlösen pro Windrad plus eine gesetzliche Erlösbeteiligung von 0,2 Cent pro Kilowattstunde Strom aus Photovoltaik und Windkraft, die allerdings bei den Windkraftanlagen mit den Nachbargemeinden, die vom Sichtbild betroffen sind, geteilt werden muss.
Im Publikum in Hohenhaslach informierte sich beispielsweise auch der Bürgermeister von Freudental, Alexander Fleig. Zudem sollen 90 Prozent der aus dem Energiepark abzuführenden Gewerbesteuer bei der Stadt Sachsenheim verbleiben.
Frage nach Investition des Geldes
Angesichts dieses warmen Geldregens von prognostizierten rund 400.000 Euro pro Jahr kam die Frage in der Bürgerschaft auf, wie die Verantwortlichen der Stadt denn diese Summe investieren wollen. „Wir werden in unsere Infrastruktur, in die Schulen und Kindertageseinrichtungen investieren“, stellte Bürgermeister Albrich klar.
Deutlich wurde aber auch, dass der Vorhabenträger, sollten die beiden Windräder auf den städtischen Flächen, die sich außerhalb des Waldes befinden sollen, abgelehnt werden, neben seinen beiden Windrädern auf den Flächen der Hofkammer ein weiteres drittes Windrad auf anderen privaten Flächen in besagtem Windvorranggebiet errichten will.
Verweis auf Schwachwindgebiet
Die Vertreter der Bürgerinitiative „Gegenwind“, welche die Bürgerentscheide angestrebt haben, bezweifeln dies. „Ob die Windkraftanlagen gegen den Willen der Bürger umgesetzt werden und zwei oder drei Anlagen entsprechend rentabel sind, werden wir sehen“, erklärte Dr. Daniel Manka. Er verwies auf das vorhandene Schwachwindgebiet und die hohen Kosten für einen entsprechend aufgestellten Batteriespeicher, um tatsächlich zwei Drittel des Energiebedarfs der Stadt decken zu können, was er ebenfalls anzweifelte.
Dr. Manka erinnerte an die drohende Beeinträchtigung des Landschaftsbilds und den Verlust der wertvollen Ackerflächen durch den Energiepark.
Dass diese Ackerflächen an Biodiversität durch den Energiepark sogar gewinnen könnten, machte Christoph Kaup, Sprecher der Nabu-Gruppe Sachsenheim, deutlich. Durch die Ansaat einer Wildkräuter-Mischung unter den Solarmodulen mit einem Gesamtabstand der Reihen von mindestens dreieinhalb Metern könnte die Pflanzen- und Tierwelt profitieren.
Eine Beweidung der Flächen mit Schafen ist möglich und durch den Verzicht auf Mineral-Dünger sowie Pestizide soll der Zustand des Bodens ebenfalls verbessert werden. Bei den Windkraftanlagen ist eine Abschalt-Sensorik für Fledermäuse und den Großen Abendsegler vorgesehen. Eine solche technische Vorrichtung für Greifvögel scheitert an den zu hohen Umsetzungskosten. Ihnen sollen allerdings ökologisch aufgewertete Flächen in der Nähe zur Verfügung gestellt werden, um sie von den Windrädern abzuziehen. „Zum Verlust der Ackerflächen lässt sich sagen, dass die Energieausbeute des Energieparks um ein Vielfaches höher ist als aus den Flächen, die für Maissilage genutzt werden“, so Kaup.
Beitrag für den Klimaschutz
Angela Brüx und Hans-Georg Hummel von der Bürgerinitiative „Energie-von-hier-Sachsenheim“ wiederum stellten klar, dass die Stadt ihren Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende leisten müsse und dafür die Umsetzung des Energieparks ein wesentlicher Bestandteil sei. Auch Dieter Hallmann von der Energiegenossenschaft Ingersheim und Umgebung war mit einem Informationsstand vertreten.
„Ich bin derzeit beratend für die Stadt Sachsenheim tätig und kann mir gut vorstellen, dass wir von der Energiegenossenschaft bei Bürgerwindrädern der Stadt miteinsteigen. Wir verfügen über das notwendige Wissen und mit 2500 Euro Mindesteinlage können sich die Bürger bei uns derzeit Anteile sichern“, erläuterte Hallmann.
Vertreter des Naturparks Stromberg-Heuchelberg, des Verbands Region Stuttgart und der Energieagentur Baden-Württemberg standen den Bürgern ebenfalls Rede und Antwort.
