Sachsenheim Erneute Kostensteigerung bei der Umwandlung zur Realschule

Von Markus Wirth
Die Kirbachschule, 1971 ihrer Bestimmung übergeben, ist in die Jahre gekommen, auch bei der um sieben Jahre jüngeren Halle (links) besteht dringend Handlungsbedarf. Foto: /Martin Kalb

Der Sachsenheimer Gemeinderat stimmt mehrheitlich für den Baubeschluss zur Sanierung der Kirbachschule.

Die Sanierung, der Teilneubau und die Umwidmung der Kirbachschule zur zweizügigen Realschule ist ein Leuchtturmprojekt für das künftig abermals erweiterte Schulangebot der Stadt. Dies wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich, als über den Baubeschluss für den ersten Bauabschnitt abgestimmt wurde. 

Und doch wurden die Mitglieder des Gremiums einmal mehr mit abermals gestiegenen Gesamtkosten konfrontiert, was durchaus mit Sorgenfalten zur Kenntnis genommen wurde. Joachim Mayer, Bauleiter des Teams Hochbau, ging von voraussichtlichen Gesamtkosten von 53 Millionen Euro bis zur voraussichtlichen Inbetriebnahme der Realschule im Jahr 2032 aus. Er umriss die anstehenden Arbeiten: „Ein vorrangiges Ziel ist die Integration von vier Klassen, die aktuell noch in der Bergschule unterrichtet werden.“ Zudem solle auch die Miteinbeziehung der Kirbachtalhalle vorbereitet werden.

Die erneute Kostenangleichung begründete Mayer vor allem damit, dass man bei dem Gebäudeensemble aus den frühen 1970er-Jahren mit bauarttypischen Altlasten, vor allem mit Asbest, zu kämpfen habe, „das verteuert die ganze Sache“. Er betonte, in diesem Baubeschluss sei lediglich der erste Bauabschnitt inkludiert, welcher den Ganztagsbereich und die Baustelleneinrichtungsflächen sowie Vorabmaßnahmen für den Artenschutz inkludiere. Die Gesamtprojektkosten dieses Bauabschnitts betragen rund 27,15 Millionen Euro, „abzüglich der zu erwartenden Fördermittel unter anderem aus dem Ausgleichsstock“.

Die eigentliche Phase dieses ersten Baufensters verortete Mayer zwischen Februar 2028 bis März 2029. Er betonte zudem, von einer weiteren Zusammenarbeit mit dem bisherigen Projektleiter abzusehen: „Mit ihm werden wir nicht weiter zusammenarbeiten, auch bei jenem des Fachbereichs Bauphysik, es finden bereits Gespräche mit Bewerbern statt.“

Sorge wegen Kostenentwicklung

Gemeinderat Oliver Häcker (FDP) fragte an, ob die Zahlen, die Mayer genannt habe, schon so ausgearbeitet seien, dass schon alle weiteren möglichen Kostensteigerungen inkludiert seien. Mayer entgegnete, dies alles könne nur schlecht eingeschätzt werden, da man nicht wisse, wie sich der Markt weiter entwickle: „Das ist Stand heute eher ein ein Blick in die Glaskugel.“

Albrecht Pfeiffer (Freie Wähler) meinte, wegen des Themas Projektleitung Bauphysik habe er sich vergangene Woche enthalten, Kostenschätzungen lägen bei den Fachplanern. Er bat jedoch, künftig das Bauamt personell aufzustocken, um bei kleineren Projekten selbst tätig werden zu können und nicht mehr auf externe Projektleiter zurückgreifen zu müssen.

Karl Willig (FDP) fand es schade, „dass wir uns schon fünf Jahre dem Thema widmen und in der Zwischenzeit viele Kostensteigerungen zu beklagen waren. Aber wir müssen die Sache trotz Verteuerung weiter vorantreiben“. Franziska Müller (GLS) fragte an, warum dies alles so lange seit der Machbarkeitsstudie im Jahr 2018 gedauert habe, wohin Bürgermeister Albrich auf seinerzeit andere Großprojekte wie die Schloss-Sanierung verwies, auch die Sanierung des Kindergartens „Regenbogen“ hätte Priorität gehabt. „Planungen ziehen sich in die Länge. Es ist auch nicht so gewesen, dass wir in der Zwischenzeit nichts in Sachen Kirbachschule gemacht hätten. Ich hätte mir auch gewünscht, dass wir schon weiter wären“, so der Rathauschef.

Auch Steffen Wezstein (WIR) sah mit Sorge, dass die Kosten in den vergangenen zehn Monaten um einen zweistelligen Prozentsatz gestiegen seien. „Ich sehe hier auch kein Ende der Fahnenstange, vielleicht landen wir im Endeffekt bei 80 bis 90 Millionen Euro. Wenn wir uns hier überheben, tun wir uns keinen Gefallen, wenn wir durch einzelnes Projekt viele weitere vielleicht ähnlich wichtige andere Projekte hintanstellen oder streichen müssen.“

Florian Essig (CDU) erinnerte daran, dass man 2018 noch davon ausgegangen sei, die Schule lediglich um einen Anbau zu erweitern. „Doch dann kamen immer weitere Posten hinzu – auch hinsichtlich der Verpflichtenden Ganztagesbetreuung hin zu einer zweizügigen Realschule.“ 2018 sei man noch von Kosten von 6,7 Millionen Euro ausgegangen, aber die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen hätten sich geändert. Essig: „Wir stehen hinter diesem Projekt, es gibt keine Alternativen. Wir werden aber weiter mit Kostensteigerungen rechnen müssen. Die Sanierung ist zwingend und steht nicht zur Disposition.“

Lothar Makkens (Freie Wähler), hob hervor, er freue sich, dass man nun endlich weiterkomme nach all den teils kontroversen Diskussionen: „Wir bauen nicht für uns, sondern für unsere Kinder und somit für die Zukunft der Stadt.“

„Investition in die Zukunft“

Markus Klingler (SPD) gab seine Zustimmung: „Es ist eine Investition in die Zukunft, und auch in energetischer Hinsicht besteht dringend Handlungsbedarf.“ Jutta Glöckle (ebenfalls SPD) stieß argumentativ ins selbe Horn, man investiere für die Kinder „und in eine wichtige und wertvolle Infrastruktur, die zudem das Kirbachtal aufwerten wird.“ So ergab sich eine mehrheitliche Zustimmung über den Baubeschluss des ersten Bauabschnitts bei zwei Gegenstimmen, die Projektleitung Bauphysik wurde bei einer Enthaltung und fünf Gegenstimmen auf den Weg gebracht.

 
 
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