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Sachsenheim Formel-1-Boliden aus Papier
Das Angebot „Macherzeit“ an der Gemeinschaftsschule fördert kreative Ideen und Talente der Schülerinnen und Schüler.
onzentriert entwirft der 14-jährige Issa am Computer Baupläne des Formel-1-Flitzers von Toro Rosso aus der Saison 2016. Mit Hilfe des Modelbauplans von Issa ist es möglich, das Formel 1-Auto aus Papier im Maßstab 1:18 bis 1:43 nachzubauen. „Das Auto fasziniert mich deshalb so, weil ich im Jahr 2016 angefangen habe, mich für die Formel 1 zu interessieren und die Rennen im Fernsehen zu verfolgen“, erzählt der Junge, der seine Lieblingsrennautos zuhause in Miniaturform nach selbst mit einem Computerprogramm entworfenen Plänen nachbaut.
Pläne selbst kreieren statt kaufen
„Die Baupläne können auch käuflich erworben werden. Aber sie sind sehr teuer. So habe ich begonnen, selbst Pläne zu entwerfen“, berichtet Issa, der mit seinem Projekt auch den Schulleiter der Sachsenheimer Gemeinschaftsschule am Sonnenfeld, Bernhard Dietrich, sichtlich beeindruckt.
Entdeckt hat Dietrich das besondere Talent des Schülers der achten Klasse im Rahmen der „Macherzeit“, die in diesem Schuljahr immer donnerstags in zwei Schulstunden stattfand. „Uns kommt es dabei darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler eigene Projektideen entwickeln und diese auch umsetzen.“
Bei einem Markttag am Ende jedes Halbjahrs können diese Projektideen und ihre Ergebnisse dem Publikum vorgestellt werden, sagt der Rektor der Gemeinschaftsschule in Sachsenheim. Im Januar blieben die Schüler beim Markttag unter sich. Ende Juli werden dazu auch interessierte Eltern eingeladen.
„Wir führen diese ‚Macherzeit‘ in allen Klassen ab der fünften Jahrgangsstufe durch und sind wirklich erstaunt, welche verborgenen Begabungen und Neigungen der Schülerinnen und Schüler zutage treten“, so Dietrich. Emilia, ebenfalls aus der achten Klasse, hat zum Beispiel ein Gesellschaftsspiel über die Gemeinschaftsschule entworfen, bei dem es Risikofelder gibt und solche, bei denen Schulnoten gewürfelt werden können. „Die ‚Macherzeit‘ gefällt mir richtig gut, denn ich liebe es, kreative Ideen, die in meinem Kopf entstehen, zu verwirklichen“, schwärmt Emilia. Die Konrektorin der Gemeinschaftsschule, Katja Wörz, stellt klar: „Wir wollen die Stärken der Schülerinnen und Schüler individuell fördern und sind begeistert, wie vielfältig die Ideen und Projekte sind.“
So haben die Mädchen und Jungen in ihrer wöchentlichen „Macherzeit“ Sonnenliegen aus Paletten gebaut, Kleidung genäht, eine Sprachsteuerung für den Laptop programmiert, das berühmte Gemälde der Mona Lisa mit Münzenstempeldruck nachempfunden, eigene Kosmetikprodukte entworfen, eine mehrtägige Fahrradtour geplant oder einen Podcast zum Thema „Frauenrechte“ aufgenommen. „Uns ist wichtig, dass auch die eigenen Ideen der Schülerinnen und Schüler im Unterricht Berücksichtigung finden. Daher haben wir diese ‚Macherzeit‘ entwickelt, und zeitgleich wurde auch vom baden-württembergischen Kultusministerium das ‚Zeig, was du kannst‘-Projekt vorgeschrieben, das in eine ähnliche Richtung geht, allerdings nur in den achten und neunten Klassen“, sagt Schulleiter Dietrich.
Auch Hannah, Leni und Nina aus der siebten Klasse haben eine originelle Idee entwickelt und bauen ihr Schulgebäude mit einem exakten Grundriss, Außenwänden und Dach als Papiermodell nach. „Zunächst wollten wir den gesamten Grundriss selbst ausmessen und ohne Pläne vorgehen. Diese Herausforderung war zu groß und wir haben uns schließlich Grundriss-Pläne von der Stadtverwaltung besorgt“, erzählt Nina. Mit dem Cuttermesser schneiden die drei Mädchen die Fenster aus der am Computer vorgezeichneten Fassade des Schulgebäudes aus. „Wir wollten etwas mit Architektur machen und haben so dieses Projekt entwickelt“, sagt Hannah.
Wege in die berufliche Zukunft?
Ob diese „Macherzeit“ damit bereits die Wege in die berufliche Zukunft der Schülerinnen und Schüler ebnet, erscheint möglich, denn auch Issa würde seine Begeisterung für die Formel 1-Rennwagen und sein Interesse am Modellbau später gerne in seinem Beruf vertiefen.
„Unsere Erfahrungen sind so positiv und der Elan der Schülerinnen und Schüler so groß, dass wir die ‚Macherzeit‘ auch im kommenden Schuljahr fortsetzen werden. Wir überlegen, unsere Markttage künftig auch für die breitere Öffentlichkeit anzubieten“, unterstreicht Dietrich.
