Der Sand des Strands scheint zum Greifen nahe, und beim Betrachten des Bildes glaubt man, das Rauschen der Meereswellen zu hören: Wer bei Künstlerin Marie-Luise Ippich den heimischen Garten in Spielberg betritt, kommt sofort in Urlaubsstimmung. Mit Fassadenfarben hat sie mehrere Außenwände mit idyllischen Urlaubsmotiven bemalt. Ob ein Strandkorb mit dem Meer im Hintergrund oder ein Wasserfall in den Bergen: Die Spielbergerin will auch in ihrem Garten das Gefühl haben, in die Ferne blicken zu können und nicht auf eine weiße Wand des Nachbargebäudes.
Sachsenheim Für die Künstlerin ist Malen meditativ
Die Spielberger Künstlerin Marie-Luise Ippich setzt ihr kreatives Talent vielfältig ein.
„Ich bin an solchen Außengemälden meist mehrere Wochen beschäftigt und schaue mir das Gemalte immer wieder mit einem gewissen Abstand an. Zudem müssen die Fassadenwände erst entsprechend vorbereitet werden und dürfen keine Löcher oder Risse mehr zeigen“, sagt Ippich, die ursprünglich aus Westfalen stammt und schon von Jugend an gerne gezeichnet hat. Später hat sie Textildesign studiert und mit Diplom abgeschlossen. Durch ihre berufliche Tätigkeit bei den Deutschen Linoleum-Werken (DLW) kam Ippich nach Bietigheim-Bissingen und war für die Farbgebung und Gestaltung textiler Bodenbeläge mit modernen Computerprogrammen zuständig.
Motive aus der Natur
„Die Malerei ist aber meine Beschäftigung zum Ausgleich geblieben. Noch heute genieße ich es, in der Natur mit meinem Skizzenblock oder meiner Fotokamera auf der Suche nach Motiven unterwegs zu sein“, so die Spielbergerin, die durch ihren Mann Klaus im Kirbachtalort heimisch wurde und nach der Geburt von Tochter Julia dort ihr eigenes Atelier eingerichtet hat.
Wann immer in Spielberg ihr künstlerisches Talent gefragt ist, unterstützt Ippich die Dorfgemeinschaft mit ihren Werken. Ob jüngst das Ortswappen als Wandgemälde im wieder errichteten „Bahnhöfle“, die Gestaltung von gemeinsamen T-Shirts zum Dorffest, Entwürfe von Etiketten für die Weinflaschen der einstigen Genossenschaft in Ochsenbach oder bei Porträtzeichnungen für Freunde und Bekannte: Inzwischen ist die Künstlerin fest im Kirbachtal verwurzelt. „Neulich hat mich jemand angesprochen, dessen Hund verstorben ist, und ich habe für ihn nach einer Fotovorlage ein Gemälde seines Hundes angefertigt“, so Ippich.
Im Oktober gibt es eine Ausstellung
Sie hat auch schon mehrere Ausstellungen in der Region auf die Beine gestellt und plant die nächste im Oktober dieses Jahres in Spielberg. Ippich bemalt dabei diverse Untergründe: Holz von einer alten Diele, ein in die Jahre gekommener Fensterladen, Leinwand oder Fassade aus Beton. „Am liebsten arbeite ich mit Öl- und Aquarellfarben, aber mein großer Wunsch wäre, mich auch noch in der Linolschnitttechnik weiterzubilden“, berichtet sie.
Wenn sie zu Stift oder Pinsel greift, taucht Ippich in eine ganz eigene Welt ein und blendet den Alltag um sich herum völlig aus. „Malen ist wie Meditation für mich. Ich kann mich mit meiner Kunst auf so vielfältige Weise ausdrücken. Oft fällt mir das leichter als mit Worten.“ Zu den großen Künstlern, die sie immer inspiriert haben, zählen der Expressionist Emil Nolde und Vincent van Gogh.
„Viele meiner Motive finde ich auch durch Zufall bei meinen Spaziergängen durch die Landschaft. Gerne porträtiere ich aber auch Menschen“, erzählt Ippich und erinnert an eine Ausstellung im Kleeblatt-Pflegeheim, die sich den Facetten des Alters widmete und für die sie einen inzwischen verstorbenen Spielberger gemalt hat.
„Jede Falte seines Gesichtes hat eine Geschichte erzählt und ich habe beim Malen so viele Episoden über Spielberg erfahren. Das war für mich eine sehr intensive und bereichernde Zeit“, so Ippich, die sich stets mit allen Sinnen auf ihre Motive einlässt. „Ich kann mir ein Leben ohne die Malerei nicht mehr vorstellen“, unterstreicht die Künstlerin, die selbst den Pflasterbelag der Zufahrt zu ihrem Haus künstlerisch gestaltet hat. Michaela Glemser
