Am Sonntagvormittag bot der KSV in der Sporthalle Kleinsachsenheim einen Lehrgang an – die Veranstaltung zum Thema Gewaltprävention und Selbstverteidigung richtete sich an Kinder und deren Eltern.
Sachsenheim Gegner sein, nicht Opfer
Beim KSV lernen Kinder im Selbstverteidigungskurs, wie sie sich in Notfällen wehren und so Selbstvertrauen gewinnen können.
„Gewalttäter suchen sich Opfer, keine Gegner“, erklärte der ehrenamtliche Gewaltschutztrainer und Selbstverteidigungslehrer Jürgen Marber (5. Dan Karate). Seine Tochter Isabell Deckert (4. Dan Karate) war an diesem Tag seine Co-Trainerin, unterstützt von den Kindertrainerinnen Jaqueline Hempel und Celine Blankenhorn. „Kampfsport ist heute keine Männerdomäne mehr“, betonte Deckert, „inzwischen gibt es zahlreiche weibliche Trainer.“ Auch unter den rund 30 teilnehmenden Kindern aus den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn befanden sich etwa zur Hälfte Mädchen.
Schüchternheit verfliegt schnell
Manche der fünf- bis 13-jährigen Kinder zeigten sich zunächst noch schüchtern, doch das Selbstbewusstsein wuchs rasch mit den fortschreitenden Übungen. Dabei bildeten die Eltern den Rückhalt, den sicheren Hort, wurden später jedoch zu „Angreifern und Tätern“. „Das ist ein tolles Konzept“, begeisterte sich eine Mutter, „da die Kinder nicht alleine lernen, sondern die Eltern mitlernen. Außerdem kann man das Gelernte Zuhause wiederholen.“
Bei aller Ernsthaftigkeit gelang es Marber mit vielen lockeren Sprüchen, Freude am Training zu vermitteln. „Spaß soll an vorderster Stelle stehen“, war dem Lehrgangsreferenten wichtig, „gefolgt von Motivation und Disziplin“. So lernten die Kinder als erstes, laut zu sein, sich bemerkbar zu machen und „Stop“ zu schreien, sollte ihnen jemand zu nahe kommen - in diesem Fall die harmlosen Eltern, die zur Begeisterung ihrer Sprösslinge Liegestützen absolvieren durften, wenn die Übung nicht passte.
Das Abwehrtraining steigerte sich nach und nach über spezielle Drehbewegungen, Anwendungen der Fingerknöchel bis hin zu Schlägen mit den Ellenbogen und Wegschieben der gegnerischen Beine. „Aber vorsichtig sein,“ mahnte Marber, „nicht zu stark, zärtlich bleiben.“ Umsichtig verzichtete er auf Schlagtechniken mit der Faust, „denn die müssen lange geübt werden, ohne dass man sich selbst weh tut“. Marber führte die Übungen mit seiner Co-Trainerin vor und ließ die Teilnehmer mehrfach wiederholen. Die Erwachsenen hatten viel zu lachen, die Kinder kicherten hemmungslos. Alle Schüchternheit war verloren.
Kinder blühen regelrecht auf
„Das ist auch im Training so“, wusste Blankenhorn, „man merkt, wie die Kinder von Mal zu Mal selbstbewusster werden. Sie blühen regelrecht auf“. Eine Teilnehmerin aus Löchgau amüsierte sich: „Unsere Jungs im Alter von sechs und acht Jahren hatten anfangs überhaupt keine Lust, hierherzukommen. Aber jetzt sind sie voll dabei. Uns war dies wichtig, weil wir uns Sorgen über den Schulweg machen.“ Schließlich erläuterte Marber anschaulich und ließ in leicht verständlichen Rollenspielen üben, wie sich die Kinder in bestimmten Situationen verhalten sollten. Er schilderte unter anderem, dass auch Frauen böse sein konnten, und der vermeintliche Postbote vielleicht gar keiner ist.
Der Vater eines neunjährigen Jungen aus Mundelsheim zog in Erwägung, seine Kinder in Selbstverteidigung ausbilden zu lassen. Und der sechs Jahre alte Elia aus Löchgau, der mit seinem Vater hier war, sagte überzeugt: „Karate ist besser als Fernsehgucken.“ Für Kinder, die tiefer gehendes Interesse hatten, wurde auf den „Tigerkurs“ hingewiesen, der nach den Sommerferien beginnt, und auf das Sommercamp, das nicht nur für Mitglieder gedacht ist.
