Das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde in der Oberen Straße fügt sich harmonisch in die gewachsene Struktur hier im ältesten Teil Großsachsenheims ein. Mit seinem Fachwerk scheint es die Geschichte vergangener Jahrhunderte zu erzählen – und ist doch gerade einmal 40 Jahre alt. „Vorher“, sagt Pfarrer Dieter Hofmann, „stand hier ein Bauernhof mit Stallungen und Scheune, dieser war mutmaßlich einmal Teil der auf der anderen Straßenseite liegenden Vogtei“ – jenem Gebäude, in welchem heutzutage das Pfarrbüro untergebracht ist und das aus dem 15. Jahrhundert stammt.
Sachsenheim Gemeindehaus wurde vor 40 Jahren eingeweiht
Das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde wurde vor 40 Jahren seiner Bestimmung übergeben – samt Gewölbekeller von 1614, der künftig der Kultur dienen könnte.
Anfang der 1980er-Jahre war das Ensemble baufällig und es lohnte auch nicht mehr, der maroden Bausubstanz wegen, es zu erhalten. So kaufte die evangelische Kirchengemeinde unter Pfarrer Gebhard Strebel den Grund und ließ das äußerlich historisierende, ansonsten aber den damaligen Erfordernissen einer modernen und vielfältigen Kirchengemeinde mit ihren rund 3000 Gliedern erfüllende Gebäude für seinerzeit 1,5 Millionen Mark errichten.
Das neben der mächtigen Wehrkirche liegende Gemeindehaus war in den 1960er-Jahren erbaut worden und genügte alleine aus Platzgründen schon lange nicht mehr dem Bedarf der Pfarrei mit ihren vielen Gruppierungen. „Nur ein Teil des alten Gehöfts wurde mit in den Neubau integriert“, erzählt Pfarrer Hofmann und bittet die rund 20 Stufen hinunter in den „Bannkeller“, mit der Vogtei durch einen unterirdischen Gang verbunden war und der Lagerung von Obst, Kartoffeln, Most und Wein diente. „Noch liegt er etwas brach“, sagt Hofmann, doch schon bald werde sich weisen, welche Funktion der mächtige Gewölberaum übernehmen werde, wenn die Brandschutzeinrichtungen und sonstige baulicher Voraussetzungen erfüllt sein werden.
Gewölbekeller als Kulturraum?
„Ich könnte mir den Keller als Raum für Kulturveranstaltungen gut vorstellen, hier“, sagt er und zeigt auf die Richtung Süden zeigende Wand, „könnte eine Bühne erstellt werden“, der Rest des Raumes sei dann für die Bestuhlung und der rückwärtige Bereich für die Bewirtung geeignet. Kunstausstellungen, Kabarettabende, Jazzkonzerte – das alles kann sich Hofmann hier unten sehr gut vorstellen, und ein provisorischer Fluchtweg ist ebenfalls schon realisiert.
Im Erdgeschoss habe die Gemeindejugend ihre Räumlichkeit – „mit eigenem Zugang, so wie sich das für junge Menschen gehört, die unter sich sein wollen.“ Überhaupt, sagt er, sei das Haus seit seiner Einweihung im Jahr 1985 ein beliebter Ort der Begegnung geworden und beherberge neben den zahlreichen kirchlichen Gruppen auch jene aus der weltlichen Gemeinde, so sind an diesem Nachmittag die Landfrauen im großen Saal zu Gast, welcher den Namen des ehemaligen Pfarrers trägt: Gebhard-Strebel-Saal.
Und weil Strebel ein visionär denkender Mensch war, kaufte er das benachbarte Grundstück auf, ließ das marode Haus darauf abreißen und schuf den noch heute dort liegenden Parkplatz – sehr zum Unwillen der Stadtverwaltung, die dieses innerörtliche Filetstück auch gerne gehabt hätte. Der Saal beeindruckt durch seine Fläche, die durch zu öffnende flexible Trennwände mit den kleineren Nebensaal noch erweitert werden kann. Auch die massive Balkenkonstruktion, die das Dach trägt, erinnert an die erzsolide Bauweise des 17. Jahrhunderts, aus dem, genauer gesagt von 1614, der „Bannkeller“ stammt.
Dreh- und Angelpunkt
„Seit 40 Jahren ist das Haus hier Dreh- und Angelpunkt des Gemeindelebens“, gerade der Saal sei – mit Ausnahme des Donnerstagabend – auf lange Sicht ausgebucht. Auch wenn sich das Kulturprogramm seit rund 25 Jahren teilweise ins neue Kulturhaus an der Oberriexinger Straße verlagert habe, so sei und bleibe das Gemeindehaus doch der ganze Stolz der Kirche. Und genauso lange wie es dies gibt – nämlich 40 Jahre – lobt der Pfarrer, sei auch Hauswartin Regina Kuphal mit an Bord und sorge dafür, dass es ordentlich ausschaut und es bei Veranstaltungen aller Arten an nichts fehlt. In einem Haus, dem es an nichts fehlt – und bald, freut sich und hofft Hofmann, kommt vielleicht noch der Gewölbekeller als Treffpunkt für Musik- und Kulturliebhaber dazu...
