Sachsenheim Geschäftsaufgabe nach 75 Jahren

Von Michaela Glemser
Nach einigen Schicksalsschlägen in der Familie Bader und bei den Mitarbeitern muss das Großsachenheimer Traditionsgeschäft zum 30. Dezember schließen. Foto: /Oliver Bürkle

Das Schreib- und Spielwaren-Fachgeschäft Bader in der Innenstadt Großsachsenheim schließt zum 30. Dezember dieses Jahres. 

Zum Kindergeburtstag durchsuchen die Kinder für ihren Geschenkekorb die Spielwarenabteilung, zur Einschulung wählen die kleinen ABC-Schützen ihren Schulranzen aus, zu Beginn jedes Schuljahres ist die Schreibwarenabteilung sehr begehrt, in der Papeterie fühlen sich die Hobbybastler wohl und in der Buchhandlung im Obergeschoss sind die unterschiedlichsten Lektüren und Sachbücher zu finden: Das Ladengeschäft des traditionsreichen Familienunternehmens Bader ist seit Generationen eine sehr beliebte Adresse in der Innenstadt Großsachsenheims.

Sachsenheims Ehrenbürger Kurt Bader eröffnete als Fotograf im Jahr 1950 ein Ladengeschäft in der Oberriexinger Straße. „Mein Vater war ein Macher, der immer positiv in die Zukunft geblickt hat. Daher ist es ihm auch gelungen, sein Ladengeschäft innerhalb kurzer Zeit zum Treffpunkt von Fotofreunden aus der ganzen Stadt und der Umgebung zu machen“, erinnert sich Ute Bader.

Mehrere Umzüge

Ihr Vater Kurt nahm immer wieder Kundenwünsche auf und erweiterte stetig sein Sortiment. Damit stieg auch der Raumbedarf des Fachgeschäfts, und es folgten mehrere Umzüge in der Innenstadt Großsachsenheims, bevor schließlich der heutige Stammsitz in der Sersheimer Straße bezogen werden konnte. Neben Tochter Ute trat 1995 auch deren Schwester Birgit als gelernte Buchhändlerin in das Unternehmen ein, und damit war das zweigeschossige Ladengeschäft auf die Fachabteilungen „Schreib- und Papierwaren“, „Spielwaren“, „Fotobedarf“ und „Bücher“ angewachsen.

„Bekannt in der ganzen Region waren wir für unsere alljährlichen Schulranzenfeste. Mit guter Fachberatung haben sich Familien bei uns den ersten Schulranzen für ihre Töchter und Söhne ausgesucht und beim Wechsel auf die weiterführenden Schulen schließlich einen Schulrucksack“, sagt Gabi Antoni, die lange Jahre diesen Fachbereich betreut hat.

Sie ist dankbar und stolz auf ihr Team an langjährigen Mitarbeiterinnen, von denen beispielsweise Ilona Antoni 1963 als Auszubildende beim Unternehmen Bader anfing und heute immer noch im Laden steht. Doch ausgerechnet 2025, im Jahr des 75-jährigen Bestehens des Geschäfts, meinte es das Schicksal nicht gut mit der Familie Bader und ihren Mitarbeitern. Im Juli ist Mitinhaberin Birgit Bader verstorben und gesundheitlich haben einige Mitarbeiter zu kämpfen.

Suche nach Fachpersonal

„Weil es immer schwieriger wird, geeignetes Fachpersonal zu finden oder gar einen passenden Nachfolger haben wir die schwerste und traurigste Entscheidung in der Geschichte unseres Unternehmens getroffen“, so Ute Bader. Zum 30. Dezember dieses Jahres wird das Ladengeschäft in der Sersheimer Straße schließen und damit eine Ära in Sachsenheim zu Ende gehen. „Wir haben Generationen von Familien in unserem Kundenkreis begleitet. Natürlich bedauern viele unsere Ladenschließung sehr“, betont Ute Bader, die selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Geschäft stehen kann.

Auch wirtschaftlich hat sich in den letzten Jahren immer mehr der verstärkte Online-Handel bemerkbar gemacht. „Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich geändert. Unser Pluspunkt war die gute Fachberatung und der Rund-um-Service“, sagen Monika Fiedler und Ruth Schmitter, die ebenfalls zum langjährigen Mitarbeiterteam gehören.

So konnten zum Beispiel die Eltern zum Schuljahresanfang die Lernmittellisten ihrer Kinder im Geschäft abgeben und schließlich alles in einem Gesamtpaket abholen. In der Weihnachtszeit kamen Großeltern mit den Wunschzetteln ihrer Enkel und die Mitarbeiter des Ladens haben alles herausgesucht und verpackt.

Räumungsverkauf ab 1. Dezember

Daher ist künftig die Innenstadt Großsachsenheims um eine weitere traditionsreiche Geschäftsadresse ärmer. Ab 1. Dezember startet der Räumungsverkauf mit vielen attraktiven Rabatten im Geschäft an der Sersheimer Straße, das im Volksmund liebevoll „Beim Bader“ genannt wird. „Für die neuen Schulanfänger des kommenden Jahres ist noch einmal Gelegenheit, ihren Schulranzen direkt vor Ort zu kaufen“, sagt Ute Bader. Sie blickt dankbar auf ihre Geschäftszeit mit ihren engagierten Mitarbeiterinnen zurück, die alle mit viel Herzblut hinter dem Unternehmen standen.

 
 
- Anzeige -