Als „Kinderparadies“ beschreibt Jasmin Sibel Kleinsachsenheim, den Ort, an dem sie aufgewachsen ist. In Bietigheim-Bissingen geboren, wohnte sie erst in Vaihingen und zog mit sechs Jahren nach Kleinsachsenheim, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Mittlerweile ist die Content Creatorin bekannter unter dem Namen Gnu. So nennt sie sich im Internet, wo sie vier Youtube-Kanäle betreibt und auf Twitch regelmäßig streamt. Mit 1,5 Millionen Abonnenten auf ihrem Hauptkanal zählt sie zu den größten deutschen Gaming-Youtubern.
Sachsenheim Gnu: Aus Kleinsachsenheim ins Internet
Die Content Creatorin Jasmin Sibel, besser bekannt als Gnu, erzählt im Gespräch mit der BZ von ihrer Kindheit in Kleinsachsenheim, eigenen Fehlern und ihrer Liebe zu Gaming.
„Bis heute träume ich ein Mal die Woche von Kleinsachsenheim“, erzählt sie im Interview mit der BZ. Mittlerweile lebt sie in der Schweiz, plant aber schon, Kleinsachsenheim bald wieder zu besuchen. Besonders gerne erinnere sie sich an die Videothek in Großsachsenheim, in die sie abends ging um sich etwas auszuleihen, „es ist traurig, dass es das nicht mehr gibt“. Aber auch an das Freibad in Großsachsenheim denkt sie gerne, und daran, wie sie abends mit Freunden die „kleine Hood“ unsicher gemacht hat.
Dankbarkeit für Kindheit
„Bis heute bin ich Fan vom Dorf, das Stadtleben mag ich nicht“, so Sibel, aber in ihr jetziges Leben würde es trotzdem nicht mehr passen. Würde sie ihre Kindheit noch mal erleben, täte sie das gerne genau dort – in Kleinsachsenheim. Nicht zuletzt dürfte das an ihren Eltern liegen, denn Sibel hatte „die geilste Kindheit überhaupt“, sei bedingungslos geliebt worden und dafür bis heute dankbar. Zu selten besuche sie ihre Heimat, doch sie hat vor, zusammen mit ihrem Bruder, wieder die Gegend hier zu erkunden. „Orte von früher anzuschauen, kann ich empfehlen“, sagt sie, und erinnert sich an den Bietigheimer Pferdemarkt, das Viadukt und das Ku(h)riosum.
Nach einer Ausbildung in Grafikdesign und einem Studium im Gamingbereich meldete sie sich irgendwann auf Youtube an – und hatte daran so viel Spaß, dass sie drangeblieben ist, als „Goodie“ neben dem Vollzeitjob. Etwa drei bis vier Jahre vergingen, bis ihre Reichweite so groß war, dass sie in ihrem Beruf auf Teilzeit wechseln konnte, bevor sie sich dann ganz dem Internet widmete. Durch das „Goodie“ habe sich so schließlich eine viel bessere Tür geöffnet, denn „im Programmieren war ich nie gut“, lacht Sibel. Content Creator zu werden, gilt bei vielen Jugendlichen als Traumjob – was rät Sibel ihnen? Erst mal eine Ausbildung oder ein Studium abschließen und arbeiten – „als Back-up, damit man weicher fällt“. Immerhin sind die Tage im Beruf lang: ab sieben Uhr morgens sitzt Sibel am PC und arbeitet, am Vormittag stehen dann meist Telefonate mit Management und Co. an. Nach einer Stunde Mittagspause und Sport arbeitet sie weiter, oft bis 21 Uhr.
Früher sei der Hass, gerade als Frau im Gamingbereich, mehr gewesen. Mittlerweile gibt es aber mehr Unterstützung, da mehr Frauen auf Twitch streamen als früher. Erkannt wird die 36-Jährige kaum, wenn sie in der Öffentlichkeit ist – und wenn, verhalten sich die Leute sehr diskret, erzählt sie. Als störend habe sie die Begegnungen nie empfunden.
Ihr größtes Hindernis sei sie selbst, wenn sie sich zu viel vornehme. Mehr Leute einzustellen, die Aufgaben übernehmen können, habe eigentlich zu mehr Freizeit führen sollen, lacht sie.
Ein Team im Rücken
Aber wo früher ein Kanal mit maximal drei Videos pro Woche möglich waren, als sie noch alles selbst gemacht hat, sind nun vier Kanäle möglich. Sie habe zwar lange Tage, möglich sei das Pensum aber nur durch ihr Team. „Ich würde es wieder so machen“, sagt Sibel, denn auch wenn der Anfang hart gewesen sei, habe ihr Ehrgeiz sie dorthin gebracht, wo sie jetzt ist. Nur etwas weniger Stress würde sie sich im Nachhinein machen.
Abonnenten haben mittlerweile auch einige private Einblicke in Sibels Leben bekommen. So nahm sie die Zuschauer mit, als sie ihre Brustvergrößerung und Aufspritzungen in den Lippen rückgängig machen ließ, klärte über Risiken von solchen Eingriffen auf. Schwer gefallen sei ihr das nicht, denn jeder mache mal etwas Dummes, und „ich gebe gerne die Anleitung, nicht dumm zu sein“, sagt Sibel lachend. Die Schönheitsindustrie beispielsweise wolle Menschen Komplexe einreden, und sie sei eben darauf reingefallen. Auch bei der Entwicklung einer Sportroutine oder beim Einfrieren ihrer Eizellen ließ sie die Zuschauer teilhaben.
Über ihre Entwicklung, eigene Fehler und negative Einflüsse von anderen schreibt sie auch in ihrem Buch „Du schaffst das nicht. Über Kontrollverlust, Kampfgeist und unstillbaren Hunger“, das 2022 erschien. „Anleitung, nicht dumm zu sein“ – so hätte sie ihr Buch auch nennen können, scherzt sie im Interview mit der BZ.
Die Handlung selbst bestimmen
„Ich schaue nicht gerne Filme, weil ich da nicht in die Handlung eingreifen kann“, antwortet Sibel auf die Frage, was ihr am Gaming gefalle. Bei Spielen hingegen könne man selbst die Handlung steuern. Horrorspiele finde sie deshalb auch gruseliger als Horrorfilme. Und gerade bei längeren Spielen würden diese einen begleiten, man versinke nahezu in ihnen. „Das ist meine Welt“, sagt Sibel. Für ein Lieblingsspiel kann sie sich nur schwer entscheiden, „Silent Hill“, „Final Fantasy VIII“ und „Resident Evil “ sind in der Auswahl, Letzteres, weil es den „Jumpscare“ populär gemacht hat, als in einer Szene Zombiehunde durch ein Fenster springen.
Sollte ihr aktueller Beruf einmal nicht mehr möglich sein, kann sich Sibel gut vorstellen, im Bereich Social Media zu bleiben, hier vielleicht eine neue Plattform auszuprobieren. Aber erst mal würde sie vermutlich reisen gehen, „und dann schauen, was ich möchte und wo ich hin will“.
