Sachsenheim Gotteshaus wechselt Besitzer

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Die Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche wird verkauft.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die evangelisch-methodistische Kapelle in Kleinsachsenheim wird veräußert. Das Gebäude ist bereits so gut wie verkauft

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Kirche verkauft wird. Genau das ist aktuell in Kleinsachsenheim der Fall. Die evangelisch-methodistische Kirche in der Bietigheimer Straße steht  zum Verkauf.

Das Fachwerk-Gebäude der evangelisch-methodistischen Kirche, in Kleinsachsenheim auch liebevoll „Kapelle“ genannt, wurde um 1906 erbaut und im Juli 1907 eingeweiht. Nach 114 Jahren soll nun das Kirchengebäude in private Hände veräußert werden.

Um den Verkauf kümmert sich Pastor Martin Schneidemesser von der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Schneidemesser ist als Pastor für den Bezirk Plochingen zuständig und zu 25 Prozent freigestellt, um die Kirchenbezirke der EmK in ganz Süddeutschland bei ihren Immobilienfragen zu unterstützen. Schneidemesser ist ein ausgewiesener Immobilienexperte. In dieser Eigenschaft ist der Verkauf von Kirchengebäuden sozusagen sein täglich Brot und nichts Außergewöhnliches.

Pastor verkauft Kirchen

Pastor Schneidemesser hat sich auf den Verkauf und die Bewertung von Gebäuden der Evangelisch-methodistischen Kirche spezialisiert, weshalb die Kirche auch keine Makler vor Ort einschaltet. Nach dem Verständnis der EmK sei das Kirchengebäude nicht heilig, also besonders zu behandeln, so Schneidemesser. Deshalb müssten die Gebäude, wie das in Kleinsachsenheim, auch nicht extra entwidmet werden, das hänge jedoch auch von der jeweiligen Kirchengemeinde ab.

Alleine in diesem Jahr hat Pastor Schneidemesser bislang etwa acht Kirchengebäude veräußert, das wäre jedoch ein Spitzenwert, sozusagen ein Ausreißer nach oben, wie Schneidemesser betont.

Kirchengebäude seien für die EmK eine Art Werkzeug und der Verkauf von nicht mehr genutzten Gebäuden eine normale Entwicklung, die vermutlich durch die Corona-Pandemie beschleunigt wurde.

Die Ursache sieht Schneidemesser nicht in einem Mitgliederschwund, von dem die EmK nicht in dem Ausmaß betroffen sei, wie die großen Kirchen, sondern eher in einem Trend innerhalb der EmK hin zu größeren Kirchengemeinden. Kleinere Standorte werden aufgegeben. Gebäude wie die Kleinsachsenheimer Kapelle seien deshalb nicht mehr zukunftsfähig.

Die Kleinsachsenheimer Kirchenmitglieder gehören zur Kirchengemeinde in Bietigheim-Bissingen. Die Gottesdienste werden bereits seit Jahren in der Kirche in der Rathenaustraße abgehalten. Die Bietigheim-Bissinger Gemeinde der EmK sei, so Schneidemesser, eine sehr aktive und lebendige Gemeinde, die durchaus Vorzeigecharakter innerhalb der Süddeutschen Konferenz der EmK habe.

Was das Kirchengebäude in Kleinsachsenheim angeht, ist Pastor Schneidemesser wichtig, dass das Gebäude erhalten bleibt. Man verkaufe nicht automatisch an den Meistbietenden, sondern lege großen Wert darauf, dass die neue Eigentümerin oder der neue Eigentümer auch mit dem Gebäude umgehen könne.

Schneidemesser betont mit Blick auf das Baujahr: „Das Gebäude ist Lust und Aufgabe“. Die Kleinsachsenheimer Kirche sei bis auf einige Umbauten im ersten Obergeschoss, einer ehemaligen Wohnung, räumlich im Zustand wie 1906 erbaut und könne mit einigen Besonderheiten wie beispielsweise einem unterlüfteten Riemenboden und einer Stuckdecke aufwarten.

Großes Interesse am Gebäude

Nachdem er das Verkaufsschild Anfang Juli aufgestellt hat, haben sich nach Auskunft von Schneidemesser, rasch zahlreiche Interessenten gemeldet. „Da unsere Kirchen immer Multifunktionsgebäude sind, die oft auch schon eine teilweise Wohnnutzung haben, finden wir relativ problemlos ausreichend Kaufinteressenten“, so Schneidemesser. Etliche Hausbesichtigungen hat der Pastor mit Interessenten bereits durchgeführt und inzwischen eine engere Auswahl getroffen. Man habe deshalb kein Interesse mehr an weiteren potentiellen Käufern. Wer von den Interessenten den Zuschlag erhalte, werde zeitnah in den nächsten Tagen entschieden.

Auf die Frage, was mit dem Erlös aus solchen Immobilienverkäufen passiert, antwortet Schneidemesser, dass man vorzugsweise den Erlös aus solchen Verkäufen wieder in Immobilien investiere, und verweist exemplarisch auf seine eigene Gemeinde in Plochingen, wo man derzeit ein neues Gemeindezentrum mit Wohnungen baue. Damit leiste auch die EmK ihren Teil zur Behebung der Wohnungsnot.

 
 
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