Sachsenheim „Hand in Hand“ für den Ort

Von Lisa Lorenz
Ortsvorsteher André Lux vor dem Rathaus Kleinsachsenheim. Die Stimmung im Ort habe sich in den letzten Jahren zum Positiven entwickelt, erzählt er. Foto: /Oliver Bürkle

Ortsvorsteher André Lux erzählt im Gespräch, dass er für eine bessere Dorfgemeinschaft auf die Zusammenarbeit von Bürgern und Vereinen setzt.

Das war der Neustart“, sagt Ortsvorsteher André Lux über die Entstehung des Ortschaftsrats in Kleinsachsenheim. Zwei Anläufe hat es gebraucht, denn der erste Antrag wurde abgelehnt. Fünf Jahre später, 2023, versuchte man es erneut und hatte Erfolg. Schon im Bezirksbeirat, den Kleinsachsenheim vor seiner Ortschaftsverfassung hatte, habe es ein großes Engagement gegeben, so Lux, der auch schon im Bezirksbeirat war. Die Entscheidung für den Ortschaftsrat war „definitiv die richtige“, der Ortsvorsteher erhalte nur positives Feedback dazu.

Aber mit einem „Ja“ zum Ortschaftsrat habe niemand so richtig gerechnet, und deshalb habe man sich auch nicht viele Gedanken darüber gemacht, wer denn Ortsvorsteher werden solle. Die Wunschkandidaten, die es gab, haben dann abgelehnt, und Lux sprang ein: „Ich habe mich bereit erklärt, falls kein anderer will.“ Die zusätzliche Aufgabe nimmt einiges an Zeit in Anspruch: Im Jahr hat Lux etwa 250 Gratulanten, die er besucht. Es sei viel E-Mail, viel Telefon, dazu die Sitzungen. Da es in Kleinsachsenheim kein Büro im Rathaus gibt, macht Lux das von seinem Büro zuhause aus. „Die Freizeit ist stark eingeschränkt. Aber ich habe zwei gute Stellvertreter, die mir auch zuarbeiten.“ Es sei viel Arbeit, mache aber auch Spaß, und vorm Burn-out sei er noch nicht, scherzt Lux.

Ein Ohr für die Bürger

Der Ortsvorsteher beschäftigt sich im Wesentlichen mit zwei Arten von Themen: Denen der Bürger und denen des Ortschaftsrats. Von Bürgerseite aus erreichen Lux die alltäglichen Probleme: Fragen und Beschwerden zu Baugebieten und Kanalarbeiten. Baustellen, die Verkehr verursachen. Lichtbelästigung durch Flutlichtanlagen. Solche Dinge schränken die Bürger ein, sagt Lux, dazu bekomme er täglich E-Mails.

Auf der anderen Seite gibt es die Themen des Ortschaftsrats. Eines davon ist das Neubaugebiet Birkenfeld. „Wir wollen keine Kopie von Ost III, sondern Radwege, Fußwege, Parkbuchten und einen Ort, an dem die Menschen sich wohl fühlen und sagen: ‚Toll gemacht’.“ Bei der Forderung von zwei Stellplätzen pro Wohneinheit bleibe der Ortschaftsrat hart.

Ebenfalls gebaut werden soll am Backhaus. Es benötigt eine Renovierung, ist allerdings denkmalgeschützt, was zusätzliche Auflagen bedeutet. Momentan kann der Backhausverein Kleinsachsenheim es nicht nutzen und backt stattdessen alle zwei Wochen in Metterzimmern. Aber der Verein – ein „starker mit vielen Mitgliedern“ – hat bereits ein 20-seitiges Konzept entwickelt. Es sollen Schulen und Kindergärten eingebunden sowie Kurse angeboten werden. Man hofft außerdem, ins Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) aufgenommen zu werden, um Zuschüsse für die Renovierung zu erhalten. Dann werden die benötigten Gewerbe direkt im Ort angefragt: Zimmerer, Fensterbauer und wer noch alles gebraucht wird; der Obst- und Gartenbauverein für das „Drumherum“.

Den Umstand, dass dem Ort wie auch den Städten Geld fehlt, umschreibt Lux so: „Wenn man in den Bergen ist und die Luft dünn wird, hört man deshalb nicht auf zu atmen.“ So hört er mit der Dorfgemeinschaft im Rücken auch nicht auf, fürs Backhaus zu kämpfen. Denn das Projekt hätte schon mal rausfliegen sollen. Aber Lux entgegnete mit einer ausgearbeiteten Idee: Das Backhaus sei der Blickfang, den jeder sehe. Der Backhausverein selbst würde viel unterstützen, außerdem würde man hier ansässige Gewerbetreibende mit der Renovierung beauftragen. Die Stadt würde von alldem nur einen geringen Beitrag zahlen. „Wenn die Umsetzung klappt, gibt es nichts besseres für die Stadt“, resümiert Lux. Und so blieb das Projekt Backhaus, unter der Bedingung, dass man ins ELR kommt, erhalten.

Arbeit mit dem Gemeinderat

Mit dem Gemeinderat habe es aber auch sonst noch keine Unstimmigkeiten gegeben: In der Regel folge er dem Abstimmungsergebnis des Ortschaftsrats; Lux habe es noch nicht erlebt, dass ein Vorschlag abgelehnt worden sei. „Ich mache mir vorher meine Gedanken, und komme nicht mit einem Wunsch, sondern mit einer Idee und Vorschlägen zur Umsetzung in den Gemeinderat.“ Wenn kein Geld da sei, mache er sich auch keine Illusionen.

Aber wenn man zeigen könne, dass eine Sache Sinn ergebe, „dann würde dieser Gemeinderat nicht pauschal Nein sagen“. Die Entstehung des Ortschaftsrats war auch für den Gemeinderat eine neue Situation, sagt Lux. Denn im Gemeinderat kannte man ihn zwar als Mitglied des Bezirksbeirats. Diese durften jedoch nur zu den öffentlichen Sitzungen. Nun ist er bei allen Sitzungen dabei und könne auch, anders als früher, aktiv seine Meinung kundtun.

Eine Tradition, die noch der Bezirksbeirat ins Leben rief, ist das Kleinhöflefest. Dieses Jahr, am 4. Juli, findet es erneut statt und erfreut sich großer Beliebtheit: „Beim ersten Fest haben wir mit 500 Gästen gerechnet, gekommen sind dann aber 3500.“

Eine Lücke wurde geschlossen

Das Kleinhöflefest und der Weihnachtsmarkt haben, so scheint es, eine Lücke gefüllt: „Die Kleinsachsenheimer haben etwas vermisst, es hat was gefehlt“, beschreibt Lux. Seine Gratulanten würden sich freuen, dass endlich wieder etwas los sei im Ort. „Man konnte hier jahrelang anonym leben“, beschreibt Lux die Situation, die in Kleinsachsenheim vorherrschte. Selbst lebte er früher bereits einmal in Kleinsachsenheim, noch als Kind, da habe es noch mehr Dorfgemeinschaft gegeben, jeder hat jeden gekannt. Als er 2009 wieder hergezogen ist, war das letzte Dorffest, danach gab es erst einmal nichts mehr; bis auf das Feuerwehrfest sei alles eingeschlafen gewesen. Mittlerweile würden viele nur noch an sich denken, für sich leben. Auf die Ellenbogengesellschaft im Land und im Staat habe er keinen Einfluss, „aber deshalb muss es in Kleinsachsenheim ja nicht genauso sein“. Das Ziel ist deshalb nun, zu einem Miteinander zurückzufinden, und die Leute, denen man auf der Straße begegnet, zu kennen – auch, damit man sich Hilfe holen kann, wenn man sie braucht. Gerade mit dem Kleinhöflefest soll neuen Bürgern und Zugezogenen der Ortskern gezeigt werden, die „Schlafstadt“ soll geweckt werden. Und laut Lux habe sich die Stimmung in der Gemeinschaft in den letzten Jahren bereits deutlich zum Positiven verändert.

Die Kleinsachsenheimer Feste, die zu dieser Ortsstimmung beitragen, sollen unabhängig vom Ortschaftsrat gesichert sein und in den Händen der Bürger und Vereine liegen. Deshalb wurde ein Arbeitskreis für Bürger gegründet, und das mit Erfolg: Innerhalb von drei Wochen haben sich zehn Leute gefunden, zwei davon sogar aus Großsachsenheim.

Der Arbeitskreis soll dieses Jahr den Weihnachtsmarkt übernehmen; für das Kleinhöflefest wäre es diesmal zu kurzfristig, das soll ab dem nächsten Mal auch vom Arbeitskreis organisiert werden. Der Kreis besteht aus Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit, Strom, Wasser, und allem, was es für ein Fest noch so braucht. Die Mitglieder seien extrem engagiert und hätten viele Ideen, „das kann nur richtig cool werden“.

Der Arbeitskreis solle bestehen bleiben, auch wenn sich der Ortschaftsrat ändert, und bewusst ohne Verwaltungsaufwand gehalten werden. „Hand in Hand“ soll er mit Vereinen zusammenarbeiten und organisieren. Für den Arbeitskreis ruft Lux explizit auch solche auf, die nicht bereits mit Ehrenämtern zu tun haben: „Wir finden für jeden eine Aufgabe.“

 
 
- Anzeige -