Das erste, was bei diesem Boden auffällt, sind – neben den überall wuchernden Amaranth-Ruten, die dunkelbraun-vertrocknet in die Höhe ragen, Steine. „Auf diesem Grundstück kann derzeit nichts wachsen, schauen Sie sich doch nur mal den Untergrund mit dem ganzen Kiesel an“, sagt Ulrich Benz, und seine Schwester Adelheid pflichtet ihm bei.
Sachsenheim „Hier gedeiht aktuell nichts“
Beim Bau der SEL-Gastrasse werden zwei Privatgrundstücke tangiert und qualitativ unzureichend wiederaufgefüllt. Die Eigentümer sind sauer.
Das Geschwisterpaar hat vor vielen Jahren im Gewann „Eichwald“, dort, wo die Straße bergab nach Oberriexingen führt, zwei Grundstücke geerbt – eine Wiese, deren Drusch zu Heu verarbeitet und als Tierfutter weiterverwendet wird, und eine Streuobstwiese. Daher hatten sich die beiden auch nichts gedacht, als es vor einigen Jahren hieß, dass die beiden Grundstücke die Gastrasse der SEL tangieren würde, denn die Gewerke sollten ja mittels Untertunnelung vonstatten gehen. Nun, einige Jahre und viele Mails und Telefonate mit dem Betreiber Terranets BW, einer Tochtergesellschaft der EnBW, später sind Adelheid und Ulrich Benz ernüchtert.
Trassenverlauf wurde geändert
Denn nicht nur der Boden sei aus ihrer Sicht nicht mehr mit der hohen ursprünglichen Qualität zu vergleichen, sondern auch der veränderte Trassenlauf hätte Teile der benachbarten Streuobstwiese schlicht unbewirtschaftbar gemacht. Ulrich Benz: „Zunächst hätte die Trasse gänzlich durch den Wald geführt werden sollen, was aber, so kann ich mir denken, dem Betreiber zu teuer gekommen wäre.“ Also habe man einen Teil der Gasleitung neben dem kleinen Forst vorbeigeführt, was wiederum für Benz bedeutet habe, dass in diesem Bereich künftig der störenden Wurzeln wegen keine Bäume mehr gepflanzt werden dürften.
Und eine Streuobstwiese ohne Bäume mache nun einmal keinen Sinn: „Das Grundstück ist somit wertlos, nur weil hier Geld gespart wurde, schauen wir in die Röhre“, sagt Adelheid Benz. Was ihre Wiese, die, wie erwähnt, auch schon wesentlich bessere Tage gesehen hat, anbelangt, so ist seit Jahren kein Heu mehr gemacht worden: „Uns entgehen wegen des schlechten Ersatzbodens nun schon im sechsten Jahr Pachteinnahmen, hier wächst seit der Wiederauffüllung nur noch Unkraut“, sagt Ulrich Benz. Die Mängelbeseitigung, respektive die Wiederherstellung des Bodens nach Abschluss der Bauarbeiten war von Terranets BW zugesagt und auch in die Realität umgesetzt worden, doch habe man hier einige Mängel bei der Durchführung bemerkt, denn wertvoller Mutterboden sei einfach mit Kies- und Gesteinsschichten vermischt und zudem ungeeignetes Saatgut verwendet worden.
Dritter Leidtragender in diesem Fall ist Tim Lösch, der von den Benz die Wiese schon lange gepachtet und dort Jahr für Jahr sein Heu gemacht habe, was aber zunächst durch die Bauarbeiten und hernach, durch die laut Ulrich Benz nur unzureichende, da fehlerhafte Wiederherstellung des Bodens durch ein von Terranets BW betrautes Gartenbauunternehmen bislang nicht mehr möglich gewesen sei. Lösch: „Ich kann nun schon im sechsten Jahr in Folge kein Heu ernten, was bedeutet, dass mir Einnahmen entgangen sind“. Für eine Bewirtschaftung sei der Boden in seinem Ist-Zustand nicht geeignet, sagt Lösch und fügt hinzu: „Eine Bearbeitung mit Mähmaschine und Heuwender ist nicht möglich, da die Steine in die Maschinen gelangen und diese beschädigen, die Steine werden durch die maschinelle Bearbeitung aufgeschleudert. Die Messer der Mähwerke werden früher stumpf, Zinken von Heuwender und Heuschwader brechen. So kann ich nicht arbeiten.“
3000 Euro an Ernteausfall
Der Landwirt aus Sachsenheim beziffert den Ausfall mit etwa 3000 Euro. Freilich, betonen Adelheid und Ulrich Benz, habe man wiederholt den Kontakt zu Terranets BW gesucht, via Mails und Telefonaten, doch seien die Ansinnen auf Wiederherstellen der alten Bodenstruktur ins Leere gelaufen, der zuständige Sacharbeiter habe sie vertröstet oder sei erst gar nicht erreichbar gewesen. Dabei brauche es nicht viel, um die Wiese wieder urbar zu machen: „Eine Auffüllung mit wertvollem Mutterbodenmaterial würde das Problem mit den anderen Maßnahmen zusammen lösen“, sagt Ulrich Benz.
Auf Anfrage der BZ betont Pressereferentin Nadine Leiker von Terranets BW, dass es ihrem Unternehmen wichtig sei, „dass kein vom Bau Betroffener schlechter gestellt werden soll als vor dem Bau. Daher entschädigt unser Unternehmen alle im Zusammenhang mit dem Leitungsbau entstehenden Schäden“ – dazu zählten auch Pacht- und Ernteausfälle. Alle Flächen würden stets nach Abschluss der Baumaßnahme fachgerecht und gewissenhaft rekultiviert. Im vorliegenden Fall, so Leiker, sei es zu Unstimmigkeiten gekommen, dies habe man darauf zurückzuführen, „dass wir unserem Anspruch, Anliegen zeitnah mit Eigentümern und Bewirtschaftern zu klären, nicht gerecht geworden sind.“ Man habe witterungsbedingte Anpassungen am Ablauf der Rekultivierung vornehmen müssen, um Böden zu schützen. Auf Grund der feuchten Witterung in den vergangenen beiden Monaten habe man – trotz vorheriger Zusage – bis dato keine weiterführenden Rekultivierungsarbeiten durchführen können.
Leiker: „Unser Ziel ist es, die betroffenen Flächen zeitnah angemessen zu rekultivieren und eine individuelle Lösung zu finden, die den spezifischen Bedingungen der Beteiligten gerecht wird.“ Bei anhaltender trockener Witterung würden die Arbeiten wieder aufgenommen. Man strebe eine zügige Klärung für alle Beteiligten an und werde das weitere Prozedere im direkten Kontakt mit den Grundstückseigentümern klären.
