Sachsenheim Hilfe vor Ort für die Menschen in Not

Von mh
Die Sozialpädagogin Jana Ruhl (links) und die studentische Praktikantin Tanja Schwarz in einer nachgestellten typischen Beratungssituation Foto: /Diakonische Bezirksstelle

Einblick in eine ganz normale Sprechstunde bei der Sozial- und Lebensberatung bei der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen, die von der BZ-Aktion Menschen in Not unterstützt wird.

Die Diakonische Bezirksstelle Vaihingen, auch für für den Bereich Sachsenheim, Sersheim und Unterriexingen zuständig, hilft seit nunmehr 45 Jahren unbürokratisch und professionell Menschen in Krisensituationen. Hier ein kleiner Einblick in den Alltag einer Mitarbeiterin der Diakonischen Bezirksstelle, der zeigt, wie dort Menschen in Not, unabhängig von deren Herkunft oder Konfession, auch dank den Spenden der BZ-Aktion geholfen wird.

Andrang bei offener Sprechstunde

Donnerstagmorgen 9 Uhr: Im Flur der Diakonischen Bezirksstelle, der eigentlich nur ein etwas größerer Treppenabsatz ist, stehen völlig unterschiedliche Menschen, darunter auch einige Kinder. Zur offenen Sprechstunde benötigt man keinen Termin, jedoch stehen nur sechs Beratungsplätze und zwei Sozialarbeiterinnen zur Verfügung. Jetzt werden die Nummern ausgegeben. Wie fast immer sind mehr Menschen da, als Plätze frei sind. Dann verweisen wir auf die nächste Sprechstunde.

Mit Formularen überfordert

Es geht los: Eine Frau mit zwei kleinen Kindern. Sie hat einen Stapel ungeöffneter Briefe in einer Plastiktüte dabei. Sie spricht nur wenig Deutsch, wir kommunizieren auf Englisch.

Der erste Brief ist ein Schreiben vom Jobcenter. Der Bürgergeldantrag läuft aus, Frau O. muss einen Weiterbewilligungsantrag stellen. Gemeinsam mit ihr fülle ich diesen aus, die fehlenden Unterlagen muss Frau O. noch zusammenstellen. Im Beratungszimmer geht es turbulent zu, denn für die beiden Kinder ist die Situation trotz Spielsachen langweilig. Nach dem Antrag kommen noch weitere wichtige Briefe und Formulare zum Vorschein, welche dringend an diesem Termin bearbeitet werden müssen. Die Stromschulden brennen besonders, da der Energieversorger mit der Abschaltung droht. Die Kinder benötigen dringend Winterschuhe – ich verweise Frau O. auf unsere Kleiderkammer. Die Zeit rast, trotzdem versuchen wir alles adäquat zu bearbeiten.

Familie steht völlig mittellos da

Ohne Pause geht es weiter: Herr F. ist erst seit wenigen Tagen in Deutschland. Er ist zusammen mit seiner Familie aus der Ukraine geflüchtet. Da der Bürgergeldantrag noch in Bearbeitung ist, steht seine fünfköpfige Familie jetzt mittellos da.

Herr F. ist sehr verzweifelt- der Kühlschrank ist leer, zudem sollen seine Kinder ab nächster Woche zur Schule gehen und haben keine Materialien. Ein kurzes Telefonat mit der zuständigen Sachbearbeiterin des Jobcenters klärt: Der Antrag ist in Bearbeitung, Bürgergeld wird in der nächsten Woche ausbezahlt.

Wir überbrücken die Zeit und zahlen der Familie eine Nothilfe aus, damit sie sich die dringend benötigten Dinge kaufen kann. Herr F. möchte gerne mit seiner Familie aus der städtischen Unterkunft ausziehen. Er benötige Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung. Ich gebe ihm einen Termin bei unserer Ausfüllhilfe freitagvormittags.

Erste Hilfe bei Trennung

Die dritte Klientin betritt aufgeregt das Büro. Sie hat von einer Bekannten erfahren, dass ihr in der Diakonie geholfen wird. Sie möchte sich von ihrem Mann trennen und hat große Angst.

Sie benötigt Hilfe und Unterstützung auch in Bezug auf den Umgang mit ihren Kindern. Sie sorgt sich um ihre finanzielle Lage, denn wegen der Kinder hat sie lange nicht gearbeitet und sie befürchtet, ihr Mann könne ihr die Kinder einfach wegnehmen. Ich gebe ihr einen Termin in der Rechtsberatung, damit sie sich über das Thema Trennung informieren kann und einen weiteren in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, bei der sie über ihre Situation sprechen und Lösungswege finden kann.

Jetzt ist der Vormittag vorüber. Auch die Kollegin hat in dieser Zeit drei Menschen weitergeholfen. Von Mietschulden über den Wohngeldantrag bis zu Asylrechtsfragen war heute wieder alles dabei, schildert die Mitarbeiterin der Diakonischen Bezirksstelle eine ganz normale Sprechstunden in der Sozial- und Lebensberatung. Am Montagmittag, 13.30 Uhr, ist die nächste Sprechstunde. mh

 
 
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