Sachsenheim „Ich war immer gerne Lehrer“

Von Michaela Glemser
Für ihren Schulleiter Rainer Graef, der bald in den Ruhestand geht, gibt es schon einmal Applaus von Schülern der 8. Klasse, bevor die große Abschiedssause dann am 24. Juli steigt. Foto: /Martin Kalb

Der Schulleiter der Kirbachschule, Rainer Graef, geht nach über 34 Jahren in den Ruhestand.

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uf seinem Schreibtisch mit Blick auf den Schulweinberg der Kirbachschule liegen die Einladungskarten für seine große Abschiedsfeier am 24. Juli dieses Jahres. Rainer Graef genießt noch einmal die letzten Arbeitstage in seinem Schulleiterbüro im ersten Stock und vor allem in den Klassenzimmern. „Am liebsten war und bin ich immer noch Lehrer und im Unterricht in den Klassen. Daher habe ich mich auch so lange gegen eine Schulleiterposition gewehrt“, erinnert sich Graef.

Beginn an der „Schule am Sand“

An der „Schule im Sand“ hat er einst sein Referendariat als Grundschullehrer absolviert und schon in seinen Anfangsjahren besonders durch Musik und Bewegung einen leichten Zugang zu den Schülern gefunden. „Ich habe im Religionsunterricht viel mit den Kindern gesungen und konnte meine Vorstellungen sowie Ideen in den Schulalltag einbringen. Schon damals war es mein Ziel, dass ich versucht habe, die Schule immer besser zu machen und weiterzuentwickeln“, betont Graef, der insgesamt 13,5 Jahre an der „Schule im Sand“ war und dort die Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen gesucht und bereits erste Sporttage veranstaltet hat. Sein damaliger Chef, Schulleiter Günther Hock, hielt große Stücke auf ihn und dies sprach sich schnell herum, sodass Graef mehrere Konrektorenstellen an anderen Schulen im Landkreis Ludwigsburg angeboten wurden.

„Doch ich wollte Lehrer sein und weiterhin mit meinem Fahrrad täglich von Sachsenheim durch das idyllische Mettertal zur Schule radeln können“, erzählt Graef. Allerdings ließ er sich schließlich doch dazu überreden, an einer Fortbildung unter dem vielversprechenden Motto „Lust auf Führung“ teilzunehmen. Am Ende dieser Fortbildung wurden unterschiedliche offene Führungsstellen vorgestellt. Dabei auch die Stelle des Stellvertretenden Schulleiters an der Kirbachschule in Hohenhaslach.

„Dort hatte ich während meines Studiums ein Praktikum gemacht. Schon damals hatte mich diese Schule begeistert und ich habe mir gedacht, wenn ich einmal die Chance haben sollte, an der Kirbachschule als Lehrer tätig zu sein, werde ich es machen“, berichtet Graef. Seit 2005 radelt er nun jeden Morgen von Großsachsenheim aus durch den Wald nach Hohenhaslach und hat es bisher keinen einzigen Tag bereut. Schon von Beginn an bildete Graef mit dem damaligen Schulleiter Eginhard Fernow ein optimales Team, das sich perfekt ergänzte. Während Fernow sich vor allem um die Hauptschule und deren Weiterentwicklung zur Werkrealschule kümmerte, machte sich Graef für das Profil einer bewegungsfreundlichen Schule stark und begann die Arbeit mit individualisierten Wochenplänen für die einzelnen Schüler im Unterrichtsalltag. Und auch das Bemühen, die Schüler individuell zu fördern und sie nicht nur nach Noten zu beurteilen, hatte Erfolg (siehe Infokasten). Dies sprach sich bis ins Kultusministerium nach Stuttgart herum, denn immer wieder besuchten von dort Delegationen die Kirbachschule. 2015 schließlich ging Rektor Fernow in den Ruhestand und Graef zögerte wiederum, den vakanten Posten anzunehmen. „Aber das Kollegium hat mich so unterstützt, dass ich dachte, jetzt ist es an der Zeit. Außerdem ging es darum, die Sekundarstufe an der Kirbachschule zu bewahren“, erklärt Graef.

Es gelang ihm, Bildungspartnerschaften mit in der Region und in Sachsenheim ansässigen Firmen zu erzielen und die Clubstruktur an den Nachmittagen in Zusammenarbeit mit den Vereinen und ehrenamtlichen Jugendbegleitern aus der Taufe zu heben. Doch für den Kampf um die Sekundarstufe an der Kirbachschule brauchte Graef einen langen Atem, denn als die Werkrealschule abgeschafft wurde, galt es erneut nach Lösungen zu suchen. „Niemand von uns hat jemals daran gedacht, die Sekundarstufe gänzlich aufzugeben“, stellt Graef klar. Im Februar 2025 schließlich durfte er gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Bildungsministerin Theresa Schopper die Wilhelm-Hauff-Realschule in Pfullingen besuchen.

Wendepunkt in Pfullingen

„Dies war für mich der Wendepunkt in der Diskussion um die Sekundarstufe. Dort gab es 100 außerschulische Partner, auch eine Art Clubbereich und noch vieles mehr. Diese Realschule hat sich in alle Bereiche geöffnet. Ich war begeistert und konnte damit meine Kollegen anstecken“, erzählt Graef, der so die Initialzündung für die neue Realschule ab dem kommenden Schuljahr gab,

Der 62-jährige freut sich künftig darauf, selbst über seine Zeit bestimmen zu können, noch mehr Musik zu machen und mit seiner Frau im VW-Bus die Welt zu erkunden. „Ich wünsche der Kirbachschule, dass sie weiterhin ein besonderer Lernort bleibt, an der mit Freude und gegenseitiger Wertschätzung gelernt und unterrichtet wird.“

 
 
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