Sachsenheim In Häfnerhaslach regieren jetzt die Hexen

Von Michaela Glemser
Mit Schlips und Schlüssel: Hexen schnappten sich den Sachsenheimer Bürgermeister Holger Albrich. Foto: /Martin Kalb

Närrische Weiber lesen Bürgermeister Holger Albrich am Schmotzigen Donnerstag die Leviten.

Endlich hallte der Ruf „Spatza fliega, Spatza fliega, Spatza fliega fort“ von der Verwaltungsstelle wieder durch ganz Häfnerhaslach. Zuletzt musste sich Bürgermeister Holger Albrich im Jahr 2020 vor dem Narrengericht der närrischen Hexen und Zigeunerinnen der Frauengymnastik-Gruppe des TSV Häfnerhaslach verantworten.

„Es ist so schön, euch nach so langer Zeit wieder zu sehen“, begrüßte Obernärrin Martina Schantel die zahlreichen Besucher am Nachmittag an der Verwaltungsstelle. Zuvor waren die Frauen mit ihren Leiterwägen durch den Ort gezogen, um Berliner, Putzlappen und Blumen zur verkaufen.

Schultes als „Festochs“ gelobt

Bürgermeister Albrich hatte sich in die Verwaltungsstelle zurückgezogen und grüßte aus dem Fenster im Obergeschoss die Narrenschar. „Unser Büttel schaut von ganz oben, aber wir können ihn nicht immer loben“, mahnte Schantel und ließ den ersten Punkt des närrischen Strafgerichts folgen: „Die Straßenlaternen leuchten im Neubaugebiet orangegrell für wen oder was, vielleicht gar für Fuchs oder Has?“ Auch den Dauerbrenner „Sanierung des maroden Jagdhäusles“ erwähnte Schantel in ihrer Strafrede. „Jetzt zahlt doch die 50 000 Euro und seid nicht schwach, das ist Kultur, gebt euch einen Ruck, wir trinken auch darauf einen Schluck“, forderte Schantel Bürgermeister Albrich auf. Natürlich kam auch das neugestalteten und in der Öffentlichkeit umstrittene Bacheinlaufbecken in Häfnerhaslach zur Sprache. Schantel schlug vor, die Hochwasserschutzmaßnahme künftig als Schwimmbad mit Strand und Cocktails zu nutzen. Die dringend notwendige Sanierung der Kreisstraße zwischen dem Kirbachhof und Häfnerhaslach war ein weiterer Punkt für die Anklage des Schultes, dem die närrischen Frauen zugutehielten, dass er ein echter „Festochs“ sei und feiern könne.

Schlips ab – Kappe auf

Doch es half nichts, an der Krawatte wurde Albrich von den Hexen und Zigeunerinnen aus der Verwaltungsstelle gezogen, wo ihm nicht nur der Schlips nur gekürzt wurde, sondern er auch mit knallroter Narrenkappe, Narrenschürze und Halstuch ausgestattet wurde. Den Schlüssel zur Verwaltungsstelle übernahm Chefnärrin Martina Schantel, die nun bis Aschermittwoch die Regentschaft in Häfnerhaslach führt. „Schultes, du bist jetzt entmachtet, und wir werden realisieren, was du nicht zustande gebracht hast“, stellte die Neue klar.

Albrich ließ sich das gerne gefallen und reimte: „Als Bürgermeister lass ich mich nun entthronen, der Gemeinderat ist der Meinung, das muss sich doch auch mal lohnen. Ihr Weiber habt es nun in der Hand, doch wird’s Euch zu viel, dann komm ich zurück ins Sachsenheimer Land.“

Albrich musste sich anschließend mit Ortsvorsteherin Claudia Volk in einem Quiz bewähren und stellte dabei fest, dass er noch einige Wissenslücken über Häfnerhaslach schließen muss. Zum Bespiel war ihm entfallen, dass die Häfnerhalle unbedingt eine moderne, behindertengerechte Toilette benötigt und dass die Beleuchtung der Halle schon längst auf LED-Technik umgestellt worden war.

Gelegenheit, seinen Erfahrungsschatz über den Kirbachtalort zu erweitern, hat Albrich künftig genug, denn die närrischen Frauen haben extra für ihn ein Geschichtsbuch über Häfnerhaslach in der Stadtbibliothek ausgeliehen. „Da hast du noch mehr zum Auswendiglernen“, empfahl ihm Schantel. Nach einem gemütlichen Beisammensein an und in der Verwaltungsstelle wurde der Schmotzige Donnerstag noch in einer örtlichen Besenwirtschaft ausgiebig und ausgelassen gefeiert, denn endlich tönte es wieder: „Spatza fliega, Spatza fliega, Spatza fliega fort!“. Michaela Glemser

 
 
- Anzeige -