Gewiss gibt es weitaus größere Freibäder als jenes im Herzen von Großsachsenheim. Aber welche andere Badeanstalt in der Region, in ganz Deutschland gar, kann schon von sich behaupten, dass der Ein- und Ausgang durch einen mehrere Jahrhunderte alten, rund fünf Meter hohen Sandsteinbogen mit zwei massiven schmiedeeisernen Flügeltüren führt? Hat man dieses historische Bauwerk, das Teil der Schlossmauer ist, passiert, geht es allerdings auch hier freilich eher bürgerlich zu.
Sachsenheim Klar Schiff im und am Becken
Bevor am 14. Mai die Badesaison beginnt, müssen im Schlossfreibad noch einige vorbereitende Arbeiten getätigt werden.
Ein Freibad in Reinform
Das Schlossfreibad, in den Nachkriegsjahren erbaut und seit über 20 Jahren in der Obhut des Trägervereins, gibt sich nach über 70 Jahren eher schwäbisch-bescheiden – und ist dennoch (oder gerade deshalb) ein beliebtes Kleinod, um welches die Sachsenheimer beneidet werden. „Ja, unser Bad ist eine Oase für all jene, die Entspannung suchen“, sagt Nicole Klingler vom Vorstand, mit der und deren Kollegen Holger Vogt sich die BZ getroffen hat. „Action“ durch ein Wellenbecken, scheinbar nicht enden wollende Rutschen oder anderen Chi-Chi sucht man hier vergeblich. Statt dessen – Freibadatmosphäre pur, gerade so, wie sie vor 60 und mehr Jahren landauf, landab Brauch war. Ein Hauch von Nostalgie kann hier also geatmet werden, auch wenn das „Bädle“ durchaus mit der Zeit geht.
„Hier im Eingangsbereich haben wir im vorigen Jahr einen barrierefreien Aufgang für unsere Badegäste, die auf eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl angewiesen sind, in Eigenregie vollendet“, zeigt Klingler stolz auf die Rampe. Auch junge Familien mit Kinder- und/oder Bollerwagen profitieren vom erleichterten Zugang. „Wir sind froh“, sagt auch Holger Vogt, „dass sich in unseren Reihen Fachleute sämtlicher Gewerke finden, das spart dadurch, dass hier Profis zu Gange sind, auch viel Geld.“ Zudem werde, wenn Arbeiten anstünden – und in einem Bad stehen diese regelmäßig an – oftmals Materialspenden abgeliefert von Gönnern, Freunden des Bads und anderen großzügigen Zeitgenossen, die die beliebte Freizeiteinrichtung unterstützen wollen.
„Wir sind ein Trägerverein“, betont Klingler, „das bedeutet, wird unterstützen nicht nur das Bad, wie es schon in Vaihingen oder ganz neu jetzt auch in Bönnigheim der Fall ist, sondern der Betrieb obliegt uns zur Gänze.“
Neben dem ehrenamtlichen Engagement, den vielen Arbeitsstunden, die notwendig sind, kann und muss man auch auf die Mithilfe städtischer Angestellter, Stichwort Schwimmgastbetreuung durch Schwimmmeister und ähnlichen Berufen, zurückgreifen. „Da haben wir eine ganz tolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung,“ lobt Nicole Klingler, „wir haben zwar die ganze betriebswirtschaftliche Last zu tragen, aber die Stadt hängt auch mit drin“, und so habe man mit Kämmerer Sven Roller einen kompetenten Ansprechpartner, auf den stets Verlass sei. Anders sei ein solches Bad nicht zu tragen, denn der Verein lebe vor allem von den Mitgliedsbeiträgen und könne nur durch – und hier tritt erneut die Stadt in Erscheinung – Vereinsfördermittel und eben durch Spenden seine Arbeit verrichten.
Auf Spenden angewiesen
Stichwort Spenden – ohne diese gebe es das bei den Kindern so heiß geliebte Spielschiff inmitten des westlichen Teils der Liegewiese nicht. „26.000 Euro hat es uns gekostet, alleine hätten wir das im Verein niemals wuppen können,“ sagt Vogt. Durch Eigenmittel hingegen habe man die Schaukeln anschaffen können, ganz aktuell sei nun, als nächste Investition, die Anschaffung von drei neuen Tischtennisplatten geplant. „Hier sind wir der Sachsenheimer Bürgerstiftung sehr dankbar, denn ohne deren Zuwendung müssten wir mit den alten Platten vorlieb nehmen, die jedoch sichtbar in die Jahre gekommen sind“, sagt Klingler.
Der Traum vom Edelstahlbecken
Zwar habe sich der Trägerverein im bundesweiten SKS-Programm, welches sich die Unterstützung der Sanierung kommunaler Sportstätten auf die Fahnen geschrieben hat und diese aus einem rund 300 Millionen Euro starken Topf fördern wird, beworben. „Doch das tatsächliche Fördervolumen müsste, wenn alle Antragssteller berücksichtigt werden würden“, weiß Vogt, „mehrere Milliarden Euro betragen.“
Daher hoffe man zwar, berücksichtigt zu werden, habe aber angesichts der Fülle der Mitbewerber nur wenig Hoffnung auf die von ihnen gewünschte Summe von zwei Millionen Euro: „Bei einer Zusage könnten wir unsere Photovoltaikanlage weiter ausbauen und der Traum, das gesamte Sportbecken endlich mit Edelstahl auszukleiden, würde sich auch erfüllen.“ Und so verfolge man bis dahin, eben schwäbisch-bescheiden, den Weg der machbaren Schritte.
Bis das „Bädle“ am 14. Mai öffnet, wird noch einiges zu tun sein. Im Becken muss der Boden auf Vordermann gebracht und einzelnes, schadhaft gewordenes Fliesenmaterial ausgetauscht und noch an der einen oder anderen Ecke geputzt oder nachgebessert werden. Das Schlossfreibad mag im Vergleich mit anderen Bädern zwar klein sein, aber an Arbeit wird es auch hier künftig nicht mangeln.
