Sachsenheim Krach um gespendete Gerätschaften

Von Martin Hein
Am 13. Februar wurden die Gerätschaften aus dem Werkraum der Realschule verladen und abtransportiert. Nun kam der Verdacht auf, dass einiges noch hätte genutzt werden können. Foto: /GAW

Gerätschaften der Realschule wurden aussortiert und in die Ukraine gegeben. Womöglich hätte einiges weiterverwendet werden können. Daran entzündete sich ein verbaler Schlagabtausch.

Der Werkraum der Realschule soll bekanntlich neu ausgestattet werden. Was mit den alten Werkbänken, Werkzeug und Maschinen passieren soll, war rasch klar. Dies alles wurde als Schenkung dem Gustav-Adolf-Werk für die Ukraine gespendet.

Dies hat der Sachsenheimer Gemeinderat in der Sitzung am 5. Oktober beschlossen. Am Dienstag, 13. Februar wurden die Werkbänke, diverses Werkzeug wie Feilen, Schraubenschlüssel, Bohrmaschinen und auch Staubsauger und dergleichen verladen und in die Ukraine transportiert.

Zu gutes Werkzeug weggegeben?

Nun kam der Verdacht auf, dass einige Gerätschaften davon hätten weitergenutzt werden können. Gemeinderat Günter Dick (GLS) stellte im Technischen Ausschuss die Frage, ob die gespendeten Gerätschaften teilweise womöglich als Spende in einem viel zu guten Zustand waren. Inga Mollerus, Fachbereichsleitung Verwaltung und Teamleitung zentraler Service antwortete darauf, dass die Sicherheit im Technikraum nicht mehr gegeben war. Sicherheitsstandards hätten nicht mehr eingehalten werden können. Mollerus bezog sich dabei auf Werkbänke, Maschinen und Werkzeug. Prüfungen in der zehnten Klasse der Realschule, die im Werkraum stattfinden, wären mit den vorhandenen Maschinen und Materialien nicht mehr möglich gewesen. Die Fachlehrer hätten die Werkzeuge geprüft. Für Hobby-Handwerker wären diese eventuell noch gut genug gewesen, jedoch nicht für die Schule.

„Das ist Verschwendung“

„Das bezweifle ich“, konterte Günter Dick, er habe damit gerechnet, dass man sich bei Feilen und elektrischen Geräten auf die Sicherheit herausrede. Dass es eine vollständige Neuausstattung sein muss, verstehe er nicht. Dick forderte, dass der Gemeinderat so etwas künftig in Augenschein nehme, „das ist Verschwendung“, brachte es der GLS-Stadtrat auf den Punkt.

Um zu belegen, wie marode das Werkzeug war, zitierte Inga Mollerus, dass Griffe sich von Sägen und Feilen ablösten und nicht mehr befestigt werden konnten. Thomas Wörner (GLS) warf ein, dass mancher Betrieb froh wäre, wenn er so gute Maschinen hätte, wie die, die man weggegeben habe und verwies auf Fotos der abgegebenen Gerätschaften.

Nun meldete sich der Ochsenbacher Ortsvorsteher Dieter Baum, zugleich auch im Gustav-Adolf-Werk aktiv. Er sei beim Verladen nachdenklich gewesen, man hätte nicht alles weggeben müssen, einige Werkbänke seien teilweise sehr abgenutzt gewesen, nichtsdestotrotz - „wir werfen zu viel weg“, aber – in der Ukraine habe man sich gefreut und für die Spende bedankt.

Gutachten gefordert

Hugo Ulmer (CDU) fragte nach der Außenwirkung, „was denken die Leute, was wir alles wegwerfen?“. Aus der Mitte des Gremiums kam die Aufforderung, in solchen Fällen Gutachten zu erstellen. Bürgermeister Holger Albrich erwiderte, man habe anderes zu tun, als Gutachten zu machen, und man werfe der Verwaltung vor, sie würde ihren Job nicht richtig machen, „wo sind wir denn hier?“. Hugo Ulmer befand beim Anblick der Fotos, dass die aussortierten Gerätschaften nur teilweise schlecht waren. Inga Mollerus wies darauf hin, dass die Schule aussortiert hat. Man müsse darauf vertrauen, dass die zuständigen Lehrer richtig aussortiert haben. Karl Willig (FDP) erläuterte, dass er beim Verladen der Gerätschaften mitgeholfen hat und bestätigte, „Feilen waren wie neu“, die Bandsäge und Ständerbohrmaschinen waren alle in gutem Zustand.

Hans-Günter Neumann meinte dazu: „Das hat alles ein gewaltiges Gschmäckle!“ und wies darauf hin, dass man für die Neuanschaffung rund 220 000 Euro ausgebe. Günter Dick sagte: „Dies soll Anlass sein, zu hinterfragen, ob wir alle richtig vorgehen“, es dürfe so nicht weitergehen. Man werde der Verwaltung weiter auf die Finger sehen. Dirk Reiber (SPD) versuchte die Emotionen wieder einzufangen und sagte an die Mitglieder des Technischen Ausschusses gewandt: „Ich bin inhaltlich bei euch allen“; er wolle jedoch künftig nicht alles kontrollieren. Man müsse der Verwaltung Vertrauen geben und forderte diese auf: „Schauen sie künftig drauf“.

 
 
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