Sachsenheim Landschaftspflege im Fokus

Von Markus Wirth
Der Hof von Jasmin und Stefan Weißschuh ist einer der letzten Milchviehbetriebe im Kirbachtal. In anderen Teilorten von Sachsenheim gibt es solche Landwirtschaft schon längst nicht mehr Foto: /Oliver Bürkle

In Sachsenheim gibt es lediglich noch drei landwirtschaftliche Betriebe mit Milchviehhaltung – einer davon ist der von Jasmin und Stefan Weißschuh.

Das Kirbachtal ist von idyllischer Schönheit und gibt auch heute noch das stimmige Bild eines gewachsenen, alten und fruchtbaren Bauernlands ab. Ganz hinten, wo sich das Tal mehr und mehr verjüngt und Weinberge sich mit Wiesen und Wäldern abwechseln, ist die Familie Weißschuh zu Hause. Seit Generationen bestellt diese ihre Äcker, baut Getreide und Kartoffeln an und hält Milchvieh. Wenn auch als einer der letzten Vollerwerbsbetriebe in ganz Sachsenheim.

„Wir sind auch einer der wenigen Betriebe, die noch Milchvieh halten“, sagt Stefan Weißschuh und nennt als weitere Kollegen Erich und Martin Weiberle, die ebenfalls noch an Kühen, teilweise mit Weidehaltung, festhalten. Die Landwirtschaft an sich und eben speziell im Kirbachtal war und ist einem radikalen Strukturwandel unterworfen, und dies seit vielen Jahren schon, wie Weißschuh zu berichten weiß: „Die Betriebe, so sie wirtschaftlich arbeiten sollen, werden immer größer, mit immer höherem Viehbestand und mehr Wirtschaftsflächen.“

Dem Strukturwandel unterworfen

Der 55-Jährige erinnert sich noch daran, wie allein im kleinen Örtchen Häfnerhaslach, an dessen westlichem Ende sich sein Hof befindet, vor wenigen Jahrzehnten noch hunderte Menschen von der Landwirtschaft lebten.

Freilich seien die Betriebe im Vergleich wesentlich kleiner gewesen, doch er weiß noch, dass es zu den Terminen der Milchabholung vor dem Milchhäusle einen wahren Andrang der Kollegen seines Großvaters und Vaters gegeben hatte. Die Milch sei dann in Pforzheim oder Heilbronn abgeliefert worden, heute komme der Milchtanklastzug alle zwei Tage, die Milch der Kühe von Jasmin und Stefan Weißschuh werden schon seit einigen Jahren bei der genossenschaftlich organisierten Schwarzwaldmilch in Freiburg verarbeitet.

Dass ihr Betrieb mit den 35 Milchkühen – im Vergleich ist das relativ wenig – und weiteren etwa 30 Jungrindern überhaupt existieren kann, liegt einerseits an der dünnen Personaldecke. „Den Hof bewirtschaften lediglich meine Frau und ich“, sagt Weißschuh, das halte die Personalkosten gering, das Futter stamme von den eigenen Wiesen und Feldern, so baue er neben Heu auch Futtermais und Gerste an. So komme man einigermaßen über die Runden.

Weiter helfe dabei, dass man mitten im „Natura-2000“-Gebiet Stromberg-Heuchelberg liege, laut Weißschuh „dem zweitgrößten im Land“. Deshalb habe man auch hin und wieder Fördermittel erhalten. „Das war aber immer nur zu Beginn der jeweiligen neuen Auflagen“, heutzutage müsse man selbst schauen, wo man bleibe. Seine Frau Jasmin sagt deshalb auch: „Wir sind die letzten Landwirte hier im Gebiet, und deshalb müssen und wollen wir uns mehr Gehör verschaffen.“ Denn der Politik in Berlin sei das Kirbachtal nicht geläufig, und doch werde hier nicht nur Landwirtschaft per se, sondern auch Landschaftspflege betrieben. „Sehen Sie, eine Kuh ist nicht nur ein Lieferant für Milch und Fleisch, sondern auch, indirekt und auch direkt, ein Garant, dass diese Landschaft so erhalten bleibt, wie sie sich aktuell (noch) darstellt“, sagt der Landwirtschaftsmeister.

Der Verbuschung entgegenwirken

Durch die Fruchtfolge auf den Feldern werde die Fertilität des Bodens erhalten, und durch den Anbau von Futterpflanzen dafür Sorge getragen, dass die Fläche nicht zur Brache werde und, wie schon an manchen Stellen im Tal, im Lauf der Jahre des Nichtbewirtschaftens durch Brombeerhecken und Schwarzdorn verbusche.

Auch die Weidehaltung, auch wenn sie bei Weißschuhs eher eine Randnotiz ist, trage dazu bei, „dass es in wenigen Jahren nicht auch so wie hier ausschaut“: Stefan Weißschuh deutet auf den Hang gegenüber des Tals und sagt, dass an dieser Stelle früher Weiden und Streuobstwiesen gewesen seien. „Heute sieht man nur noch Verbuschung und einen jungen Wald“, Landwirtschaft sei hier schon lange nicht mehr möglich. Und so sei es an seinen Kollegen, den Weiberle-Brüdern, und ihm, aber auch an Kollege Hornung, der Schweine hält, dass die landwirtschaftliche Kultur und somit die Bewahrung der Landschaft weiter eine Zukunft habe. Klar gehöre auch ein gewisser Idealismus dazu, gerade auch, wenn es um extensive Landwirtschaft gehe – „wir haben Wiesen, da blühen wundervolle Blumen, da gehen wir mit der Mahd nur zwei Mal im Jahr drüber.“

Aber all das könne in den kommenden Jahren nur gewährleistet und weitergeführt werden, wenn nicht noch mehr Auflagen durch die EU oder die Bundesregierung drohten und vielleicht doch die eine oder andere Fördermaßnahme bewilligt werde. „Ansonsten gibt es auch im Kirbachtal bald keine Landwirtschaft mehr“, sagt Stefan Weißschuh.

 
 
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