Sachsenheim Leistungsdruck oder Bewegungsfreude?

Von Michaela Glemser
Bundesjugendspiele an der Kleinsachsenheimer Grundschule: Die Übung „Schnell laufen“ fand in der Sporthalle statt. Die Schulen in Sachsenheim gehen unterschiedlich mit dem sportlichen Tag um. Foto: /Martin Kalb

So beurteilen Vertreter der Sachsenheimer Schulen die Rückkehr zum klassischen Wettkampf der Bundesjugendspiele. 

Trotz Sommerhitze gaben die Kinder der Grundschule Kleinsachsenheim bei den diesjährigen Bundesjugendspielen im Weitwurf, Weitsprung und im Laufen ihr Bestes. „Wir führen die Bundesjugendspiele wieder mit dem Wettkampfcharakter durch, bei dem die Leistung in den einzelnen Disziplinen ganz genau gemessen wird und entsprechende Punkte vergeben werden“, erklärte Schulleiterin Doris Engelbrecht. Jüngst hatten sich die Mitglieder der Bildungsministerkonferenz der Bundesländer dafür ausgesprochen, die Bundesjugendspiele wieder als klassischen Wettkampf zu veranstalten.

Zuvor Fokus auf Wettbewerb

Seit dem Schuljahr 2023/24 war das geändert worden, denn damals war in den vier Klassen der Grundschulen der Wettbewerbscharakter der Bundesjugendspiele in den Fokus gerückt worden. Statt sekundengenau mit der Stoppuhr die Leistung der Schüler zu bewerten, gab es bestimmte Zonen, in denen Punkte vergeben werden konnten, und die Leistungen der Schüler eines Jahrgangs wurden zueinander in Beziehung gesetzt. „Außerdem erlaubte der Wettbewerb auch unterschiedliche Übungen zu den einzelnen Disziplinen, denn nicht jede Grundschule verfügt über eine Leichtathletikanlage, auf der alle drei Disziplinen der Bundesjugendspiele wettkampfgerecht ausgeübt werden können“, sagte Nicole Ferenz, Sportlehrerin an der Kirbachschule in Hohenhaslach.

Auch Schulleiter Rainer Graef verwies darauf, dass an der Kirbachschule seit über 20 Jahren die Bundesjugendspiele in einen Spiel- und Sporttag eingebettet würden, der Ergebnisse und Erlebnisse mit sich bringe. „Schon immer werden die Leistungen der Erst- und Zweitklässler dabei mit Hilfe von Punktezonen gemessen. Sie strengen sich deshalb aber nicht weniger an, als wenn detailliert mit dem Maßband oder der Stoppuhr vorgegangen wird“, unterstrich Graef. Er möchte, dass alle Schüler Freude und Anerkennung für ihre Leistungen bekommen und neben der Leichtathletik auch eine große Bandbreite an Bewegung und Spiel bei den Sporttagen angeboten wird.

Seine Kollegin Engelbrecht von der Grundschule Kleinsachsenheim sagte, dass an ihrer Schule bei den Bundesjugendspielen im klassischen Wettkampfstil nur bis zu sechs Ehrenurkunden für die besten Sportler eines Jahrgangs vergeben werden, beim Wettbewerbscharakter kommt dagegen ein Drittel eines Jahrgangs in diesen Genuss. Befürworter des Wettkampfs erinnern daran, dass die Schüler auch lernen müssten, mit Niederlagen umzugehen und der Leistungsgedanke bei den Bundesjugendspielen wieder mehr im Vordergrund stehen müsse. Kritiker dagegen stellen klar, dass der Wettkampf im klassischen Sinn bei nicht ganz so sportlichen Kindern zu Frust und Verdruss führen könne.

Schulleiter Graef kann das nachvollziehen. „Keiner soll sich vor dem Tag der Bundesjugendspiele fürchten. Neben der messbaren Leistung muss im Sportunterricht auch die Anstrengungsbereitschaft und das Sozialverhalten eine wichtige Rolle spielen. Die Sportskanonen muss ich aber natürlich in die Vereine bringen“, so Graef.

Dieser Ansicht ist auch Lehrerin Ferenz, die ebenfalls Trainerin bei der LG Neckar-Enz ist und Leistungssportlerin in der Leichtathletik war. „Es gibt immer wieder Kinder, deren sportliches Talent bei den Bundesjugendspielen zutage tritt und denen empfohlen wird, in einem Verein Mitglied zu werden“, berichtete Ferenz. Der Leistungsgedanke werde aber schon ausreichend in der Schule verankert, meinte der Schulleiter der Sachsenheimer Gemeinschaftsschule, Bernhard Dietrich. „Wir führen seit Jahren schon Sporttage mit viel Bewegung und Spaß, aber ohne den klassischen Wettkampfcharakter durch. Zudem gibt es bei uns an der Gemeinschule keine Sportanlage für die ursprünglichen Disziplinen der Bundesjugendspiele, die bei einer fünfzügigen Grundschule enorm viel Zeit in Anspruch nehmen würden“, so Dietrich, der selbst Sportlehrer ist.

Schulen sollen selbst entscheiden

Alle Beteiligten der Sachsenheimer Schulen sprechen sich dafür aus, dass es den Schulen freigestellt werden sollte, ob sie die Bundesjugendspiele künftig als Wettkampf oder lediglich als lockeren Wettbewerb durchführen wollen. Eine verbindliche Entscheidung vom baden-württembergischen Kultusministerium lehnen die befragten Vertreter der lokalen Bildungseinrichtungen ab.

„Vielleicht ist für einige Schulen auch ein Mittelweg am besten, der den Wettkampf in der Leichtathletik mit anderen sportlichen Spielen und Betätigungsmöglichkeiten verbindet“, schlägt Schulleiterin Engelbrecht von der Grundschule Kleinsachsenheim vor, an der die Schüler aufgrund der speziellen Sportzertifizierung auch andere Abzeichen wie ein Laufabzeichen im 60-minütigen Joggen machen können.

 
 
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