Die Innenstadt Großsachsenheims ist sichtlich in die Jahre gekommen und aktuell wenig attraktiv. Leerstände in vielen Ladengeschäften, wenig Aufenthaltsqualität und fehlendes Grün zeigen, dass hier durchaus Luft nach oben ist.
Sachsenheim Mehr Grün und weniger Autos
Wie die 1,5 Millionen Euro für die Sanierung des Innenstadtquartiers investiert werden könnten, zeigten Experten bei der Infoveranstaltung im Kulturhaus.
Das wissen auch Stadtverwaltung und Gemeinderat, und deshalb hat sich die Stadt um eine Aufnahme ins Bundessanierungsprogramm beworben gehabt – mit Erfolg, wie Bürgermeister Holger Albrich am Montagabend im Kulturhaus mitteilte: „Wir haben vor zwei Jahren gleich beim ersten Anlauf die Zusage einer baulichen Förderung erhalten“. So erhalte man 900.000 Euro an Fördergeldern, 600.000 Euro kämen von der Stadtverwaltung als Eigenanteil dazu. Bei einer Informationsveranstaltung über das Sanierungsquartier zwischen Sersheimer Straße, Bahnhofsvorplatz bis hin zum Schlosspark sollten, passend zum bundesweiten „Tag der Städtebauförderung“, Einblicke in die Zukunft gewährt werden, wie Sachsenheims Herz einmal aussehen könnte.
Umfrage per Smartphones
Profunde Referenten stellten Visionen vor, aber auch die Gäste an diesem Abend wurden interaktiv mit einbezogen. „Wir haben die einmalige Chance, die Innenstadt neu zu ordnen und attraktiv zu machen“, sagte der Rathauschef. Freilich sei die Sanierung des Innenstadtbereichs nur eine von vielen Maßnahmen, die man sich auf die Fahnen geschrieben habe, denn auch in den Teilorten werde man zusehen, an Fördergelder zu kommen. Abgeschlossen sein sollten die anstehenden Aufgaben bis 2035, so lange laufe die Förderung, „das ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, wie Albrich betonte.
Christopher King vom Team Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit bezog zunächst die Bürger im Kulturhaus mit ein, indem er sie aufforderte, ihm per Smartphone Stichpunkte zu nennen, wie sie aktuell das Innenstadtquartier sehen würden. Erwartungsgemäß waren die Nennungen wenig schmeichelhaft – so wurde die Innenstadt als „langweilig“, „unattraktiv“, „unmodern“, „80er-Jahre-Architektur“, „wenig los“, „ausbaufähig“ und „Parkplatzmangel“ umschrieben.
Im Zentrum der planerischen, gestalterischen und baulichen Vorhaben und Veränderungen, so King, stünden Zielsetzungen wie der Erhalt und die Stärkung der Funktionalität, die Modernisierung, Umnutzung und/oder Aktivierung der Gebäude auch unter der Prämisse des Denkmalerhalts, zudem die Schaffung und Verbesserung der Aufenthalts- und Begegnungsflächen sowie die Neustrukturierung und Umnutzung leer stehender Räume.
Tanja Ewald von der Stadtverwaltung, Team Stadtentwicklung und Bauen, umriss nochmals die Zahlen des Förderrahmens in Höhe von 1,5 Millionen Euro, „der bis zum Ende des Bewilligungszeitraums am 30. April 2033 gilt“, eine Option auf Verlängerung und Aufstockung der Fördergelder könne jedoch in Aussicht gestellt werden. Ewald betonte, die Fördergelder griffen auch für Privatleute, die ihre Haus sanieren wollten, es gebe aber auch bei einem Abbruch die Möglichkeit gefördert zu werden, außerdem griffen in diesen Fällen auch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten. Beim Gestaltungsleitfaden des Sanierungsgebietes stellte sie insbesondere die Unterthemen Dachlandschaften, Fassadenordnung sowie die Farbgebung und die Wahl der Materialien in den Mittelpunkt. Ein bereits projektiertes Bauvorhaben entstehe im Zuge der Sanierung in der Oberriexinger Straße, dort würden 30 Seniorenwohnungen erstellt werden.
Fokus auf Klimaanpassung
Nicht nur auf der baulichen Verbesserung liege das Hauptaugenmerk der städtebaulichen Förderung, hob auch Julia Hertel vom Team Städtebauförderung hervor, sondern auch das Handlungsfeld Klimaanpassung werde einen starken Fokus erfahren sowie die Bündelung der Mobilität, also weg von der autogerechten Stadt hin zu der Verbindung zwischen ÖPNV und dem Individualverkehr und der Bündelung des ruhenden Verkehrs durch eine Neuordnung der Parkierung. Auch das Wohnen im Kontext mit Einkaufen und Arbeiten innerhalb kurzer Distanzen werde Berücksichtigung finden. Anhand einer Power-Point-Präsentation stellte Andreas Janecki von der Planungsgesellschaft ARP die Visionen eines stärker durchgrünten Innenstadtbereichs mit vier zentralen Plätzen vor. Besonders die Stadteingänge sollten als Visitenkarte durch eine stärkere Begrünung attraktiver gestaltet werden.
„Corporate idendity“ schaffen
Durch einheitliche Pflasterungen und Laternenmodelle etwa solle die Innenstadt Sachsenheims eine „Corporate idendity“ erfahren, und der Bahnhof solle in seiner Ankerfunktion noch gestärkt werden – etwa durch Schaffung eines intermodalen Mobility-Hubs. Entsiegelung der Flächen, die bereits genannte Durchgrünung, kühlende Wasserflächen und energetische Sanierungsmaßnahmen sollten zudem dem Klimaschutz Rechnung tragen, betonte Janecki. Und im Bereich zwischen Sersheimer Straße und der Bahnhofstraße könnte, als Entree zur Stadt, ein kleiner Park geschaffen werden, passend wäre hier zudem ein Café, welches er sich auch im Bereich des Äußeren Schlosshofs gut vorstellen könnte.
Ulrike Fischer, ebenfalls von ARP, lobte bedingt den Ist-Zustand, indem sie dem Schlosshof zwar als schön hervorhob, es aber schade fand, dass dieser mit Autos vollgestellt sei. Als Landschaftsarchitektin störte sie sich an den verschiedenen Straßenbelägen in der Von-Koenig-Straße und in der Brunnengasse, an den oftmals durch Metallgitter eingepferchten Bäumen und an den vielen provisorischen Pollern.
Hier sei einiges zu verbessern, daher sei die Städtebauförderung aber da und werde dafür sorgen, dass die Innenstadt jene Attraktivität bekomme, die sie auch verdiene.
