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Sachsenheim Migration besser verstehen
Ein Begegnungsnachmittag im Kulturhaus bietet neben neuen Kontakten auch einen Stationenlauf mit unterschiedlichen Fragen.
nteressiert liest sich Olena Shkabura die Fragen des „Privilegien-Laufs“ durch. Während Bürgermeister Holger Albrich nahezu jede Frage problemlos mit „Ja“ beantworten kann, fällt es der jungen Frau aus Mariupol in der Ukraine schon bedeutend schwerer. „Ich kann nicht problemlos fünf Jahre im Voraus planen und erhalte auch derzeit keine Wohnung. Zudem kann ich es mir nicht leisten, öfter als einmal im Monat im Restaurant essen zu gehen“, schildert Shkabura, die vor 19 Monaten mit ihrem Sohn Kyrylo nach Deutschland kam und deren Mutter noch in der Ukraine lebt, aber bald nachkommen soll.
„Deutschland ist privilegiert“
„Diese Station macht einem mit ihren verschiedenen Fragen bewusst, wie privilegiert wir eigentlich in Deutschland sind. Es ist wichtig, sich mit dem Thema der Zuwanderung auseinanderzusetzen und dies aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten“, betont Albrich.
Dies war an den Stationen, welche die beiden Sozialarbeiterinnen Melanie Zwiener und Catherina Welker im großen Saal des Kulturhauses aufgebaut hatten, intensiv möglich. Im Zuge der interkulturellen Woche hatten die Vertreter des Kreisdiakonieverbands Ludwigsburg und der Stadt Sachsenheim zu diesem besonderen Begegnungsnachmittag eingeladen. „Wir haben an einer Station Beispielgeschichten von Migranten aufgeschrieben, welche die Besucher lesen können. An einer anderen Station muss überlegt werden, was packe ich in meinen Koffer, wenn ich die Heimat überstürzt verlassen muss und nur fünf Dinge mitnehmen kann“, erläutert Sozialarbeiterin Zwiener, die auch in den Unterkünften der Stadt regelmäßig für Beratungen zur Verfügung steht. Besucher Uwe Langjahr, der selbst lange Jahre im Arbeitskreis Asyl der Stadt mitgewirkt hat, zeigte sich beeindruckt von der Konzeption dieser Stationen.
„Gerade in dieser Zeit ist es so wichtig in Deutschland, sich mit Zuwanderung und Integration intensiv zu beschäftigen und dessen positive Seiten zu erkennen. In Sachsenheim wird viel für die Integration der Migranten mit regelmäßigen Treffen und Veranstaltungen getan“, macht Langjahr deutlich. Dies findet auch Mohammad Sadiq, der aus Afghanistan stammt und schon seit 2021 in Deutschland wohnt.
„Ich finde diesen Begegnungsnachmittag eine ganz tolle Idee, denn Deutschland hat eine multikulturelle Gesellschaft. Der Schlüssel zur Integration ist für mich die Sprache“, stellt der Familienvater von vier Kindern klar, der bereits mehrere Deutschkurse belegt hat und inzwischen die deutsche Sprache sehr gut beherrscht.
In den Unterkünften der Stadt Sachsenheim leben derzeit 263 Migranten, wobei die Zuweisungszahlen, nach Auskunft des Pressesprechers der Stadt, Arved Oestringer, rückläufig sind.
Ehrenamtliche engagieren sich
Die geflüchteten Menschen stammen unter anderem aus unterschiedlichen Ländern Afrikas, Afghanistan, der Ukraine, Pakistan, der Türkei und Russland. Neben der Beratung und Betreuung durch die Sozialarbeiter bieten Ehrenamtliche in der Stadt Sprachkurse an, helfen bei der beruflichen Zukunft und begleiten im Alltag.
„Auch ein monatlich stattfindender ‚Treff für Alle‘ mit mehrsprachigen Vorträgen zu Alltagsthemen wird durch Ehrenamtliche in Sachsenheim organisiert“, unterstreicht Oestringer. Der Integrationsbeauftragte der Stadt, Abdoul-Kawihi Issaka, führt ebenfalls regelmäßig Projekte für Migranten durch und war auch an der Organisation des Begegnungsnachmittags im Kulturhaus federführend beteiligt.
„Ich bin dankbar dafür, dass sich in Sachsenheim so viele Menschen ehrenamtlich für die Migranten einsetzen. Hinter jeder Migration stehen immer Menschen. Das sollte wir nie vergessen“, betont Albrich.
