Aus dem „Sommer am Schloss“ wurden die „Sachsenheimer Schlossnächte“: Mit einer neuen Konzeption wollten die Vertreter der Stadt Sachsenheim, die jetzt hauptverantwortlich für die Veranstaltung ist, die früher der Ortsverband des Bundes der Selbstständigen (BdS) auf die Beine gestellt hatte, mehr Besucherinteresse in die Innenstadt Großsachsenheims ziehen. Allerdings gibt es für die kommenden Jahre noch deutlichen Verbesserungsbedarf, denn beim beworbenen „Late Night Shopping“ am Freitagabend hatte kaum ein Einzelhändler geöffnet, und auch die Flohmarktstände wurden bereits am späten Nachmittag abgebaut. Dafür war allerdings nicht das mangelnde Publikumsinteresse die Ursache, sondern die Windböen und Regengüsse eines Gewitters.
Sachsenheim Musik top, Einkaufen ein Flop
Am Wochenende fanden erstmals die „Sachsenheimer Schlossnächte“ statt. Für die Zukunft gibt es Verbesserungsbedarf.
„Wir haben keinen verkaufsoffenen Sonntag mehr zustande gebracht. Die Einzelhandelslage in der Innenstadt Großsachsenheims ist schwierig. Auch die ganzen sicherheitsrelevanten und rechtlichen Auflagen hätten wir finanziell nicht alleine stemmen können“, machte Klaus Weiberle vom BdS Sachsenheim deutlich.
Da traf es sich gut, dass die Stadt Sachsenheim als Veranstalter für die „Sachsenheimer Schlossnächte“ einen Zuschuss vom Land Baden-Württemberg generieren konnte. „Als alleiniger Veranstalter konnten wir den BdS finanziell, organisatorisch und rechtlich entlasten. Wir wollen die gesamte Veranstaltung umstrukturieren und auf neue Füße stellen“, sagte Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich.
Gute Stimmung und Feierlaune
Einzig gelungen scheint dies beim Musikprogramm auf dem Äußeren Schlosshof zu sein. Die Band „Extasy“, zu deren Idolen AC/DC zählt, heizte mit ihren lautstarken und heißen Rocksongs am Freitagabend dem Publikum mächtig ein. Am Samstag wiederum sorgten die Musiker von „Good News“ generationenübergreifend für gute Stimmung und Feierlaune. Auf Liegestühlen oder Festbänken konnten die Besucher erfrischende Cocktails von der Jugendtanzgruppe der Siebenbürger Sachsen oder gemixt von den Mitgliedern der Handballer des HC Metter-Enz genießen.
Auch die Wengerterfamilie Weiberle aus Hohenhaslach schenkte ihre Rebenerzeugnisse aus und gab den Besuchern Einblick in die verschiedenen Rebsorten. „Ich bin immer noch begeistert, wie gut der Weinausschank im Juni im Sachsenheimer Pop-up-Store von unserer jungen Winzergeneration ankam. Es ist nur die Frage, ob eine dauerhafte Vinothek in der Innenstadt Großsachsenheims sich mit ihren Kosten auch tragen würde?“, fragte Weiberle und erinnerte damit daran, dass die Innenstadt in Großsachsenheim sehr wohl Besucherinteresse erzeugen kann.
Kaum Resonanz gefunden
Auch die BdS-Vorsitzende Melanie Perrotta konzentrierte sich vor allem auf die Musikveranstaltung auf dem Äußeren Schlosshof, bei der Grillspezialtäten und griechische Speisen das kulinarische Angebot ergänzten. „Gute Stimmung ist zum Glück wetterfest. Es gibt doch nichts Schöneres als mit Freunden zusammenzusitzen und gemeinsam eine gute Zeit zu haben“, betonte Perrotta bei der Festeröffnung.
Davon jedoch profitierte die Einzelhandelslage in der Großsachsenheimer Innenstadt kaum, und die Händler schienen auch nicht daran teilhaben zu wollen, wie eine der wenigen Ladeninhaberinnen erläuterte, die geöffnet hatte. „Früher haben wir uns viel Mühe gegeben mit unseren Aktionen bei solchen Veranstaltungen für die Kunden. Aber Resonanz hat dies kaum gefunden, denn nur die kostenlosen Giveaways wurden mitgenommen“, beklagte das BdS-Mitglied, das nicht namentlich genannt werden will.
Michaela Glemser
