Sachsenheim Nicht von dieser Welt und doch schwäbisch-bodenständig

Von Markus Wirth
Nicht abgehoben, sondern bodenständig: Jonas Ertle mimte in der Werbekampagne für das Weingut Ott den Astronauten. Die Fotos und der Film dazu sind Teil der Meisterprüfung von Michael Bleeser, der gemeinsam mit Ertle die Fotoagentur in Löchgau führt. Foto: /Michael Bleeser

Der Fotograf Michael Bleeser hat im Wengert des Hohenhaslacher Weinguts Ott einen Astronauten landen lassen – und eine kreative Werbekampagne gestartet.

Michael Bleeser hatte eine Vision. Der Fotograf aus Löchgau, der sich derzeit auf seine Meisterprüfung am Montag vorbereitet, kannte das Weingut von Kurt und Dietmar Ott aus Hohenhaslach bereits von verschiedenen Auftragsarbeiten, auch war ihm die Spitzenserie der Ottschen Weinpyramide, „On the top“, bekannt.

„On the top“, also ganz oben stehend, über allem schwebend, das müsste sich doch marketing- und fototechnisch beackern lassen, da sah der junge Mitinhaber der Fotoagentur BE-Fotomedia ganz klar Potenzial. Und nun kam dem kreativen Kopf der Atronaut in den Sinn, der über dem Wengert schwebt und die Weine, die „nicht von dieser Welt“ sind, entdeckt. So etwa, wie ehemals Neil Armstrong den Mond betrat und dort die ersten kühnen Sprünge wagte.

„Ich ging auf Dietmar zu und erzählte ihm von meiner Idee, die – nicht ganz uneigennützig – Teil meiner Meisterprüfung sein sollte, und er war sofort begeistert“, sagt Bleeser, und Dietmar und Silvia Ott stimmen ihm zu. Beim Vor-Ort-Termin mit der BZ lässt er nochmals den Astronauten in Szene setzen, wenngleich nunmehr am Boden bleibend und durch eine Schaufensterpuppe ersetzt. „Freilich war der Dreh ein irrsinniger Aufwand“, erzählt der Fotografenmeister in spe, sowohl in zeitlicher als auch in kostentechnischer Hinsicht.

Ein fast echter Raumfahreranzug

Schon alleine der in Großbritannien bestellte Raumfahreranzug – mit lizenzierten NASA-Logos – hatte knapp 2000 Euro gekostet.

Vor allem bis die Szene des schwebenden Weltraumritters, dargestellt von Jonas Ertle, dem anderen Mitinhaber der Fotoagentur, im Kasten war, bedurfte es umfassender Vorarbeiten: Verschiedenes Beleuchtungsgerät, diverse Kameras sowie Spiegel in unterschiedlichen Größen waren an den jeweils richtigen Stellen zu platzieren – und schließlich ein Kranwagen, der mit seinem 20 Meter langen Arm Ertle auf rund zwölf Meter Höhe hieven sollte, alles musste akribisch vorbereitet sein. Und dann war da noch der Faktor Zeit, und der war denkbar klein: „Wir hatten uns des besonderen Lichts wegen die sogenannte ,blaue Stunde’ ausgesucht gehabt. Dieses intensive Blau am Himmel währt nur kurze Zeit, da musste also alles sitzen, jeder an seinem Ort sein und die ganze Maschinerie wie ein Zahnradwerk ineinandergreifen“, erinnert sich Bleeser. Knapp 15 Minuten hatte die Crew in den Weinbergen oberhalb von „Haslich“ also Zeit, bevor die Sonne tief im Westen untergehen sollte.

Es musste alles schnell gehen, und Höhenretter Benjamin Brodbeck und die Betriebsfeuerwehr von Bosch aus Stuttgart standen parat und leisteten ganze Arbeit. „Das war eine wirkliche Meisterleistung, es hatte alles wunderbar geklappt, auch wenn uns zwischenzeitlich die Zeit davonzurennen drohte“, berichtet Bleeser.

Ertle setzte die Flagge stilecht in Zeitlupe in den Boden. Doch statt „Stars and Stripes“ und Mondgeröll war es eine Flagge mit dem Ottschen Logo und Unterländer Gipskeuper.

„Gerade in Zeiten des zurückgehenden Weinkonsums muss man sich marketingtechnisch immer wieder Neues einfallen lassen“, sagt Dietmar Ott. Er weiß nur zu gut um die derzeitigen Nöte im deutschen Weinbau, die auch schon längst das Stromberggebiet erreicht haben.

Auf dem Hohenhaslacher Kirchberg, eine der Paradelagen im Unterland, klaffen schmerzliche Lücken aufgegebener Weingärten, nicht viel besser sieht es auf dem „Hörnle“ aus. „Es wird noch so weitergehen“, sagt Ott, und dies sei keine Schwarzmalerei: „So lange die Leute lieber zu günstigen Weinen aus Übersee greifen statt zu heimischem Rebensaft, wird sich die Misere weiter verstärken.“

„Müssen im Gespräch bleiben“

Daher tue Werbung Not, man müsse im Gespräch bleiben. Und so ist nach einem Imagefilm über das Hohenhaslacher Weingut vor einiger Zeit nun auch ein Astronaut gelandet, der mit dem Slogan „Weine, nicht von dieser Welt“ Werbung machen soll für den Rebensaft vom Südrand des Strombergrückens. Zunächst aber werden die Bilder und der Film am Montag in Dortmund gezeigt werden, wenn Michael Bleeser diese im Zuge seiner Meisterprüfung präsentieren wird.

 
 
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