Sachsenheim „Nur gemeinsam sind wir stark“

Von Michaela Glemser
Jungwinzer vor dem Großsachsenheimer Pop-up-Store, von links: Hannes Weiberle, Fried Baumgärtner, Jule Mayr, Josua Baumgärtner sowie Gerd Keller. Foto: /Oliver Bürkle

Jungwinzer wollen mit neuen kreativen Ideen die heimische Kulturlandschaft bewahren.

Wenn im Juni immer donnerstags und freitags von 16 bis 22 Uhr einige Sachsenheimer Wengerter im Pop-up Store im Herzen Großsachsenheims eine Weinbar eröffnen, wäre dies noch vor einigen Jahren erheblich schwieriger gewesen. Seit in vielen Weingütern des Kirbachtals ein Generationswechsel stattgefunden hat, wird die Zusammenarbeit untereinander noch zusätzlich forciert.

„Früher haben viele Wengerter immer nur nach ihrem eigenen Betrieb geschaut, aber gerade in schwierigen Zeiten wie diesen müssen wir zusammenhalten und gemeinsam neue Ideen verwirklichen“, erklärt Hannes Weiberle vom gleichnamigen Hohenhaslacher Weingut, der seinen Vater Klaus allmählich in der Leitung des Winzerbetriebs ablöst.

Erfahrungen in Südtirol

Der Jungwinzer hat seine Ausbildung zum Weintechnologen als Bester in ganz Baden-Württemberg abgeschlossen und anschließend ein Studium zum staatlich geprüften Techniker für Weinbau und Önologie angehängt, das er ebenfalls als einer der Jahrgangsbesten absolviert hat. Zudem hat er bevor er fest in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, in vielen anderen Weingütern in Neuseeland, Südtirol, aber auch in ganz Deutschland gearbeitet.

„Meine Eltern haben mir keinen Druck gemacht, dass ich das Weingut auch tatsächlich übernehmen muss, denn zunächst wollte ich Konditor werden, habe aber bald gemerkt, dass ich im Weinbau doch richtig aufgehoben bin“, erzählt Weiberle. Auch Friedrich Baumgärtner hat zunächst andere berufliche Wege eingeschlagen und Betriebswirtschaftslehre studiert. „Mein Vater hat uns immer freigestellt, was wir beruflich machen wollen. So halte ich es jetzt bei meinen Kindern auch. Allerdings bringen die sich jetzt bereits in jungem Alter mit so vielen neuen Ideen in den Betrieb ein, dass mir um die Zukunft nicht bange ist“, sagt Baumgärtner.

Nicht immer lassen sich die Ideen der jungen Nachwuchsgeneration in den Weinbaubetrieben ohne Diskussionen mit der Elterngeneration verwirklichen. „Wir besprechen meine Vorschläge ganz offen miteinander. Manchmal sagt mein Vater, das haben wir schon vor 20 Jahren ohne Erfolg versucht, aber er lässt mich meine Ideen dennoch ausprobieren“, sagt Weiberle.

Jungwinzerin Jule Mayr ergänzt, dass gerade diese Freiheit das Schöne am eigenen Betrieb sei, dass neue Vorstellungen umgesetzt werden könnten, auch wenn nicht alles von Erfolg gekrönt sei.

Quereinsteigerin an Bord

Mayr hat sich als Quereinsteigerin entschieden ihre Zukunft im Weinbau zu suchen und kommt nicht aus einem alteingesessenen Familienweingut. „Meine Eltern unterstützen mich dennoch sehr. Manchmal sehe ich es auch als Vorteil an, dass ich alles noch neu ausprobieren kann und niemand sagt, das sei aber immer schon anders gemacht worden. Ich muss auch die Konsequenzen von meinem Handeln tragen“, sagt sie.

Die Jungwinzer empfinden es nicht als Bürde ein Weingut, das bereits seit Generationen im Familienbesitz ist, durch diese schwierigen Zeiten zu führen. Es ist für sie eher eine Herausforderung. „Es ist derzeit in vielen Branchen schwierig. Bei uns in den Betrieben hat bereits ein Wandel stattgefunden. Wir Jungwinzer müssen flexibler sein. Es gibt nicht mehr die Stammkundschaft, die regelmäßig ins Weingut kommt und ihren Lieblingswein abholt. Wir müssen mit Veranstaltungen und kreativen Ideen wieder für den heimischen Weinbau begeistern“, sagt Josua Baumgärtner vom Panoramaweingut.

Eine solche neue Idee ist die Weinbar im Pop-up-Store, an der Besucher die Weine der beteiligten Weingüter von Friedrich sowie Josua Baumgärtner, von Gerd Keller, Jule Mayr und Hannes Weiberle kosten können. An jedem Veranstaltungstag stehen die Vertreter von zwei Weingütern für die Beratung und Verkostung vor Ort bereit, wobei immer die Weine aller beteiligten Wengerter vom spritzigen Secco bis zum gehaltvollen Rotwein ebenso wie antialkoholische Varianten ausgeschenkt werden. Die Jungwinzer können sich sogar vorstellen, dauerhaft eine Vinothek in Großsachsenheim zu eröffnen, um ihre Weine einem breiteren Publikum nahezubringen.

„Der Regionalgedanke muss mehr gelebt werden. Nur so können wir auch unsere typische heimische Kulturlandschaft erhalten, zu welcher der Weinbau einfach dazugehört“, unterstreicht Friedrich Baumgärtner. Dies ist allen Jungwinzern ein großes Anliegen, denn es geht ihnen nicht nur um das Überleben des eigenen Familienbetriebs, sondern vor allem auch um den Erhalt des heimischen Landschaftsbilds.

Heimische Weinkultur bewahren

„Im Kirbachtal gab es schon immer die typischen Weindörfer mit Wengertern, welche die Reblagen gepflegt und bearbeitet haben. Dies möchte ich auch für die künftigen Generationen bewahren. Die Weinberge dürfen nicht allesamt verwildern, weil sich der Weinbau nur noch als Hobby lohnt“, betont Keller. Für dieses Ziel ziehen alle Jungwinzer gemeinsam an einem Strang und schauen häufig auch über den „Tellerrand“ des eigenen Betriebs hinaus, um mit gegenseitiger Unterstützung neue Wege in der Vermarktung zu gehen. „Als Winzer habe ich ungefähr 30-mal die Chance einen guten Weinjahrgang umzusetzen. Diese 30 Versuche will ich zu einem möglichst positiven Ergebnis bringen. Dies spornt mich jeden Tag aufs Neue an“, fasst Weiberle unter dem zustimmenden Nicken aller Beteiligten zusammen.

 
 
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