Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe in Sachsenheim, eingegliedert in den Landesverband Württemberg mit Sitz in Laichingen, besteht seit 70 Jahren. Die BZ hat sich mit dessen Leiter Richard Fromberger über das Angebot des Vereins unterhalten und wie diese Hilfe für Suchtkranke aussieht. Dabei hat sein Ehrenamt auch ganz eng mit seiner eigenen Geschichte zu tun, wie er im Gespräch mit der BZ offen und ohne Scheu berichtet: „Ich bin seit 35 Jahren trocken, aber war zuvor viele Jahre lang alkoholabhängig“, sagt er. Bis zu einem Kasten Bier pro Tag, begleitet von vielen kleinen Fläschchen Kräuterlikör, war sein übliches Pensum.
Sachsenheim „Ohne Hilfe wäre ich schon lange tot“
Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe besteht seit 70 Jahren. Die BZ hat mit Gruppenleiter Richard Fromberger über dessen ehrenamtliche Arbeit, Betroffenen zu helfen, gesprochen.
Getrunken, wann immer es ging
Und – er trank, wann immer es sich anbot. Morgens, bei der Arbeit, in der Freizeit, immer und überall war der falsche Freund Alkohol dabei. „Er war lange Zeit tatsächlich mein Freund, mein Vertrauter, mein Alltag drehte sich nur um ihn. Dabei habe ich meine Familie vernachlässigt“, sagt er. Und: „Was mir besonders leid tut und irreversibel ist – ich habe nicht miterlebt, wie meine beiden Söhne heranwuchsen.“
Den Ausschlag, sich professionelle Hilfe zu suchen, lieferte seine Frau. Eines Tages sei er nach der Arbeit nach Hause gekommen, dort seien schon zwei Koffer gestanden, und seine Ehefrau habe ihm ein Ultimatum gestellt: „Entweder ich lasse mir helfen und besuche den Freundeskreis, oder aber sie zöge mit den Kindern aus.“ Nur widerwillig, erinnert sich Fromberger, habe er den Weg zum Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe gesucht, was folgte, war ein steiniger und langwieriger Weg, weg von der Volksdroge Nummer 1.
Dabei seien es nicht nur, aber eben vor allem alkoholkranke Menschen, die beim Freundeskreis beraten werden. „Wir haben aber auch Leute, die sich einfach das Rauchen abgewöhnen wollen“, sagt Fromberger, relativiert aber auch, dass diese Sucht weniger folgenreich sei wie die des Alkoholismus: „Wegen übermäßigem Zigarettenkonsum hat noch keiner sein Unternehmen an die Wand gefahren oder seine Familie zerstört.“
Eine Alkoholsucht, sagt er, sei ein Teufelskreis zwischen dem Zwang des dauerhaften Konsums, der Beschaffung und des sich Absonderns. Bei ihm folgte nach einem halben Jahr der Sitzungen beim Freundeskreis eine Therapie im Japangarten, bei der PSB (der Psychosozialen Beratungsstelle Bietigheim-Bissingen), dann galt er als austherapiert und wusste, dass er, sich beim Freundeskreis engagieren würde, aus Dankbarkeit, dem Teufel Alkohol von der Schippe gesprungen zu sein: „Ohne diese Hilfe wäre ich schon lange tot“, sagt er selbstkritisch. Er absolvierte die zweieinhalb Jahre dauernde Ausbildung als Suchtkrankenhelfer und ist nun schon seit gut zehn Jahren Gruppenleiter.
Gemeinsam mit seinem Stellvertreter und zwei Gruppenbegleitern sorgt Fromberger jeden Dienstag um 19.30 Uhr im kleinen Saal des evangelischen Gemeindehauses in Großsachsenheim dafür, dass Suchtkranke auf den richtigen Weg gebracht werden. „Wie gesagt, ein Großteil ist alkoholkrank, aber zunehmend kümmern wir uns auch um Cannabis-Süchtige“, wobei es durchaus auch polytoxikomane Konstellationen gebe, „beispielsweise Cannabis-Konsumenten, die sich mit Alkohol den letzten Kick erhoffen und umgekehrt.“
Harte Drogen sind kein Thema
Harte Drogen wie Heroin oder Kokain seien zumindest in Sachsenheim kein Thema, auch synthetische Derivate wie Chrystal Meth seien aktuell nicht Gegenstand der Sitzungen, die übrigens keine Therapie darstellen - „dafür haben wir keine Ausbildung“ - sondern ein ehrenamtliches und kostenfreies Hilfsangebot, mit Gesprächen, Selbsthilfe und den Austausch mit jenen, die ebenfalls Erfahrungen mit Süchten aller möglichen Arten gemacht haben.
„Wir sind erste Anlaufstation und auch Zwischenstation zur Austherapierung“, und dies nicht nicht für die Süchtigen selbst, sondern auch für deren Angehörige: „Weil wir es selbst erlebt haben, ist uns bewusst, dass nicht nur der Alkoholiker unter seiner Krankheit leidet, sondern das gesamte Umfeld.“
Seit 35 Jahren ist Richard Fromberger nun trocken, und er ist dankbar für dieses zweite Leben. Seine erste Ehe hat er zwar nicht retten können, aber die Beziehung zu seinen Söhnen ist so gut wie nie.
Und was er bei diesen des Alkohols wegen verpasst hat, genießt er nun bei seinen beiden Enkeln, die er auf- und heranwachsen sieht und für die er ein guter Freund und Vertrauter ist.
