Sachsenheim Ortsvorsteher Ochsenbach: „Den dörflichen Charakter erhalten“

Von Lisa Lorenz
Ortsvorsteher Alexander Weiß sieht den dörflichen Zusammenhalt und die aktiven Vereine als zentral für Ochsenbach an. Foto: /Oliver Bürkle

Ochsenbachs Ortsvorsteher Alexander Weiß setzt auf Erhalt statt Zentralisierung und freut sich über die vielen aktiven Vereinsmitglieder.

Ich bin geborener Ochsenbacher und wohne auch schon immer hier“, erzählt der Ochsenbacher Ortsvorsteher, Alexander Weiß. Seit Oktober 2024 besetzt er dieses Amt, das er als schönen Ausgleich zum Beruf bezeichnet. Der Logistikleiter in einem Maschinenbauunternehmen in Sinsheim habe sich schon immer für Geschichte und Politik interessiert und trat mit seiner Wahl zum Ortsvorsteher in die Fußstapfen seines Vaters Reiner Weiß, der 15 Jahre lang das gleiche Amt bekleidete.

Sachsenheim sei ein interessantes Gebilde mit Stadtteilen, von denen jeder so seine Eigenheiten habe. Diejenige Ochsenbachs sei, so Weiß, einerseits der Vereinsreichtum und andererseits die Tatsache, dass diese über viel Eigentum verfügten: So gehören beispielsweise der Sportplatz und das Heim des Musikvereins jeweils den Vereinen selbst und nicht der Stadt. Das sei auch ein Grund dafür, dass man mit der derzeitigen mageren Finanzlage relativ gut umgehen könne.

Mehr Vereinsmitglieder als Einwohner

Die Vereine spielen generell eine große Rolle: „Wir haben ein extrem aktives Vereinsleben und zählen mehr Mitglieder als Einwohner“, sagt Weiß. Mit über zehn Vereinen, darunter Turnverein, Landfrauen, Musikverein, Trekkerverein und Reitverein, gebe es ein sehr gutes Angebot. Dabei werde eng mit dem benachbarten Stadtteil Spielberg zusammengearbeitet, die Vereine seien für beide da. Wenn man sich einbringe und in Vereine gehe, sei man auch schnell integriert, und für die Einwohnerzahl von knapp 900 sei im Ort viel los. Die Dorfgemeinschaft sei schon immer gut und der Zusammenhalt stark gewesen, zu Weiß’ Jugend genauso wie heute.

„Wir sind Sachsenheimer, aber auch Ochsenbacher“, beschreibt der Ortsvorsteher, und bezieht sich damit auf die laut ihm teils lebhaften Diskussionen mit der Stadt. Letztere wolle nämlich eher zentralisieren, Ochsenbach das Gegenteil, und Dinge wie die eigene Verwaltungsstelle, öffentliche Gebäude und die eigene Feuerwehr erhalten: „Jeder Ort will seine Identität bewahren, und es ist uns wichtig, dass in Ochsenbach der dörfliche Charakter erhalten bleibt.“ Deshalb soll der Tourismus auch nur in „ganz leichter Form“ angekurbelt werden, unter anderem durch die drei Restaurants und das Stromberghotel, aber auch durch Wander- und Radwege. Denn Weiß macht deutlich: „Wenn die letzte Kneipe, das letzte Restaurant schließt, dann fehlt dem Ort ein wichtiger Baustein.“ Der Wunsch nach einer Einkaufsmöglichkeit vor Ort werde auch an ihn herangetragen, aber das sei eine privatwirtschaftliche Frage: Es müsse sich eben jemand finden, der einen Laden betreiben will.

Schade sei es natürlich, vor allem jetzt, da im neuen Wohngebiet hauptsächlich junge Familien eingezogen sind, die sich bewusst für den Ort entschieden haben. Nachdem die Bauphase des neuen Wohngebiets abgeschlossen ist, ist in dieser Hinsicht erst einmal nichts geplant. Eine Erweiterungsoption gebe es, aber in naher Zukunft sehe Weiß hier keinen Bedarf.

Ochsenbach wird im Gemeinderat gehört

Dass es kleinere Stadtteile aufgrund ihrer geringeren Einwohnerzahl schwerer haben als größere, beispielsweise im Gemeinderat, und der Fokus eher bei Groß- und Kleinsachsenheim sei, liege in der Natur der Sache. Aber bis jetzt ist Weiß zufrieden mit der Zusammenarbeit: „Der Ortsvorsteher hat ein Rederecht, und es wird auch immer nach der Stimme des Orts gefragt.“ Es sei in einer Stadt eben ein Geben und Nehmen, und nicht alle Wünsche können erfüllt werden. Man könne zwar grundsätzlich überstimmt werden, aber das Interesse an Konsens und einer guten Stimmung in der Stadt sei groß. Als kleiner Ort könne man schon das Gefühl bekommen, man werde vergessen, aber im Gemeinderat „wird man gefragt und es wird zugehört“. Der Austausch sei kollegial, die Zusammenarbeit pragmatisch. Wie es wäre, wenn es einmal kritische Entscheidungen zu treffen gilt, werde sich dann zeigen – in Weiß’ Amtszeit habe es noch keine völlige Uneinigkeit bei Entscheidungen gegeben.

Im Ortschaftsrat freue man sich darüber, dass regelmäßig 20 bis 30 Besucher zum Zuhören kämen – und zwar themenunabhängig. Auch die eingeführte Arbeitsteilung funktioniere gut: So wurden für verschiedene Themen Projektgruppen gegründet, beispielsweise für den Tourismus und den Wald. Letzteren zu erhalten, sei dem Ort wichtig, genauso, wie man auch froh über den naturbelassenen Weinberg sei.

Ärgernis der Dorfstraße bleibt ungelöst

Das Hauptproblem, das sich bereits durch mehrere Jahrzehnte zieht, ist immer noch die Dorfstraße: Zwischen denkmalgeschützten Fachwerkhäusern läuft die schmale Straße entlang, die Berufsverkehr, Lkw und, vor allem an schönen Sonntagen, Motorradfahrer nutzen. „Ich wohne auch in der Straße und erlebe es selbst. Das ist zum Teil heftig, was hier an Lkw durchfährt“, berichtet Weiß. Der Verkehr sei zu viel und der falsche für diese Straße, aber sie sei eben die Hauptverkehrsachse.

 
 
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