Sie fahren über das Viadukt im Miniaturformat vorbei am Goldfischteich, passieren eine imposante Ritterburg, lassen ein Indianerdorf hinter sich und fahren durch eine gruselige Drachenhöhle: Seit nunmehr 50 Jahren drehen die Lokomotiven mit ihren Waggons in der Garteneisenbahn-Anlage von Heinz Knodel in Hohenhaslach ihre Runden.
Sachsenheim Paralleluniversum im Kleinen
Heinz Knodel aus Hohenhaslach bastelt seit 50 Jahren an seiner Garteneisenbahn, die schon längst auch eine Touristenattraktion ist.
Angefangen hat dieses Hobby des einstigen Bauunternehmers, der im kommenden Jahr seinen 80. Geburtstag feiern kann, mit dem Bau einer kleinen Klosterkirche als Dekoration für den heimischen Vorgarten in der Rinnenstraße.
Mit der Klosterkirche fing alles an
„Ich habe jeden Stein einzeln für diese Kirche mit der Hand behauen und entsprechend eingefügt. Ein Freund hat mich anschließend auf die Idee gebracht, um die Kirche herum eine Garteneisenbahn fahren zu lassen“, erinnert sich Knodel. Immer neue Ideen für weitere Szenerien der kleinen Miniaturwelt hat sich der Hohenhaslacher ausgedacht und zunächst in Skizzen zeichnerisch festgehalten, um sie anschließend nachzubauen.
„Mich abends nach der Arbeit noch zwei Stunden so zu beschäftigen, war mein willkommener Ausgleich zum Berufsleben. Ich habe drei Kinder, die auch begeistert mitgeholfen haben“, erzählt Knodel. Inzwischen hat er 400 Meter Geleise in seiner analogen G-Spur-Modellbahn-Anlage verlegt, die sich auf drei Seiten seines Hauses durch den Garten zieht. Der Modelleisenbahner hat ein kleines Salzbergwerk mit Förderturm nachgebaut, in dem per Seilzug das Salz in bereitgestellte Modell-Lkw fällt. Knodel hat ein Schottersortierwerk konstruiert, ein Sägewerk geschaffen, in welchem die Baumstämme automatisch vom Förderband rollen, und eine Berglandschaft entworfen, in der eine kleine Zahnradbahn zum Ausflugslokal auf der Bergspitze fährt, auf welcher sogar ein amerikanischer Modell-Hubschrauber mit der kleinen Spielfigur von US-Präsident Donald Trump gelandet ist.
„Mir kommen immer wieder neue Ideen für Elemente, um die ich meine Garteneisenbahn-Anlage noch ergänzen könnte. Ich tüftele so lange daran herum, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin und stelle die Zubehörteile oft alle selbst her“, macht Knodel deutlich. Er hat bereits seinen nächsten Entwurf im Kopf, denn viele seiner Lokomotiven sind inzwischen in die Jahre gekommen und wurden von ihm aussortiert.
Für diese altersschwachen Loks möchte er eine Art „Eisenbahnfriedhof“ entstehen lassen, wobei er alle Bauschritte von der Baugrube bis zur Bodenplatte für das entsprechende Begleitgebäude mehrere Wochen in seiner Anlage demonstrieren möchte. „Die strahlenden Kinderaugen zu sehen, das ist für mich das größte Glück. Meine Anlage begeistert die Generationen von den Großeltern bis zu den Kindern“, betont Knodel. Selbst im fernen Shanghai hat er Fans, die früher regelmäßig seine Anlage besucht und fleißig fotografiert haben, um die Bilder in ihrem Eisenbahn-Museum in Fernost auszustellen.
Immer wieder halten Busse mit internationalen Touristen aus Übersee vor dem Haus von Knodel, die auf Fahrten zum Kloster Maulbronn gerne Station an der Vorgarten-Attraktion machen. Mit der Eisenbahner-Mütze blickt der Hohenhaslacher dann von seiner kleinen Terrasse auf das Geschehen und steht gerne für Gespräche sowie Erklärungen bereit.
Fünf Lokomotiven können gleichzeitig ihre Runden auf den Schienen drehen, wobei eine Fahrt dabei ganze acht Minuten in Anspruch nimmt. „Ich bin in einer Modelleisenbahngruppe, die sich monatlich in Walheim zum Erfahrungsaustausch trifft. Daraus schöpfe ich Inspiration. Zudem bringen mich meine kleinen Besucher auch immer wieder auf neue Ideen, und so manch einer bringt auch seine Lieblingsspielfigur mit und stellt sie in meiner Anlage auf“, berichtet Knodel.
Selbst die Schlümpfe fahren Bahn
So drehen nicht nur die Hunde von „Paw Patrol“ ihre Runden in den Zügen, sondern auch die Schlümpfe oder Bob der Baumeister sind in einzelnen Szenen zu entdecken. Sollte der Hohenhaslacher einmal nicht persönlich anwesend sein, können die Besucher selbst die Anlage gegen eine kleine Geldspende für zehn Minuten in Fahrbetrieb versetzen.
In den vergangenen 50 Jahren hat die Miniaturwelt auch allen Jahreszeiten und Wetterkapriolen getrotzt. Nur nach dem Winter muss Knodel bei den Geleisen Hand anlegen und sie wieder in die richtige Spur bringen. „Aber ich bin eigentlich nahezu täglich an meiner Anlage zugange und pflege diese. Oft kommen auch Kindergartengruppen oder Schulklassen“, erläutert er.
Was in den kommenden 50 Jahren mit seiner Anlage passieren wird, steht noch in den Sternen, denn leider teilt bisher kein Kind oder Enkel die große Leidenschaft des Hohenhaslacher Modelleisenbahners.
