Sachsenheim „Perspektiven in unsicheren Zeiten“

Von Markus Wirth
Bürgermeister Holger Albrich schaut auf ein ereignisreiches Jahr für Sachsenheim zurück und zeigt sich bezüglich der Zukunft auch recht zuversichtlich. Foto: /Martin Kalb

Im Interview mit der BZ zeigt sich Bürgermeister Holger Albrich froh über die Entwicklung im Gewerbepark Eichwald.  

Sachsenheim blickt auf ein bewegtes Jahr 2025 zurück. Im Gespräch mit Bürgermeister Holger Albrich lässt dieser das Gewesene Revue passieren und wagt einen Ausblick auf das noch junge Jahr.

Welche wichtigen Bauvorhaben standen 2025 ganz oben auf der Agenda?

Holger Albrich: Das war ganz klar die anstehende Sanierung und Erweiterung der Kirbachschule für eine zweizügige Sekundarstufe und die rechtlich verpflichtende Umsetzung der Ganztagsbetreuung an der Grundschule. Dies ist das bis dato größte und umfangreichste Bauprojekt der Stadtgeschichte. Jeder Euro wird gut investiert sein, denn das Vorhaben stärkt uns als Vollschulstandort und sichert den Fortbestand einer Schule, an der seit mehr als 50 Jahren Hervorragendes geleistet wird. Von Anfang an wurde uns als Verwaltung große Unterstützung zuteil – sei es seitens des Gemeinde- und des Ortschaftsrats, der Schulleitung, aber auch durch das Oberschulamt, durch das Regierungspräsidium und durch die Landtagsabgeordneten.

Wo lagen die Schwierigkeiten bei diesem Schulprojekt?

Diese sind aus zwei Dimensionen zu betrachten. Einerseits hatte die Landesregierung angekündigt, dass der Werkrealschulabschluss abgeschafft werden soll. Damit standen alle bestehenden Werkrealschulen vor der Frage, wie es weitergehen soll. Wir waren aber zusätzlich die einzige Werkrealschule, die gerade einen Architektenwettbewerb abgeschlossen hatte zur Sanierung und Erweiterung der Kirbachschule, für eine zweizügige Werkrealschule und die Ganztagesbetreuung an der Grundschule. Wir haben uns kurz geschüttelt und sind dann im Schulterschluss zwischen Verwaltung, Gemeinde- und Ortschaftsrat, Schulleitung, Elternschaft, Staatlichem Schulamt, RP und Landtagsabgeordneten die Umwandlung der Werkrealschule in eine eigenständige zweizügige Realschule angegangen. Die zweite Dimension, die uns beschäftigt, ist das Bauvorhaben selbst. Leider lassen sich die ursprünglichen Zeit- und Kostenrahmen nicht halten. Wir haben mittlerweile die Planungen angepasst.

Gibt es hier auch Fördergelder?

Ja, und zwar 6,09 Millionen Euro für die räumliche Erweiterung der Grundschule zur Erfüllung des Ganztagsbetreuungsanspruchs bis Mitte 2029. Dazu kommt noch die herkömmliche Schulbauförderung mit einer nun deutlich erhöhten Förderquote. Wir sind froh, dass wir für dieses mit vielfältigen Schwierigkeiten behaftete Mega-Vorhaben die Unterstützung von allen Seiten haben, vom Gemeinderat über das Staatliche Schulamt bis zum Regierungspräsidium und unseren Landtagsabgeordneten.

Welche Bauvorhaben sind denn noch ganz oben auf der Wunschliste?

Ganz klar der Feuerwehrstandort im Kirbachtal gegenüber des Bromberghofs. Ende Januar wird ein Preisgericht tagen und den besten aus 26 eingereichten Architektenentwürfen küren. Mehr als 100 Architektenbüros wollten sich am Wettbewerb beteiligen. Wir können damit aus vielen unterschiedlichen Ideen und Modellen schöpfen. Wir werden – neben den feuerwehrtechnischen Vorgaben – großen Wert darauf legen, dass in diesem sensiblen Landschaftsbereich so gering wie möglich in Natur und Landschaft eingegriffen wird. Der neue Feuerwehrstandort im Kirbachtal hat in zweierlei Hinsicht Modellcharakter: Der Wunsch der Fusion kam aus den Feuerwehrabteilungen Hohenhaslach, Spielberg und Ochsenbach selbst. Darum beneiden mich viele meiner Bürgermeisterkollegen… Zum Zweiten verbessern wir mit der Fusion und dem neuen gemeinsamen Feuerwehrstandort den Bevölkerungsschutz mit geringeren finanziellen und personellen Ressourcen. Wir sind damit einer der Vorreiter im Land.

Wie schaut es mit den Kosten aus?

Wir hoffen, unter der Zehn-Millionen-Euro-Marke zu bleiben.

Welche weiteren Projekte gibt es?

Auch auf dem Schulcampus in Großsachsenheim brauchen wir mehr Schulraum. Für die bedarfsgerechte Erweiterung der Gemeinschaftsschule in Großsachsenheim wurden in diesem Jahr mit der Einleitung des Bebauungsplanverfahrens für die Flächen gegenüber dem Friedhof und den ersten Grundstückserwerben die Weichen gestellt. Bei den Kindergartenplätzen sind wir aktuell „a jour“, wir können für jedes Kind in Sachsenheim einen Platz anbieten, mit einer Auswahl unter unterschiedlichen Profilen und Betreuungsformen.

Aktuell mag das ja stimmen, kann aber ein eventuell weiterhin steigender Bedarf auch in Zukunft gewährleistet werden?

Ja. Ein wichtiges Vorhaben ist dabei die neue Kita am Südring, auf dem Dach des Aldi-Marktes in Zusammenarbeit mit dem freien Träger „Littlebigfuture gGmbH“ aus Nürnberg. Damit beschreiten wir in zweierlei Hinsicht Neuland: Wir bauen nicht mehr selber Kitas, sondern lassen uns eine Kita bauen. So haben wir es mit der Kita Seepferdle gemacht. Wir mieten die Kita für die Dauer unseres voraussichtlichen Bedarfs. Damit entgehen wir hohen Investitionen und Planungsaufwand und müssen uns später nicht um ein Gebäude kümmern, wenn wir es nicht mehr brauchen. Mit der Nutzung von Dachflächen muss zudem keine Fläche neu versiegelt werden. Und durch den Discounter gibt es genügend Parkplätze.

Was bewegte die Menschen noch?

Das war zweifelsfrei auch die Frage, wie es mit Feintool weitergeht. Sehen Sie, als „Blechle“-Kind hat mich das emotional tief bewegt. Deswegen war es schön zu sehen, dass wir alle an einem Strang gezogen haben – Betriebsrat, Gemeinderat, Abgeordnete, alle haben Gespräche miteinander geführt und haben dafür gearbeitet, dass hier nicht die Lichter ausgehen. Dass der Standort letztlich dann doch gerettet werden konnte, freute mich einerseits, andererseits war es auch schmerzlich zu realisieren, dass dies nur durch Arbeitsplatzabbau ging. Ich hoffe darauf, dass für die Betroffenen möglichst sozialverträgliche Lösungen gefunden werden. Der Betriebsrat hat bei den Verhandlungen mit der Geschäftsführung super Arbeit geleistet.

Welche Weichenstellungen gab es?

Nun, ich sprach ja schon das stetige Bevölkerungswachstum an. In unseren drei Neubaugebieten – Talaue, In den Gärten und, ganz neu, Birkenfeld – schaffen wir neuen, auch bezahlbaren Wohnraum. Wichtig war und ist uns auch der Breitbandausbau, der Gewerbepark Eichwald ist mit über 110 Millionen Euro seit seinem Bestehen aus Grundstückserlösen und Steuereinnahmen eine absolute Erfolgsgeschichte für die Zweckverbandskommunen. Das gibt uns Perspektiven in unsicheren Zeiten wie diesen. Darüber hinaus erinnere ich mich gerne an unser Heimatfest, welches ein voller Erfolg war und das Miteinander eindrucksvoll untermauert und gestärkt hat. Hier möchte ich allen Vereinen nochmals für ihr Engagement danken.

Die Sanierung der Großsachsenheimer Innenstadt wurde ja auch begonnen…

Richtig, hier haben wir mit dem Städtebauförderungsprogramm des Landes einen großen Hebel, um die Innenstadt attraktiver zu gestalten.

Was geben Sie den Bürgerinnen und Bürgern für 2026 mit auf den Weg?

Mein Wunsch ist, dass Sachsenheim weiterhin eine Stadt ist, die sich weiterentwickelt und die ein attraktiver Wohnort bleibt. Ich wünsche uns, bei allen unterschiedlichen Auffassungen, weiterhin ein gutes Miteinander. Ich appelliere an die Sachsenheimer, an den Bürgerentscheiden am 1. Februar zum Energiepark Alleenfeld teilzunehmen. Wie wir uns zu Erneuerbaren Energien aufstellen, ist entscheidend für unsere Zukunft und für die Zukunft unserer Stadt. Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung, die dann den Ergebnissen eine hohe Akzeptanz verschafft - wie immer sie auch ausfallen. Ich bitte die Bürger: Stimmen Sie ab – sonst entscheiden andere für Sie.

Vielen Dank für das Gespräch. 

 
 
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