Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr, ging die Sachsenheimer Vinyl-Party des Vereins Ibisa am Wochenende in die zweite Runde. Beste Stimmung herrschte auf der Tanzfläche im großen Saal des Kulturhauses und es gab ein Wiederhören von Musiklegenden.
Sachsenheim Retro-Kultparty im Kulturhaus
Bei der Vinyl-Party wurden Hits von Udo Jürgens, Los Bravos bis hin zu Police und Jimi Hendrix aufgelegt.
An der Kasse hatte sich eine kleine Schlange gebildet: „Habt ihr eine Platte dabei“ war von vorn zu hören, denn alle, die noch alte Schallplatten zuhause haben, waren eingeladen ihren Lieblingssong mitzubringen. „Ich registriere die Schallplatten“, erklärte Ibisa-Vereinsmitglied Matthias Krippendorf, notierte akribisch jeweils Name und zugehörige LP.
Liebevoll dekoriert
Zusätzlich gab es für den DJ noch einen Vermerk zum gewünschten Song mit A- oder B-Seiten-Angabe sowie der Titelnummer: „Müssen wir uns die Nummer merkten?“, fragte ein Ehepaar aus Hohenhaslach besorgt. Sie hatten zwei Schallplatten dabei, einmal die österreichische Popband Erste Allgemeine Verunsicherung sowie den US-amerikanischen Songwriter Warren Zevon und sie waren schon von der ersten Vinyl-Party beeindruckt gewesen: „Einfach, weil es nett ist und wir tanzen wollen“, erklärte Yvonne Kurz ihre Teilnahme.
Liebevoll dekoriert im Stile vergangener Jugendzeiten war das Kulturhaus. Es wurde Sekt ausgeschenkt und Brezeln wurden verkauft. Im großen Saal füllten sich die Plätze an den Tischen schnell und die Gäste erwartete ein bunter Musikmix, von The Teens, über Udo Jürgens und Los Bravos bis hin zu Police, Eurythmics und Yello.
Gabi und Heiko Fabian aus Sersheim hatten extra vorab noch in einem Keller gestöbert: Dort nach gut tanzbaren Titeln gesucht und nun Elvis und den Soundtrack zum 80er Jahre Kult-Tanzfilm „Flashdance“ mitgebracht: „Das ist eine schöne Idee“, konstatierten beide.
Fats Domino, eine Scheibe aus den 60er Jahren hatte Harald Barwig im Gepäck und wünschte sich den ersten Titel der A-Seite „There Goes My Heart Again“: „Ich mag die Musik“, schilderte er, fand ebenfalls die Idee einer Vinyl-Party schön und wollte einfach Spaß haben. Genau das war auch das Motto der Veranstalter: Zusammen Spaß zu haben beim Hören der Lieblingsmusik in astreiner Qualität, zu tanzen und auch mitzusingen.
Dass sie die Idee vom und mit Erlaubnis des Erligheimer Kulturvereins übernommen haben, erzählte der 1. Vorsitzende des Vereins Ibisa, der Initiative zur Belebung der Innenstadt Sachsenheims, Karl Heinz Siber: „Aber wir wollten es nicht einfach nur kopieren, sondern auch anders machen, mit einem besseren Sound“, schmunzelte er und freute sich über das Lob der Gäste: „Grandios, was ihr auf die Beine gestellt habt“, wurde ihm da zugerufen.
Iggy Pop und Jimi Hendrix
Bei der ersten Sachsenheimer Vinyl-Party betrug der Eintritt acht Euro. Wer allerdings seine Lieblingsschallplatte dabei hatte und einen Musikwunsch äußerte, erhielt damals freien Eintritt: „Da hatten wir dann nach der Party gerade mal 40 Euro in der Kasse“, erinnerte sich Siber und ergänzte, dass sie halt keine Veranstaltungsprofis seien.
Da dem Verein aber Kosten entstehen durch das Ausrichten der Vinyl-Party zahlten aktive Besucher mit LP diesmal fünf Euro und sie kamen, trotz einer Faschings-Konkurrenzveranstaltung nur wenige Meter entfernt, zuhauf. Am Ende warteten 76 Schallplatten unterschiedlichster Couleur in den klassischen Kunststoffständern auf ihren Einsatz und auf der Tanzfläche tobte das Leben. Lockte zunächst Iggy Pop, so leerte sich die Tanzfläche bei Jimi Hendrix im Anschluss, um aber beim legendären „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show komplett voll zu sein. Begeistert wurden die Hüften geschwungen und nach Verklingen der letzten Note gab es spontanen Applaus. Zwei Plattenspielerteller drehten sich unermüdlich und auf einer großen Leinwand an der Wand hinter den beiden DJs war das jeweilige Plattencover zu sehen.
Kunst mit Schallplattencovern macht Thomas Hanisch aus Illingen und auch er war zur Vinyl-Party gekommen, zeigte dort seinen Kunstband mit verschiedenen Projekten. Seit 2017 frönt er dieser Leidenschaft und er hoffte auf neue Modelle, denn bei seinen Portraits ist stets das Gesicht des Modellstehenden verdeckt: Ein akkurat ausgerichtetes Plattencover ziert stattdessen das Foto: „Jeder macht was mit seinen Schallplatten, einer legt auf und ich mache mit ihnen Kunst“, erläuterte er und war schon wieder in Fachgespräche mit anderen Fans vertieft. Helga Spannhake
